Stendal l Der komplette Corona-Lockdown ist schon einige Monate her und trotzdem beherrscht die Pandemie aktuell unsere Fußballplätze in der Region, obwohl die Anzahl der Infizierten im gesamten Landkreis ohnehin sehr niedrig war. Doch das soll eben auch so bleiben.

Als es um die Sperrung der Sportanlagen ging, lag die Verantwortung bei der Politik. Für die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs wurde diese dann aber immer weiter nach unten durchgereicht. Denn es gibt zwar die jüngste Verordnung zur Eindämmung des Corona-Virus durch das Land Sachsen-Anhalt, doch die Umsetzung wird in den Kommunen ganz unterschiedlich gehandhabt, was bei den Funktionären aktuell für Verwirrung sorgt. Unterstützung erhalten die Vereine aber auch nicht durch den Fußballverband Sachsen-Anhalt. Dieser hat lediglich Empfehlungen ausgesprochen und fordert ebenso die Bestätigung der Maßnahmen durch die Kommunen. Dabei sind diese zumeist gar nicht zuständig. Denn in der siebten Verordnung des Landes Sachsen-Anhalt heißt es: „Die Nutzung der Sportstätte erfordert die Freigabe durch den Betreiber.“ Der Kreisfachverband (KFV) Fußball Altmark-Ost hingegen forderte auf Anordnung des Fußballverbands Sachsen-Anhalts (FSA) die Freigabe durch den Eigentümer, also häufig die Kommune, ein.

Mit dem Resultat beginnt dieser Tage wieder der reguläre Spielbetrieb im kreislichen Maßstab. Am Freitag, 21. August, steht das Eröffnungsspiel der Kreisoberliga in Uenglingen zwischen dem SV Viktoria und dem Schinner SV „Eintracht“ auf dem Plan. Doch wie werden die Maßnahmen nun in den einzelnen Kommunen behandelt?

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„Die Hansestadt Stendal nimmt das Thema sehr genau“, berichtet Rico Goroncy, Präsident des Post SV Stendal. Das hatte dieser bereits zum Staffeltag angekündigt und bis auf Weiteres alle Heimspiele der Kreisoberliga-Vertretung auf 16 Uhr ansetzen lassen.

„Ansonsten können wir das Hygienekonzept nicht umsetzen, dass sich möglichst wenig Sportler auf der Anlage begegnen.“ Ein Dokument mit mehr als 20 Seiten hat er bei der Stadtverwaltung eingereicht und nach einigen Rückfragen auch die Genehmigung erhalten. „Wir wissen jetzt, dass unsere Kabinen je nach genauer Größe maximal durch fünf bis acht Sportlern belegt werden dürfen und in den Gängen Mundschutz zu tragen ist“, so Goroncy weiter. Für die Gastmannschaften stellt der Verein also bis zu drei Kabinen zur Verfügung, was allein schon ausschließt, dass Spiele sich überschneiden können, weil es einfach an Räumlichkeiten fehlt. In den Kabinen sind dann sogar Plätze gesperrt, damit der Abstand von 150 Zentimetern eingehalten werden kann. Aufgrund der Einschränkungen hat sich der Verein auch bemüht, weitere Fußballplätze im Stadtgebiet nutzen zu können. So soll der Nachwuchs auch in der Haferbreite spielen. „Dazu verstehe ich nur nicht, wieso jeder Verein, der diese Anlage nutzt, ein eigenes Hygienekon-zept dafür aufstellen muss. Das wäre Aufgabe der Stadt“, sagt Rico Goroncy und verweist auf die ohnehin schon wenigen Ressourcen im Ehrenamt.

Kürzlich nun gab es eine Rolle rückwärts bei der Stadt, die bei verpachteten Sportstätten erkannt hat, dass sie als Eigentümer gar nicht zuständig sei, sondern der Betreiber selbst. Das sorgte bei betroffenen Vereinen für weitere Verunsicherung.

In Bismark wurde die Problematik nicht so intensiv verfolgt. Der TuS Schwarz-Weiß als größter Sportverein der Einheitsgemeinde hat proaktiv zwei Hygienekonzepte – neben den Fußballern auch für den Tennissport – bei der Verwaltung eingereicht und genehmigt bekommen. „Wir werden die Vorgaben der jüngsten Verordnung einhalten“, erklärt Vorstandsmitglied Dirk Grempler. So wird auch im Waldstadion darauf geachtet, die Partien zu entzerren, da die Mannschaften auf mehrere Kabinen aufgeteilt werden müssen.

Ein Blick ins Bismarker Umland verrät aber, dass ein separates Hygienekonzept durch die Kommune nicht gefordert war. „Auf telefonische Nachfrage hin hieß es, dass die Sportanlagen seitens der Einheitsgemeinde freigegeben sind und wir uns den Empfehlungen des Fußballverbands entsprechend verhalten sollen“, berichtet Björn Staschat, Vorsitzender der KSG Berkau. „Wir bemühen uns demnach, die Maßnahmen einzuhalten und sind offen dafür, in der Umsetzung dazuzulernen“, so Staschat weiter.

Jens Tuchen, Abteilungsleiter Fußball beim SV Eintracht Lüderitz, erläuterte, dass der Verein sich ebenso mit Bezug auf die Empfehlungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an die Stadtverwaltung gewandt hat. „Unter Einhaltung dieser Empfehlungen wurde uns die Genehmigung erteilt, jedoch auch darauf hingewiesen, dass der Verein die Verantwortung trägt.“ Wie anderenorts auch achten die Lüderitzer darauf, dass ausreichend Zeit zwischen zwei Spielen liegt und das alles ordnungsgemäß desinfiziert wird. „Am Ende müssen wir aber auch die Möglichkeiten des Vereins berücksichtigen. Wir können nicht übermäßig viel Personal für Kontrollen bereitstellen, da es sich am Ende um ein freiwilliges Ehrenamt handelt.“ Tuchen ist aber auch bewusst, dass eine konkrete Umsetzung aller Empfehlungen, auch die des FSA, nicht hundertprozentig möglich ist. „Wir geben unser bestes. Wenn das nicht reichen sollte, müssen wir den Ball ruhen lassen“, so der Lüderitzer Abteilungsleiter.

Ebenso sehen es auch die Verantwortlichen der benachbarten SG Freundschaft Schernebeck, die die Vorgaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und FSA als nicht angemessen für die Basis auf dem Land sehen. „Wir hätten erwartet, dass der FSA mit seinen hauptamtlichen Mitarbeitern oder der KFV ein Konzept für kleine Vereine auf den Dörfern entwickelt“, hieß es auf Volksstimme-Nachfrage vom Vorstand. So hat die SG ein kurzes Konzept bei der Stadt eingereicht und genehmigt bekommen.

Auf der anderen Seite der Elbe ist es – bis zur brandenburgischen Grenze – nicht viel anders. „Wir haben ein Hygienekonzept und die Empfehlungen des FSA eingereicht und die Bestätigung bekommen, solange wir uns daranhalten“, erklärt Steffen Braunschweig, Vorsitzender des SV Preussen Schönhausen. „Bisher sind wir mit unseren Maßnahmen gut gefahren und hoffen, dass das auch so bleibt.“ Unter anderem werden auch in Schönhausen mehrere Kabinen pro Mannschaft gestellt und es liegen Listen für alle Zuschauer aus.

In Summe wird deutlich, dass – egal ob mit oder ohne Hygienekonzept – die Verantwortung bei den Vereinen und ihren Verantwortlichen liegt. „Am Ende will vom FSA, dem KFV oder den Kommunen keiner in der Haftung sein, wenn etwas passiert, was wir nicht hoffen“, sagt Braunschweig weiter. Verständlich ist es ja, schließlich hat keiner Erfahrung mit derartigen Problemstellungen. Doch im Sinne des Ehrenamts und des Sports hätten sich die Vereinsvertreter mehr Klarheit und Unterstützung seitens der hauptamtlichen Mitarbeiter in Kommunen oder Verbänden gewünscht – ob diese letztlich zuständig gewesen sind oder nicht. Denn eines bleibt – egal auf welchem Sportplatz in unserem Landkreis: die Unsicherheit.

Daher kommt es nicht von ungefähr, dass KFV-Präsident Michael Müller am Samstag alle Vereine noch einmal für das Thema sensibilisiert hat. In einer E-Mail schrieb er: „Die Anweisungen hinsichtlich der Hygienevorschriften des Heimvereines sollten Beachtung finden, dies betrifft zum Beispiel die Belegung der zugewiesenen Umkleidekabinen, die Wegführung auf dem Sportgelände, die Registrierung in Anwesenheitslisten oder die Einhaltung von zugewiesenen Zonen. Die Hygienevorschriften des Heimvereins sind von allen am Fußball beteiligten Personen zu beachten. In der aktuellen Zeit sollte das gegenseitige Verständnis, die gegenseitige Rücksichtnahme und Entgegenkommen nicht nur Wörter sein, sondern auch gelebt werden.“