Bernburg/Staßfurt l Er hat die Miene verzogen, seinen Sprint abgebrochen und ist fluchend zur Seite gewichen. Als die Schlusssirene am Sonnabend in Bernburg ertönte, strahlte Mario Meißner nicht gerade Glückseligkeit aus. Der Neuzugang des HV Rot-Weiss Staßfurt war, so ließ es sich aus der Mimik und Gestik ablesen, etwas bedient.

Doch warum eigentlich? Sein neues Team aus der Sachsen-Anhalt-Liga hatte das Spiel beim SV Anhalt Bernburg II aus der Verbandsliga gerade eben mit 35:22 (15:9) gewonnen. Und damit den erhofften Einzug in die zweite Runde des HVSA-Pokals realisiert. Die erste Hürde wurde somit übersprungen, aber wirklich überzeugt hatte das Team laut dem Coach Sven Liesegang nicht. „Spielerisch war es sehr dürftig.“ Aber der Trainer kannte dafür ja auch die Gründe. Er hat wie in den Testspielen in der Vorbereitung auch sehr viel gewechselt. Eine feste Sieben war beim Gastspiel bei den „Wappichen“ absolut nicht zu erkennen. „Für mich war es noch ein weiteres Vorbereitungsspiel“, machte Liesegang klar. Ohne überheblich klingen zu wollen fügte er an: „Ich war davon überzeugt, dass wir eine Runde weiter kommen. So ein Spiel kannst du nicht verlieren.“

Nur 15 Treffer bis zur Pause

Tatsächlich haben die Bernburger ihrem Gegner das Leben aber ziemlich schwer gemacht. Mit einem engagiertem Deckungsverhalten hat die Anhalt-Reserve vor allem in der ersten Hälfte dafür gesorgt, dass Liesegang an der Seitenlinie auch mal lauter wurde. „Mit Schmackes“ hat der Verbandsligist, der im vergangenen Jahr nur knapp den Abstieg verhindert hat, verteidigt. Und so bis zur Pause nur 15 Gegentore zugelassen. Weil das Hauptaugenmerk aber auf der Defensive lag und auf der anderen Seite nur neun Tore standen, hatten die Gäste dennoch einen komfortablen Vorsprung.

Dennoch kritisierte Liesegang die „Inkonsequenz“ im Abschluss. Als fünf Treffer der Staßfurter auf der Anzeigetafel standen, „haben wir schon sechs Hundertprozentige verworfen“, so der Trainer.

Abwehr und Gegenstöße positiv

Doch natürlich wollte der Trainer bei diesem Spielstand nicht nur meckern. Als positive Aspekte machte er „die Abwehr und die Gegenstöße“ aus, vor allem in der Schlussphase. „Wir waren konditionell stärker als der Gegner. Wir haben viele Gegenstöße gefahren und die Bereitschaft dafür war über 60 Minuten da.“ Die schnellen Konter und die wuchtigen Abschlüsse von Nils Hähnel und seinen Teamkollegen machten das Resultat am Ende doch noch sehr deutlich. Auf 13 Treffer setzten sich die Rot-Weissen, stets mit einer anderen Formation, ab. Damit war der Soll erfüllt, so ganz zufrieden waren Meißner und Co. aber nicht.

Bis zum Wochenende „müssen wir noch einige Schippen drauflegen“, fordert der Coach. „Wir müssen konzentrierter sein und brauchen mehr Selbstbewusstein.“ Eine letzte Generalprobe vor dem Ligastart steht heute Abend an. Zum ersten Mal wird der HV Rot-Weiss in der neuen Salzland-Sporthalle in Staßfurt Nord spielen. Um 19.30 Uhr ist der HC Aschersleben aus der Mitteldeutschen Oberliga zu Gast. Präsident Patrick Schliwa weiß vor dem letzten Testspiel: „Wir werden nochmal die einstudierten Spielzüge bei maximalen Tempo zeigen.“ Ob dann wieder rotiert wird oder sich langsam aber sicher eine Stammsieben herauskristallisiert, weiß nur der Coach. Das Pokalspiel war aber nochmal „ein Fingerzeig“.

In Staßfurt fiebern alle dem Ligastart entgegen. Die Vorfreude auf das Spiel gegen die HSG Osterburg ist nicht nur bei Schliwa groß. „Wir sind gewappnet“, lautet seine Kampfansage. Für den Präsidenten ist alles angerichtet. Die Halle wird feierlich eröffnet. Dabei ist sogar das Jugendblasorchester vor Ort. Mit Pauken und Trompeten geht es also in die neue Saison. Und aus Staßfurter Sicht auch hoffentlich mit zwei Punkten.