Stendal l Das stärkste Zugpferd ist und bleibt aber die Familie. Diese zieht den 33-Jährigen nun nach Schinne. Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling erklärt er seine Pläne für die Zukunft.

Volksstimme: Maik Aumann, wie geht es Ihnen?

Maik Aumann: Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Es tut gut, wieder in der Altmark zu sein. Gerade die Unterstützung durch die Familie ist sehr wichtig.

Sie kommen doch eigentlich aus Brandenburg?

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Das stimmt, meine Lebensgefährtin kommt aber aus Schinne. Ich habe sie während meiner Zeit beim 1. FC Lok Stendal kennen- und liebengelernt.

Im Jahr 2010 wechselten Sie als Spieler aus Brandenburg nach Stendal – wie kam es dazu?

Zu dieser Zeit hatte ich einen Spielerberater und äußerte diesem, dass ich mir eine Veränderung vorstellte. Er kam dann mit dem Vorschlag, nach Stendal in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt zu wechseln. In den Gesprächen mit dem Verein wurde dann klar, dass ich ein gutes Angebot aus Fußballspielen und Ausbildung im Johanniter-Krankenhaus erhalten würde. Prof. Dr. Nellessen hat das seinerzeit arrangiert. Das habe ich angenommen.

Sie waren drei Jahre beim 1. FC Lok Stendal?

Ja, das stimmt. In dieser Zeit habe ich unter anderem noch mit Sven Körner, der wenig später zum Trainer wurde, zusammengespielt.

Wieso haben Sie den Verein wieder verlassen?

Blut ist eben dicker als Wasser – das sagt man doch so? Ich wollte zurück nach Brandenburg zu meiner Familie.

Ihre aktive Laufbahn haben Sie dann aber in Mecklenburg-Vorpommern beendet?

Das ist richtig. Ich habe ein Angebot erhalten, welches ich als ambitionierter Fußballer einfach nicht ausschlagen konnte. Mein Dank gilt auch noch heute den Verantwortlichen von Stahl Brandenburg, die mir trotz laufendem Vertrag ermöglicht haben, diese Chance zu ergreifen. So endete dann meine aktive Zeit als Spieler 2018 in Schwerin.

Wo haben Sie eigentlich das Fußballspielen gelernt?

Los ging es in meiner Heimat Brandenburg. Von dort aus wechselte ich später zum FV Dresden Nord und spielte in der A- und B-Junioren-Bundesliga. Danach erfolgte der Wechsel zurück in meine Heimat, wo ich als U19-Akteur dann bereits im Männerbereich Verbandsliga spielte. Später war ich dann auch in der Oberliga am Ball.

Jetzt wollen Sie Ihrerseits junge Fußballer ausbilden?

Sagen wir es mal so: Ich möchte jungen Talenten die Möglichkeit geben, sich ambitioniert weiterzuentwickeln.

Wann haben Sie erkannt, dass Sie eines Tages Trainer werden wollen?

Ich glaube, dass das schon aus meiner Jugendzeit her klar war. Denn während andere Kicker oft Fifa an der Konsole gespielt haben, war mein Favorit eher der Fußball-Manager. Seit jeher begeistere ich mich dafür, eine Mannschaft zu organisieren, zu führen und natürlich auch zum Spiel aufzustellen. Während meiner drei Jahre beim 1. FC Lok Stendal habe ich mich dann ernsthafter mit dem Gedanken beschäftigt, wie es nach dem Ende meiner aktiven Laufbahn als Spieler weitergeht. Denn ich habe einen gewissen Anspruch an Fußball, den ich auch nach der aktiven Zeit weiterverfolgen wollte. Mir wurde schnell klar, dass das nur als Trainer möglich ist.

Was haben Sie dann gemacht?

Mir war bewusst, dass es zu einem guten Trainer dazugehört, eine fundierte Qualifikation mitzubringen. Die eigenen Erfahrungen als Spieler reichen nicht aus, um auch ein guter Trainer werden zu können. Mein Ziel war und ist es, die höchstmögliche Trainer-Lizenz zu erlangen. Das braucht Zeit. Deshalb habe ich früh – noch als Spieler – damit begonnen.

Wann genau?

In meiner Anfangszeit in Stendal habe ich die damalige Lizenz C-Breitenfußball gemacht. Wenig später schloss sich in der Saison 2012/2013 – übrigens zusammen mit Sven Körner – die C-Leistungsfußball-Lizenz an der Landessportschule in Osterburg an.

Waren Sie nach dem Erwerb dieser Lizenzen auch gleich als Trainer tätig?

Nein, noch nicht sofort. Meine erste Station war in der Saison 2016/2017 die U17 des FC Mecklenburg Schwerin in der Regionalliga Nordost. In dieser Spielzeit habe ich in Leipzig auch die DFB-Elite-Youth-Lizenz erworben.

Da waren Sie doch noch selbst aktiv?

Das stimmt, ich wollte aber schon langsam in das Trainer-Geschäft einsteigen.

Wann war Ihre erste Station als Trainer im Herrenbereich?

Ich habe direkt nach dem Ende meiner aktiven Zeit in Schwerin die Seiten gewechselt und wurde 2018 Cheftrainer der Landesliga-Mannschaft.

Heute sind Sie im Besitz der A-Lizenz. Wann haben Sie diese gemacht?

Das war während der Saison 2018/2019. Dazu war ich an der Sportschule Kaiserau in Nordrhein-Westfalen und lernte auch einige ehemalige Profis wie Stefan Wächter und Simon Rolfes kennen. Es waren aber auch Nachwuchstrainer bekannter Bundesligisten in meinem Kurs.

Zum Beispiel?

Unter anderem vom FC Schalke 04 und der TSG Hoffenheim. Das führte dazu, dass ich in den Nachwuchsleistungszentren beider Klubs hospitieren konnte.

Wie darf man sich das vorstellen?

Zuerst war ich zwei Wochen auf Schalke. Dort durchlief ich verschiedene Nachwuchsmannschaften und habe deren Trainern, darunter Legende Norbert Elgert bei der U19, über die Schultern geschaut. In Hoffenheim habe ich die U15 und U17 in ihrem Trainingsalltag begleitet, konnte aber auch alle anderen Teams und Trainer, darunter auch Julian Nagelsmann, sehen.

Was ist davon besonders hängen geblieben?

Ich war erstaunt, wie viele Menschen um eine Mannschaft herum arbeiten. Zudem erfolgten die Erfassung und Auswertung aller Daten jedes Spielers am Computer. Das war beeindruckend, wie detailliert die Trainer absehen konnten, wann ein Spieler beispielsweise an seiner Belastungsgrenze war. Die Arbeit erfolgte auf höchstem Niveau. Zudem wurde mir bewusst, dass an sich keine anderen Übungen gemacht werden, als bei unserem Training im Amateurbereich. Der Unterschied liegt in der Intensität. Beeindruckt haben mich zudem der Umgang der Trainer mit ihren Mannschaften, die Ansprache und insgesamt die unterschiedlichen Führungsstile. Da konnte ich mir einiges abgucken.

Konnten Sie denn einen Unterschied in der Philosophie zwischen Leistungsbereich und Ihren eigenen Erfahrungen als Amateur feststellen?

Ja, definitiv. In den Nachwuchsleistungszentren wird noch viel mehr Wert auf die Physis gelegt. Da spielt dann nicht nur das Training, sondern auch die Ernährung mit rein. Das soll nicht heißen, dass ambitionierte Amateurkicker nicht auf die ausgewogene Ernährung achten, doch im Leistungsbereich ist es dann doch noch etwas anderes.

Was ist aktuell das Resultat ihrer Erfahrungen aus der eigenen Laufbahn, den Lizenz-Ausbildungen und Hospitationen?

Ich habe für mich eine Philosophie entwickelt, wie ich – sofern die Mannschaft es personell zulässt – Fußballspielen lassen möchte.

Können Sie diese beschreiben?

Mir ist es wichtig, ein Spiel von hinten – also auch mit dem Torwart zusammen – aufzubauen. Lange Bälle gefallen mir gar nicht. Dadurch möchte ich einer Mannschaft auch meine Handschrift geben. Ich stelle mir ein offensives, attraktives Spiel vor, welches viel Laufbereitschaft fordert. Das birgt natürlich auch Risiken. Das gehört dazu.

Sie haben zuletzt eine U23 in der Landesklasse in Mecklenburg-Vorpommern trainiert, haben dies aber im März beendet. Wieso?

Als ich die Mannschaft übernommen habe, stand bereits fest, dass meine Lebensgefährtin, unsere gemeinsame Tochter und ich umziehen werden. Meine Freundin stammt aus Schinne und dorthin wollten wir bereits nach der Geburt unserer Tochter zurück, um näher bei der Familie und auch Freunden zu sein. Daher war von Beginn an klar, dass ich die Mannschaft maximal eine Saison, jedoch tatsächlich nur bis zum Umzug, betreuen kann. Das war zu Beginn des Jahres der Fall. Ich bin dann noch zwei Monate gependelt, doch mit dem die Einschränkungen durch die Corona-Krise kamen, war für mich klar, dass ich das – sollte die Saison überhaupt noch einmal fortgesetzt werden kann – der Familie zu Liebe nicht weiter machen kann. Die Strecke in Richtung Schwerin ist drei Mal in der Woche einfach zu weit.

Wie geht es jetzt mit Ihrer Trainer-Karriere weiter?

Sobald wieder an Fußballspielen zu denken ist, möchte ich wieder als Trainer tätig werden, um meine Erfahrungen als Spieler und aus verschiedenen Vereinen an junge Talente weitergeben zu können. Ich brenne darauf, etwas nachhaltig aufzubauen und eine Mannschaft ständig weiterzuentwickeln.

Gibt es aktuell schon Anfragen?

Ja, die gibt es.

Welche Vereine stehen im Raum?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich keine Namen nennen kann, solange es keine Einigung gibt. Sie kommen aber eher aus dem Brandenburger Raum.

Könnten Sie sich denn vorstellen, auch in der Altmark als Trainer tätig zu werden?

Das kann ich definitiv, allein schon, um kürzere Wege zum Training zu haben.

Also wäre auch eine Rückkehr als Trainer zu Ihrem Ex-Klub Stendal vorstellbar?

Grundsätzlich kann das ein Thema werden, ist es aber im Moment nicht. Jörn Schulz und ich kennen uns gut, haben früher zusammen Fußballgespielt. Wir schätzen uns und unsere Arbeit gegenseitig. Er macht einen ordentlichen Job, so dass Lok für mich aktuell keine Option ist. Was die Zukunft bringt, wissen wir alle nicht. Mein Ziel ist es in jedem Fall, in der Oberliga oder höher als Trainer zu arbeiten. Ich setze mich dazu aber nicht unter Druck, da ich ein junger Trainer bin und mich stetig weiterentwickeln möchte.