Salzlandkreis l Einer, der alles hautnah miterlebt hat, ist Uwe Grenzau. Der Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB) sprach im Interview mit Sportredakteur Michael Jacobs darüber. Dabei blickte Grenzau nicht nur auf die vergangenen Monate im Sport zurück, sondern verriet auch, wie er mit seiner Familie Weihnachten feiert und wie er sich, trotz Corona-Einschränkungen, sportlich betätigt.

Herr Grenzau, Sie sind nun seit gut eineinhalb Jahren Geschäftsführer des KSB. Wie haben Sie ganz persönlich die zurückliegenden 18 Monate erlebt? Was war positiv, was negativ?

Uwe Grenzau: Im Jahr 2019 wurde noch alles erfolgreich umgesetzt, was auf dem Plan stand und viele Pläne für 2020 gemacht. Die Veranstaltungen wollten wir wieder etwas dezentralisieren, um mehr Teilnehmer zu erreichen. Mein Stellvertreter Markus Becker hat sich erfolgreich eingearbeitet. Die Sportlerehrung für unsere vielen sehr erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler wurde ebenfalls durchgeführt. Die Sportlerwahl, unterstützt von der Presse im Salzlandkreis und wieder mit großem Leserinteresse bedacht, wurde ebenfalls ausgewertet. Die Übergabe der Pokale, Urkunden und Preise musste dann aber schon individuell erfolgen. Das Überreichen im üblichen Rahmen nicht zu verschieben, war die richtige Entscheidung, so schmerzlich sie auch war. Dann kam im März der Bruch für den Sportbetrieb. Eine Veranstaltung nach der anderen fiel Corona zum Opfer. Sehr positiv war das Bestreben vieler Vereine, das Beste aus der Situation zu machen. Unser Beratungsaufwand in der Geschäftsstelle stieg deutlich an. Wir haben die Vereine auch über Vereinspost und unsere neugestaltete Homepage immer auf dem Laufenden gehalten, haben Materialien zur Verfügung gestellt, um auch in dieser Zeit gesetzeskonform handeln zu können. Die Salzlandsparkasse hat in dieser Zeit ebenfalls an ihrem umfassenden Engagement für die Sportvereine festgehalten und darüber hinaus eine Möglichkeit geboten, unverschuldet in Not geratenen Vereinen unter die Arme zu greifen.

Durch die Corona-Pandemie und all ihre Auswüchse kamen ungeahnte Schwierigkeiten auf die Vereine und den KSB zu. Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen im Jahr 2020?

Im KSB musste man sich mit völlig neuen Sachverhalten, wie zum Beispiel Kurzarbeit, ausein-andersetzen und diese anwenden. Die fehlenden Einnahmen aus dem komplett weggebrochenen Bereich der Vermietung von Hüpfburgen und anderem, bei gleichbleibenden Kosten in diesem Bereich, mussten kompensiert werden. Viel schwieriger war aber die Situation in den Vereinen. Von heute auf morgen gab es keine Möglichkeit, um gemeinsam Sport zu treiben und als es dann wieder gelockert wurde, war es schwierig, die sich regelmäßig verändernden Rahmenbeding-ungen im Vereinsleben zu etablieren. Das zehrte an den personellen und auch finanziellen Ressourcen in den Vereinen.

Die Sportlerwahl des KSB für das Jahr 2020 wurde, wie viele andere Events, abgesagt. Gab es in den zurückliegenden zwölf Monaten im Salzlandkreis aus Ihrer Sicht dennoch sportliche Leistungen, die Sie als besonders wertvoll einstufen würden?

Sicherlich hat sich jede Sportlerin und jeder Sportler über die wenigen Wettkämpfe gefreut, an denen man teilnehmen konnte. Es waren aber zu wenige, um hier Leuchttürme zu benennen.

Gab es persönliche „Schicksale“ im Zusammenhang mit Sportlern, Vereinen oder Veranstaltungen, die Sie in der Corona-Zeit besonders berührt haben?

Von unseren eigenen Veranstaltungen hat der Wegfall des Frauensportaktionstages weh getan. Die Nachfrage war wieder sehr groß, was uns zeigt, wie interessiert gerade die Frauen und Mädchen am Sport sind. In vielen Vereinen gibt es Sportfeste, die maßgeblichen Anteil an der Finanzierung des Vereinslebens haben und die in diesem Jahr ersatzlos gestrichen werden mussten. So etwas kann die Vereine noch zusätzlich lähmen. Ich fand es schon auch aufregend, wie viele Übungsleiter und Vorstände auch in den Sportvereinen die Digitalisierung vorangebracht haben. Es wurde sich online beraten und Übungsstunden in dieser Form angeboten. Der Sportverein lebt aber dennoch von der Nähe zu seinen Mitgliedern.

Während der Pandemie wurde viel über geschlossene Sportanlagen, ausgefallene Wettkämpfe und fehlendes Training diskutiert. Denken Sie, dass die Festlegungen von den politischen Entscheidungsträgern immer vollends richtig getroffen wurden?

Wer rückblickend in dieser Zeit sagen kann, er hat alles richtig gemacht bei seinen Entscheidungen für die Gemeinschaft, der lehnt sich wohl weit aus dem Fenster. Keiner kann mit Bestimmtheit sagen was gewesen wäre, wenn. Ich bin überzeugt, dass keine der handelnden Personen dem Sport schaden wollte und entsprechend der Vorgaben handeln musste. Aus meiner Sicht muss die Information aus den Ministerien auch dort ankommen, wo sie gebraucht wird. Beispielsweise waren die Umkleiden und Duschen in einigen Hallen nur nicht freigegeben, weil die Freigabeinformation nicht den Weg vom Ministerium zum Bearbeiter im Amt gefunden hat.

Gibt es in den Vereinen des Salzlandkreises aufgrund der Pandemie einen spürbaren Mitgliederschwund oder halten die Mitglieder ihren Clubs die Treue?

Wie sich die Corona-Pandemie auf die Mitgliedszahlen in unseren Sportvereinen ausgewirkt hat, werden wir erst am 1. Januar 2021 sehen, wenn die Vereine ihre Bestandserhebung an den LSB gemeldet haben. Ein erster Blick zeigt einen leichten Mitgliederrückgang aber die übergroße Mehrheit hält ihrem Verein die Treue. Vereinsleben beinhaltet ja nicht nur das gemeinsame Sporttreiben, es sollte mehr sein. Bald wird das auch hoffentlich von den Vereinen wieder praktiziert werden können. Anders als in den alten Bundesländern wird bei uns die Mitgliedschaft im Sportverein sehr stark an das eigene Sporttreiben gebunden. Bei einer starken emotionalen Bindung an den Verein wird dieser auch noch unterstützt, wenn es zeitlich oder persönlich bei einem selbst nicht mehr geht. Der Organisiertheitsgrad liegt bei uns unter 14 Prozent. Das geht in anderen Bundesländern bis über 30 Prozent.

Wie haben Sie sich in den zurückliegenden Monaten sportlich betätigt? Können Sie in puncto Individualsport vielleicht einen Geheimtipp für jedermann verraten?

Solange es ging, habe ich mit meinen zwei Sportgruppen im Verein das Tanzbein geschwungen. Ansonsten versuche ich zwei Mal pro Woche meine zehn Kilometer Nordic-Walking-Runde zu gehen. Dabei leistet mir meine Stirnlampe gute Dienste. Ansonsten kann ich auf das verweisen, was man bisher im Verein an Übungen aufgezeigt bekommen hat. Es ist allein nur ungleich schwieriger, den inneren Schweinehund zu überwinden. Eine super Ganzkörperübung ist für mich aber beispielsweise das Halten des Körpers im Unterarm-Liegestütz. Geht ohne viel Aufwand, überall und jederzeit.

Die anstehenden Feiertage werden aufgrund der Kontaktbeschränkungen bei vielen anders ablaufen als gewohnt. Diesbezüglich scheint besonders viel Phantasie gefragt. Mit wem und wie feiern Sie Weihnachten und Silvester? Gibt es in ihrer Familie eine besondere Tradition, die trotz Corona aufrechterhalten wird?

Wir sind eine kleine Familie, da passen die Möglichkeiten. Nur unser Sohn hat leider ‚Hausverbot‘ im Moment. Er arbeitet in der Charité in Berlin auf einer Corona-Intensivstation. Ansonsten ist es traditionell bei uns: Mit Kartoffelsalat und Würstchen, Ente bei der Schwiegermutter, und seit mehreren Jahren ohne Geschenke.

Mit welchem Gefühl blicken Sie auf das Jahr 2021 voraus?

Grundsätzlich optimistisch. Wir sind als KSB, was die Planung angeht, in den Startlöchern. Im Moment werden die Weichen gestellt, um zusammen mit dem Jobcenter über den zweiten Arbeitsmarkt Hilfe für die Vereine zu organisieren. Sportlich werden wir kurzfristiger denken müssen, mit allen Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben. Das fordert von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Anpassung und Kompromissbereitschaft.

Was wünschen Sie den Sportlern im Salzlandkreis zum Jahreswechsel?

Natürlich an erster Stelle Gesundheit. Sonst meist der Vollständigkeit halber in den Wünschen enthalten, spürt man jetzt, wie wichtig sie ist und was alles damit zusammenhängt. An zweiter Stelle sportlichen Erfolg und eine Gemeinschaft im Verein, die auch in diesen schweren Zeiten versucht, alle mitzunehmen.