Stendal l Im Gespräch mit Volksstimme-Autor Stefan Rühling blickt er auf diese Zeit zurück.

Volksstimme: Herr Stolz, wie geht es Ihnen?

Peter Stolz: Im Moment ganz gut, danke. In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe ich gleich zwei neue Hüften bekommen. Das war nicht immer einfach.

Sie sind jetzt 76 Jahre alt, 60 davon Mitglied im Sportverein – wie halten Sie sich heute fit?

Ich mache noch immer Sport. Zwei Mal pro Woche bin ich bei der Physiotherapie und trainiere an Geräten. Ich bin aber auch im Garten aktiv.

Mit 16 Jahren sind Sie als Fußballer bei Lok Stendal eingetreten, waren später auch Übungs- und Mannschaftsleiter im Verein. Wie verfolgen Sie heute den Stendaler Fußball?

Natürlich werfe ich immer einen Blick auf die Ergebnisse, verfolge das Geschehen aber nicht mehr so intensiv wie früher. Damals war ich noch häufig im Stadion, doch heute kenne ich Spieler und Funktionäre kaum noch.

1983 wurden Sie erstmals in den Lok-Vorstand gewählt. Der Verein hatte damals noch über 2.000 Mitglieder. Was waren seinerzeit Ihre Aufgaben?

Meine Zuständigkeit lag bei der Abteilung Judo. Dort habe ich mich um die Organisation gekümmert.

Als Fußballer?

Ja, Fußball war Chefsache. Der damalige Vereinsvorsitzende, Kuno Lemme, war für den Fußball verantwortlich. Der Verein hatte aber zahlreiche Sektionen, die ja auch organisiert werden mussten. So kam ich zum Judo.

Nach der politischen Wende veränderte sich auch die Vereinsstruktur. Die BSG Lok Stendal ging in den ESV Lok Stendal über. Sie wurden erster und bisher einziger Vorsitzender – wie kam es dazu?

Die BSG feierte im November 1989 ihr 40-jähriges Jubiläum. Schon in Vorbereitung darauf sagte Kuno Lemme, dass er aufhören wollte und schlug mich dann als seinen Nachfolger vor. Auf der Mitgliederversammlung wurde ich dann gewählt.

Das ist heute auf den Tag genau 30 Jahre her. Sie sind damit dienstältester Vorsitzender eines Sportvereins der Hansestadt Stendal und länger im Amt, als jeder ihrer Vorgänger.

Ja, da bin ich auch sehr stolz drauf. Ich habe in dieser Zeit viele interessante Menschen kennengelernt und durfte vieles erleben.

Die Fußballer traten nur wenige Tage nach ihrer Wahl aus und gründeten einen eigenen Verein. Wieso sind Sie als Fußballer nicht mitgegangen?

Das ist einfach zu beantworten: Ich hatte keine Chance mitzuwirken. Bei den Fußballern waren vier Hauptamtliche beschäftigt, die alles organisiert haben. Ich war beruflich im RAW tätig. Es blieb mir also verwehrt.

Deshalb sind Sie beim ESV geblieben?

Ja, der Verein hatte damals ja unzählige Abteilungen, um die sich ja auch gekümmert werden musste.

Was hat sich in der Vorstandsarbeit in diesen drei Jahrzehnten verändert?

Es ist einfach viel mehr Aufwand geworden. Denken wir allein an die Finanzen. Früher gab es Trägerbetriebe, heute muss man sich um jeden Euro lang machen. Die Arbeit muss zudem von immer weniger Ehrenamtlichen getan werden, da sich weniger engagieren als noch vor 30 Jahren.

Und was ist gleichgeblieben?

Die Verantwortung – vor allem in schwierigen Situationen. Wenn es läuft haben sich gern viele gezeigt. Doch bei Problemen lag die Verantwortung immer beim Vorstand.

Was waren Ihre Höhepunkte in diesen 30 Jahren?

Dazu gilt es die Erneuerung und letztlich den Erwerb unserer Kegelbahn zu nennen. Das war die wohl größte Herausforderung für mich und ich bin sehr stolz, dass diese seit mittlerweile über zehn Jahren im Besitz des Vereins ist. Für mich sind aber auch die zahlreichen Titel unseres Vereins im Kraftsport, der ja nicht so populär ist, immer wieder Höhepunkte gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt und die gemeinsamen Projekte wie die Partnerschaft mit Pulawy werden in Erinnerung bleiben.

Zu Ihrem 70. Geburtstag bezeichnete Oberbürgermeister Klaus Schmotz Sie als „Prototyp des Sportmanagers im besten Sinne“. Wie haben Sie sich damit gefühlt?

Das war ein sehr emotionaler Moment. Nachdem mir Klaus Schmotz zu seinem 60. Geburtstag bereits das „du“ angeboten hatte, habe ich es ihm nach diesen Worten auch gewährt. Eine solche Aussage und auch die Eintragung in das Goldene Buch der Stadt haben mich mit Stolz erfüllt und gezeigt, dass ich doch einiges richtig gemacht haben muss. Ich habe stets nach dem Motto, dass wir über alles sprechen müssen und dann auch Lösungen finden, gehandelt.

Haben Sie schon einmal an Rückzug gedacht?

Ja, selbstverständlich. Wir suchen im Verein schon seit geraumer Zeit nach einem Nachfolger. Meine Frau fragte mich auch schon, wie lange ich das noch machen will. Doch wie zuvor bereits gesagt, ist die Anzahl an Personen, die sich engagieren, nicht gerade gestiegen. Ich würde Bewerbungen um den Vorsitz des ESV Lok Stendal gern annehmen. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen.