Stendal l An die 80 Einladungen sind dazu vor gut einem Monat verschickt worden.  Das Corona-Virus machte ihm und den zu erwartenden Jubiläumsgästen jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung.

„Siggi“, wie er allgemein genannt wird, ist jedoch darauf erpicht, die Geburtstagsfeier, natürlich in gebührendem zeitlichem Abstand, nachzuholen.

Wille als Gast immer sehr beliebt

Derartige Jubiläumsfeiern mit ihm sind beliebt, weil der gebürtige Westaltmärker aus Immekath mit seinen Gästen stets auch in der Erinnerung kramt und so manche Anekdote zum Vorschein bringt, die zu wahren Lachsalven führt.

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Apropos Immekath: „Das ist ein sportverrücktes Dorf. Ich glaube, dass dort früher jeder mit seiner Einschulung auch Mitglied der Betriebssportgemeinschaft Traktor wurde“, so Wille.

Liebe zum Handball schnell entdeckt

Auch er begann ab der 1. Klasse Sport zu treiben, und zwar als Handballer. Erst war er Torwart, schon bald jedoch Feldspieler.

Auch die Leichtathletik interessierte den jungen Siggi Wille. Sein Training bestritt er allerdings zumeist allein im schönen Immekather Stadion.

Liebe zum Handball bleibt bestehen

Mit 14 Jahren kam der morgige Jubilar zur Kinder- und Jugendsportschule, das allerdings in der Sportart Leichtathletik. „Ich bin aber immer Handballer geblieben“, bekennt er.

Mit 16 Jahren feierte Siggi Wille seine Premiere in der 1. Handball-Männermannschaft der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor Immekath und schaffte mit dem Team den Aufstieg in die Bezirksliga Magdeburg. Mit 1,93 Meter Körperhöhe war er sicherlich einer der größten altmärkischen Kreismittespieler, der zudem beidhändig auf Torejagd war.

Beruflich startete er als Assistent des Kreissportlehrers in der Heimat. Nach seinem Militärdienst in der Nationalen Volksarmee verschlug es ihn in den Landkreis Stendal. Dort wurde er Kreissportlehrer Leichtathletik, angestellt im Kreisvorstand des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) der DDR. Ab 1974 leitete er das dort gegründete Trainingszentrium Leichtathletik.

Vorsitzender der BSG Lok Stendal

Elf Jahre später folgte er dem Ruf von Kuno Lemme, damals Vorsitzender der ausgesprochen großen BSG Lokomotive Stendal. Außer für den Fußball war er für alle weiteren Sektionen der BSG verantwortlich.

Etliche Jahre spielte Wille noch Handball bei der BSG Lok. Er war in den 90er Jahren mitverantwortlich für die Rettung der Handball-Kreisunion, denn der neu gegründete Stendaler Leichtathletikverein stellte ein Team und sicherte so den Spielbetrieb mit ab.

Willes letzter Einsatz als Handballer war, 60 Jahre alt, 2010 beim Abschiedsspiel für Edgar Pawelke und Jack Kohl in der Sporthalle Schillerstraße, übrigens mit dem unvergessenen Addi Kölsch als Schiedsrichter.

Mit der Wende wurde klar, dass im Stendaler RAW kein Sportleiter mehr gebraucht wird.

Wille bis 2010 Geschäftsführer im KSB

Siggi Wille bewarb sich für die Stelle des Geschäftsführers des neu gegründete Kreissportbundes Stendal. Dieses Hauptamt bekleidete er vom 1. Januar 1991 bis zum 31. Dezember 2010, ab 1994 KSB Stendal Altmark (zusammen mit den Altkreisen Havelberg und Osterburg)

In dieser verantwortungsvollen Position brachte er seine großen Erfahrungen als Sportorganisator ein.

Sein Credo als Geschäftsführer lautete: „Wir von der KSB-Geschäftsstelle sind in erster Linie Vereinsberater und -betreuer. Zuerst kommt das Ehrenamt, dann das Ehrenamt und dann nochmals das Ehrenamt. Erst dann kommt das Hauptamt.“

Wille ein großer Ideengeber

Siggi Wille war von Beginn seiner sportlichen Laufbahn an sehr kreativ. Seine Initiativen, von denen ein Teil im rechten Kasten aufgeführt ist, führten unter anderem zum Wegfall bürokratischer Hürden sowie dazu, das sportliche Großereignisse im Landkreis stattfinden.

Von 1997 bis 2002 gab es im Stadion „Am Galgenberg“ zum Beispiel die „Stendaler Werfer-Gala“. Da tummelten sich etliche Olympiasieger, Welt- und Europameister. Eine kleine Auswahl: Astrid Kumbernuss, Jürgen Schult, Lars Riedel, Michael Möllenbeck, Ralf Bartels, Oliver-Sven Buder, Franka Dietzsch, Boris Henry sowie Nadine Kleinert und Raymond Hecht (beide SC Magdeburg). Hammerwerferin Betty Heidler (Eintracht Frankfurt) bestritt dort in Stendal als blutjunge Athletin erste Wettkämpfe.

Ein weiterer sehr bedeutungsvoller Sportwettkampf, in den Siggi Willes Herzblut hineinfließt, ist der seit 2013 durchgeführte „Stendaler Hanse-Cup“. Die Veranstaltung für Leichtathletik-Zehnkämpfer und Siebenkämpferinnen wird auch international sehr gut angenommen. Wegen der Corona-Pandemie muss der zunächst für den Mai geplante 8. Cup ausfallen. Doch wer Siggi Wille kennt, der weiß, dass er alles in Bewegung setzt, um den Wettkampf doch noch in diesem Jahr zu veranstalten.