Stendal l Am Wochenende haben die Altmärker einen sportlichen Höhepunkt vor Augen.

Mit dem letzten Test am Stendaler Flugplatz Borstel, vor Beginn der Cup- und Tourenwagentrophy am altehrwürdigen Hockenheimring, verabschiedete sich der kleine Stendaler Rennstall MHM Motorsport am Donnerstagmorgen nach Baden-Württemberg.

Lediglich das Fahrwerk musste noch vermessen werden, dann startete die Reise in das Rennwochenende für das Motorsportteam um Fahrer Jörg Muszczak und den Technischen Direktor Dirk Muszczak. Seit gerade einmal fünf Jahren gibt es den Stendaler Rennstall der Gebrüder Muszczak in der Hansestadt, und doch kann das kleine Team bereits auf renommierte Erfolge auf der Rennstrecke verweisen.

Muszczak lässt aufhorchen

Mit Klassensiegen bei den Bördesprints im Jahr 2016 in Oschersleben, sowie bei Gastauftritten auf der belgischen Formel-1-Strecke in Spa, ließen die Stendaler die Konkurrenz in der jüngeren Vergangenheit aufhorchen. „Die Idee, einen eigenen Rennstall zu gründen, entstand vor acht Jahren, als ich mit meinem Bruder Dirk die Formel 1 gesehen habe. Wir haben den Teams zugeschaut und haben uns darüber unterhalten, wie es wohl wäre, selbst auf der Strecke zu sein“ so Muszczak.

Im Jahr 2014 schafften sich die Brüder das erste Cup-Auto für knapp 45.000 Euro an. „Mein Bruder Dirk hat die Finanzen geregelt und ich habe als Fahrer noch selbst am Auto geschraubt. Zuvor hatte ich an Viertel-Meile-Autos geschraubt und über technisches Wissen verfügt. Das war die Voraussetzung, um überhaupt dabei zu sein.“ Obwohl das Stendaler Team um Fahrer Jörg Muszczak noch nie an einem Rennen im Motorsport beteiligt war, ließen sich die Brüder auf das Abenteuer ein.

Muszczak startet ohne Erfahrungen

Allen voran Fahrer Jörg, fehlte es zu Beginn an Wettkampfpraxis: „Als Fahrer hatte ich keinerlei Erfahrung. Ich hatte noch nie in einem Rennwagen gesessen, noch nicht einmal in einem Kart. Nur die Pedalen-und-Lenkrad-Simulation kannte ich von der Play-Station‘‘, so der Amateursportler. Dennoch konnte der selbstständige Unternehmer eines Autopflegedienstes in seiner noch jungen Fahrerbilanz gut mithalten. So geschehen beim 24-Stunden-Rennen von Barcelona im Jahr 2016. „Das war eines der anstrengendsten Rennen mit dem Team. Im Auto waren es 70 Grad Celsius. Das Kaltgetränk im Auto erfrischte nur kurz. Nach fünf Runden fühlte es sich an, als würde ich aufgebrühten Tee trinken‘‘, so Muszczak.

Der Weg ist steinig

Bis zum Start und der Etablierung als Team an der Strecke, bestritten die Muszczaks einen steinigen Weg. Das geringe finanzielle Budget des Teams, forderte zu Beginn seinen Tribut: „Ein paar Mal musste ich mich schon selbst unter den Wagen legen und herum schrauben. Die Enttäuschung über Schäden am Getriebe, veranlassten mich darüber nachzudenken, einfach alles hinzuschmeißen‘‘, so Muszczak. Die Enttäuschung über technische Mängel hielt jedoch nicht lang.

Dank der Unterstützung und familiären Atmosphäre unter den Fahrerteams, wich die Frustration beim MHM Stendal der Begeisterung für den Rennsport, wie Jörg Muszczak bereits erleben durfte: „Gut, dass in solchen Phasen die anderen Fahrerteams mit aushelfen. Mitten am frühen Morgen um zwei Uhr, haben uns schon Teams mit dem Einbau eines neuen Getriebes ausgeholfen. Auf der Strecke sind wir Rivalen, aber abseits der Rennen, wenn es um Kollegialität geht, kann sich einer auf den anderen verlassen. Da wäscht eine Hand die andere. Das gibt es nicht in jedem Sport“.

Rennen in Hockenheim

Mit viel Stolz vertritt der Underdog des MHM beim kommenden Rennen in Hockenheim die Stadt Stendal. Die Hansestadt wird gespannt darauf sein, was Dirk Muszczak und sein Team auf die Beine stellen werden. Dabei helfen sollen die Erfahrungen der letzten Jahre. Was in Oschersleben beim Bördesprint und einigen wenigen Testfahrten begann, mündete nach gerade einmal fünf jährigem Bestehen des Klubs, an die vorläufige Spitzengruppe der Debütsaison in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft im Kalenderjahr 2019. Die harte Arbeit um das mit Mechaniker Steffen Bartels, Mario Koch und Andre Poller verstärkte Team, zahlt sich indessen aus.

Muszczak hat hohes Ziel

Als aktuell Drittplatzierter der Gesamtrangliste und viel Selbstvertrauen, will der MHM Stendal ins Rennen in Hockenheim gehen. Ziel soll laut Fahrer Muszczak ein Platz unter den ersten fünf sein, schränkt jedoch ein: „Hinter den Porsche Teams wird es natürlich schwer. Zumal viele lange Geraden auf der Strecke warten. Mit ihrer Schnelligkeit und ihrem finanziellen Know-how, können wir nicht mithalten. Die stecken das Dreifache an Geld in diesen Sport hinein. Da können wir als kleiner Rennstall nicht mithalten. Wir müssen auf regnerisches Wetter hoffen. Das könnte uns entgegen kommen“, so der 37-Jährige Familienvater.

Der MHM Rennstall hat innerhalb kürzester Zeit, ein konkurrenzfähiges Team geschaffen, das für Überraschungsmomente und Schlagzeilen sorgen kann. Der Traum des MHM Stendal, aus vielen kleinen Schritten, große folgen zu lassen, lebt weiter. Die Arbeit an der nächsten sportlichen Erfolgsschlagzeile wird an diesem Rennwochenende in Hockenheim fortgesetzt.