Staßfurt l Der Zeitpunkt des Rücktritts kam für viele überraschend, hatte sich aber bereits angedeutet. Liesegangs Abgang sorgte bei den Rot-Weißen für eine turbulente Woche. Vor dem Punktspiel in eigener Halle gegen den HSV Magdeburg geriet beim Aufstiegsapiranten einiges aus den Fugen.

Co-Trainer Stops ebenfalls weg

Vereinspräsident Patrick Schliwa und das Präsidium hatten alle Hände voll zu tun. Zumal der Rücktritt des Trainers nicht der einzige Abgang blieb. Die Spieler Toni Fanselow und Marvin Frank haben sich aufgrund privater Verpflichtungen ebenfalls verabschiedet und auch Co-Trainer Andreas Stops trat am Donnerstag überraschend zurück.

Präsident Schliwa ist es aber zumindest gelungen, die Trainerproblematik schnell zu lösen. Mannschaftskapitän Sebastian Retting wird ab sofort als Spielertrainer fungieren. Retting als Trainer ist keine Interimslösung, sondern „eine langfristige Entscheidung“ wie Schliwa betont. „Er hat schon viele Erfahrungen als Spieler gesammelt und ein gutes Standing in der Mannschaft“, beschreibt der Vereinschef die Vorzüge des neuen Coachs.

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Retting selbst hatte sich am Dienstag, nach Rücksprache mit Schliwa, zwei Tage Bedenkzeit erbeten, um über eine mögliche Funktion als Spielertrainer auch mit seiner Familie zu beraten. Das Ergebnis fiel aus Vereinssicht positiv aus. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das funktioniert, weil ich einen guten Draht zum Team und auch zum Umfeld habe. Immerhin bin ich schon 14 Jahre hier in Staßfurt“, erklärt der 34-jährige. Für Retting ist in erster Linie eins wichtig: Die Kommunikation mit Menschen. „Dieser Punkt kam zuletzt zu kurz. Da will ich als erstes ansetzen“, so der neue Trainer. Der musste mit dem Abgang von Co-Trainer Andreas Stops aber gleich beim Amtsantritt den ersten Rückschlag verkraften. „Das ist zum Start natürlich nicht gut für mich“, sagt Retting. Die beiden Männer verbindet übrigens eine gute Freundschaft, die aus Sicht von Stops wohl nicht aufs Spiel gesetzt werden soll. „Ich denke, Andreas will die Freundschaft durch diese Zusammenarbeit nicht gefährden“, so Präsident Patrick Schliwa.

Kein Gespräch

Freundschaften hatte Sven Liesegang in Staßfurt anscheinend keine geknüpft. Präsident Schliwa, der den ehemaligen Bundesligaspieler verpflichtet hatte, beschreibt die Beziehung untereinander als „professionell“. Dennoch wurde Schliwa vom Rücktritt am Montag überrascht. „Ergebnisse und Leistungen haben zuletzt nicht gestimmt und Sven Liesegang denkt bei dem Schritt offenbar an eine Art Befreiung für die Spieler“, so der Präsident. „Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass wir nochmal darüber sprechen, aber das wollte er nicht“, erklärte Schliwa.

Gebracht hätte es auch wenig, denn: „Der Entschluss ist in den letzten zwei, drei Wochen gereift. Ich hatte das Gefühl, die Entscheidung kann das Team enthemmen“, erklärte Liesegang gestern auf Nachfrage der Volksstimme.