Staßfurt l Da waren sicherlich nicht nur einige Zuschauer in der Merkewitz-Halle verdutzt. Auch die Staßfurter Spieler mussten erstmal realisieren, wie der Gegner da gerade auftritt. Der USV Halle spielte in Staßfurt über weite Strecken mit einer unkonventionellen 3-3-Deckung. Drei Spieler am Kreis, drei haben den Spielaufbau der Staßfurter gestört. Und diese offensive Deckung der Hallenser hat im Duell der Mitteldeutschen Oberliga letztlich den Unterschied ausgemacht. Der HV Rot-Weiss Staßfurt musste sich am ersten Spieltag der Rückrunde mit 27:32 (11:16) geschlagen geben.

Zwar haben die Gäste nicht über die komplette Spielzeit im 3-3-System verteidigt, die Deckung blieb aber stets sehr offensiv. „Unser Plan in der Abwehr ist aufgegangen. Wir haben das konditionell sehr gut durchgehalten“, lobte der ehemalige Staßfurter Spieler und jetzige USV-Coach Fabian Metzner. „Der Gegner hat es sehr gut gespielt und über 60 Minuten durchgezogen“, erkannte wiederum Sven Liesegang an. Der Trainer ist zwar schon einige Wochen im Amt, debütierte am Sonnabend aber an der Staßfurter Seitenlinie. Die Taktik des Gegners überraschte auch den erfahrenen Handballer: „Wir hatten uns auf eine offensive Deckung des Gegners eingestellt, auf ein 5:1 oder 4:2. Aber damit haben wir nicht gerechnet. Wir hatten dafür keine Lösung parat.“

Über zehn Minuten begegneten sich die Teams noch auf Augenhöhe. Nachdem Christian Schöne, mit sechs Treffern gemeinsam mit Nils Hähnel bester Staßfurter Werfer, im Nachsetzen das 3:3 erzielte (9.), gelang Andreas Steinbrink in der elften Minute sogar die Führung zum 4:3. Doch das sollte die letzte an diesem Tag gewesen sein. Es folgten drei Treffer der Hallenser, die diese 6:4-Führung (15.) bis zur 28. Minute sogar auf einen mehr als komfortablen Acht-Tore-Vorsprung ausbauen konnten.

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Dabei war das 8:15 nach einem einfachen Fehler in der Abwehr und das 8:16 nach einem Konter bezeichnend dafür, dass bei Rot-Weiss kaum etwas zusammenlief. Die Hallenser hingegen haben die Staßfurter Abwehr stets in Bewegung gehalten und das Bollwerk immer wieder geknackt. Neben den zahlreichen Treffern durch Tempogegenstöße war der USV vor allem über die Außen erfolgreich. Dabei wusste der erst 19-jährige Julius Conrad aus der eigenen Jugend mit sechs Toren zu überzeugen.

Die ebenfalls starken Paul Otto (9) und Maximilian Gruszka (7) ließen gar nicht auffallen, dass Pierre Sogalla verhältnismäßig blass blieb. Das Spiel der Gäste funktionierte nicht nur aufgrund der taktischen Genialität. Aber eben auch deswegen. Klar, bis zur Pause kamen die Staßfurter nochmal auf fünf Tore heran, wirklich gefährlich wurden sie den „Panthern“ aber nie.

Auch in der zweiten Hälfte waren die Gäste das klar bessere Team. Immer als der HV Rot-Weiss wieder neue Hoffnung schöpfte, war der USV da und hatte die passende Antwort parat. Die Hausherren nagten weiter an der 3-3-Deckung. Doch was für Alternativen hatten sie schon? Im Angriff den Torwart herausnehmen und einen siebten Feldspieler aufbieten? „Das wäre eine Möglichkeit gewesen“, so Liesegang, „aber das muss man trainieren. Sonst überfordert das eine Mannschaft.“ Der Coach setzte alles darauf, dass sein Team in die individuellen Duelle ging. „Einer musste mal das Eins-gegen-eins gewinnen. Aber das haben wir fast über die komplette Spielzeit nicht hinbekommen.“

Zu früh abgeschlossen

Das führte dann laut dem Trainer auch dazu, dass die Staßfurter ihren „Kopf verloren und zu früh abgeschlossen haben“. Ein altbekanntes Problem. Aber es ist auch „schwer weiterzuspielen“, so Liesegang. Vor allem, wenn man in der eigenen Halle mit acht Toren hinten liegt. „Die Spieler zweifelten dann selbst“, so der 48-Jährige. Was auch dazu führte, dass einfache Dinge nicht mehr klappten. „Wir haben nicht ein Gegenstoß-Tor erzielt.“ Auf Hallenser Seite klappte das fast mühelos.

So blieb Liesegang nur die ernüchternde Erkenntnis: „Bei uns sah es hausbacken aus, es fehlte der Esprit. Es gibt Spiele, in denen reicht es einfach nicht. Und das war so eins.“ Dennoch ist er motiviert. Auch im Abstiegskampf. Die Mannschaft hat sich nach Kräften gewehrt. Das erkennt der Coach an. Es ist weiterhin noch nichts entschieden im Kampf um den Klassenerhalt.

Staßfurt: Tuchen, Schliwa - Fanselow (1), Zimnick, Ortmann, Ernst (2), Retting (1), Jacobi (1), Steinbrink (4), Spadt (1), Schöne (6), Hähnel (6), Tiganasu (5)

Siebenmeter: Staßfurt 4/3 - Halle 2/2 Zeitstrafen: Staßfurt 3 - Halle 1