Wernigerode l Der 23:19-Erfolg über den SV Anhalt Bernburg II war aber eher der Rubrik „Arbeitssieg“ einzuordnen.

HVW-Coach Jens Kaufmann hatte noch vor dem Spiel gegen die Drittliga-Reserve des SV Anhalt Bernburg angedeutet, dass er sein Team nicht in der Favoritenrolle sieht. Es gelte „von Spiel zu Spiel zu schauen“ – und damit sollte er recht behalten.

Anfangsphase ohne Torerfolge

Vor guter Kulisse taten sich beide Teams zu Beginn mehr als schwer. Die HVW-Anhänger trauten ihren Augen nicht, nach fast zehn Minuten stand es noch 0:0. Das Wernigeröder Trainerduo hatte bis dahin sein Team schon einmal zu einer Beratung an die Seitenlinie gerufen. Auf beiden Seiten wurde sich im Auslassen guter Chancen übertroffen, auch die Keeper beider Mannschaften konnten sich immer wieder auszeichnen.

Den ersten Treffer erzielten die Bernburger Gäste in der zehnten Minute. Gustav Eilers konnte zwar für die Hausherren ausgleichen, aber das brachte auch nicht die nötige Sicherheit im Spiel der Gastgeber. Nach 17 Minuten führten die Saalestädter mit 5:3. Danach kamen die Wernigeröder allerdings besser in die Partie, nachdem Jens Kaufmann bereits auf einigen Positionen gewechselt hatte. Über den Ausgleich zum 6:6 (22.) ging es mit einer 9:7-Führung für die HVW-Sieben in die Halbzeit.

Lerich spielt nach der Pause stark auf

Die Zuschauer waren in der Pause sprachlos, ob der gezeigten Leistung der Heimmannschaft und hofften auf eine Steigerung ihrer Jungs nach dem Wiederanpfiff. Die Hausherren kamen nach dem Seitenwechsel auch besser in die Begegnung. Bis zur 38. Minute wurde die Führung mit einem 6:1-Lauf auf 15:8 ausgebaut. Vor allem Außenspieler Marcel Lerich spielte in dieser Phase mit fünf Treffern stark auf.

Die Entscheidung schien gefallen, das Publikum war zufrieden. Die Gäste ließen sich aber nicht hängen und die Wernigeröder verfielen wieder in den Trott der ersten Minuten. Zahlreiche Gelegenheiten wurden unkonzentriert oder überhastet vergeben. Das ganze Spiel wirkte wieder zerfahren. Zum besten Akteur schwang sich Keeper Finn Reuter auf, der einen guten Tag erwischte und zahlreiche Würfe mit starken Paraden vereitelte. Aber auch er konnte die Aufholjagd der Saalestädter nicht verhindern.

Kaufmann setzt den Schlusspunkt

In der 51. Minute stand es nur noch 18:15, die Männer aus dem Harz hatten komplett den Faden verloren. Nur durch Einzelleistungen kamen sie noch zum Erfolg. Für eine hektische Schlussphase sorgten die Gastgeber dann auch noch selbst. Zwei Strafzeiten drei Minuten vor Schluss brachten erhebliche Unruhe auf dem Feld und bei den Zuschauern. Bernburg verkürzte zwar auf 21:18, doch die HVW-Spieler zeigten Kampfgeist. Mit seinem fünften Treffer zum 22:18 beseitigte Lucas Conradi die letzte Zweifel am Sieg (58.), Tom Kaufmann stellte mit seinem sechsten Tor den 23:19-Endstand her.

Kaufmann sieht Potenzial nach oben

Der Wernigeröder Anhang feierte zwar den Sieg, war aber mit der gezeigten Leistung der Mannschaft nicht zufrieden. Auch Trainer Jens Kaufmann musste nach dem Match erst einmal tief durchatmen und war sichtlich unzufrieden mit seinem Team: „Wir haben schlecht gespielt. Unerklärlich war unsere Abschlussschwäche. In der Abwehr haben wir gut gearbeitet, ohne Frage, und unser Torwart Finn hatte einen tollen Tag, aber in der Abteilung Attacke ließen wir alles vermissen. An ein 0:0 in der 10. Minute kann ich mich beim Handball auch nicht erinnern. War die Offensive in den letzten Jahren unsere Stärke, kommen wir aktuell nicht wirklich ins Rollen. Wir kommen zum Beispiel gut aus der Pause, verlieren dann aber wieder die Kontrolle. Dazu kommen die Unkonzentriertheiten wie zwei Wechselfehler, Fangfehler und überhastete Abschlüsse. Aber wichtig sind für uns die beiden Punkte und es zeigt deutlich, dass es in dieser Saison wohl erheblich auf die Tagesform eines jeden Gegners ankommt. Wir werden uns stabilisieren müssen in den nächsten Wochen.“

Statistik

HV Wernigerode: Grawe, Konstabel, Reuter - Hanke (1), Kaufmann (6/2), Schulze, Tischer (1), Conradi (5), N. Christiansen (1), Eilers (1), Lerich (6/1), Stührenberg (1), Richter, Hase (1);

Zeitstrafen: HV Wernigerode 7 + Rot für Moritz Tischer (46./dritte Zeitstrafe) - Anhalt Bernburg II 6 + Rot für Martin Kübler (30.) und Sebastian Seythal (36.);

Siebenmeter: HV Wernigerode 5/3 - Anhalt Bernburg II 3/2.