Staßfurt l Robert Reiske, Tim Steffen, Calvin Kleineidam waren schon da, hinzu kamen vor kurzem Till Wagner und Jens Osterloh und nun also auch Falko Nowak. Letztgenannter ist die aktuellste Neuverpflichtung des HV Rot-Weiss Staßfurt und hat so mit allen vor ihm aufgezählten Männern drei Dinge gemeinsam. Erstens. Sie sind alle Handballer in der Sachsen-Anhalt-Liga. Zweitens: Sie spielen zukünftig gemeinsam in Staßfurt. Drittens: Das Sextett stand vorher in Diensten des BSV 93 Magdeburg.

Staßfurts Präsident Patrick Schliwa hält große Stücke auf Nowak. Der 1,93 Meter große Linkshänder soll im rechten Rückraum bei den Rot-Weissen endlich die Lücke schließen, die vor gut eineinhalb Jahren durch das abrupte Karriereende von Tormaschine Nils Hähnel entstanden war. Dieser musste aufgrund einer neuerlichen Knieverletzung die Harz-Dose endgültig ins Regal stellen. Seitdem fehlt im Rückraum ein torgefährlicher Linkshänder im Kader der Staßfurter. „Falko Nowak ist ein erfahrener Mann, der zwar schon 34 Jahre alt, aber körperlich absolut in Topform ist. Wir erhoffen uns von ihm natürlich viele Tore aus dem Rückraum. Schließlich war er in der Torschützenliste der Sachsen-Anhalt-Liga zuletzt immer ganz weit vorn zu finden“, sagt Schliwa über den neuen Mann.

Doch nicht nur Tore soll Nowak beisteuern, auch unter spielerischen Gesichtspunkten bringt der Magdeburger einen Mehrwert mit. „Ein Linkshänder auf dieser Position ermöglicht im Passspiel natürlich andere Varianten“, erklärt Schliwa. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil, den die Staßfurter quasi im Doppelpack eingekauft haben: „Falko ist mit unserem neuen Rechtsaußen Jens Osterloh natürlich schon eingespielt.“ Doch nicht nur dieser Umstand erfreut den Präsidenten des HV Rot-Weiss, sondern auch die Tatsache, dass er Nowak endlich von einem Wechsel in die Bodestadt überzeugen konnte. „Ich hatte ihn schon länger auf meiner Liste. Bisher hat es aber immer nicht geklappt, ihn zu holen“, berichtet Vereinschef Schliwa. Doch nun hat es geklappt. Und nun soll – nach zwei vergeblichen Anläufen – die ersehnte Rückkehr in die Mitteldeutsche Oberliga gelingen.

Und während man an der Bode weiter versucht, die richtigen Zutaten für die Suppe namens Erfolg zusammenzurühren, wird man sich in Magdeburg wohl eher wie der dazu passende „Gemüselieferant“ fühlen. Außenstehende Beobachter gewinnen derzeit den Eindruck, dass der BSV zu einer Art Farmteam für den HV Rot-Weiss geworden ist. Also eine Mannschaft, deren Hauptaufgabe es ist, Spielern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln und sich dabei für höhere Aufgaben zu empfehlen. Diese Strukturen gibt es vor allem im Sportsystem Nordamerikas. Ähnliche Strukturen findet man inzwischen aber auch in Europa immer häufiger.

Die Flut an Spielern, die in jüngerer Vergangenheit den Weg vom BSV zum HV Rot-Weiss fanden, sorgt natürlich auch im Umfeld der Salzlandsporthalle für den einen oder anderen argwöhnischen Blick. So werden immer wieder Stimmen laut, die bemängeln, dass derzeit mehr Magdeburger Spieler im Kader der ersten Männermannschaft stehen, als Akteure aus Staßfurt. Doch für den gewünschten Erfolg kann man darauf beim HV Rot-Weiss aktuell wohl nur wenig Rücksicht nehmen.

Zumal Vereinschef Patrick Schliwa diesbezüglich auch ein Problem offen anspricht: „Wir haben in diesem Jahr auch den Nachteil, dass es keine A-Jugend gibt, aus der etwas hochkommt.“ Ein Mangel, der auch die Kadersituation in der Reserve-Mannschaft, die in der Verbandsliga spielt, nicht entspannen wird. Das Sachsen-Anhalt-Liga-Team von Trainer Sebastian Retting sieht Schliwa indes gut gerüstet. Soll es dennoch weitere Neuzugänge geben? „Vom Kader her sind wir jetzt gut aufgestellt. Mit Martin Strnad haben wir zwar nur einen gelernten Mittelmann, also schauen wir diesbezüglich auch noch, aber es stehen auch andere Spieler zur Verfügung, die diese Position ausfüllen können. Zum Beispiel Tim Steffen oder auch Robert Reiske können das spielen“, meint der Präsident.

Doch bis überhaupt wieder gespielt werden kann, wird aufgrund der Covid-19-Krise wohl noch einiges an Wasser die Bode hinab fließen. Dennoch plant man in Staßfurt intensiv für den Neustart. „Die Vorbereitung ist in Planung. Normalerweise geht es im Juni/Juli los und wir planen, dass das normal anläuft. Erstmal im Freien und dann hoffen wir natürlich, dass wir irgendwann wieder in die Halle können“, so Schliwa. Weiterhin beschäftigen sich die Rot-Weissen auch damit, wie man den Trainingsbetrieb nach den neuesten Verordnungen unter speziellen Auflagen wieder aufnehmen können. „Wir wollen das schon in Anspruch nehmen“, bekräftigt Patrick Schliwa.

Was dies alles bringt und wie speziell die Neuzugänge vom „Farmteam“ aus Magdeburg einschlagen, wird sich aber mit ziemlicher Sicherheit erst in einigen Monaten beurteilen lassen können. Eins dürfte aber jetzt schon klar sein: Werfen Falko Nowak und Co. die Staßfurter irgendwann zum Aufstieg, wird in der Salzlandsporthalle gejubelt. Vielleicht auch von denen, die die Neuverpflichtungen im Moment kritisch beäugen.