Der Schatten der Corona-Krise liegt über dem Sport. Über die aktuelle Situation im Harzkreis und darüber hinaus sprach Volksstimme-Redakteur Ingolf Geßler mit dem Präsidenten des KreisSportBundes Harz, Henning Rühe, und KSB-Geschäftsführer Jörg Augustin.

Die aktuellste Information vorweg: Am Montag wurde erwartungsgemäß auch die Sportlerehrung des Harzkreises abgesagt. Wie ist der aktuelle Stand hierzu?

Henning Rühe: Die Veranstaltung wäre ja praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen, denn die Angst ist bei Vielen riesengroß. Da müssen wir auch vernünftig sein. Wir haben Mitte der vergangenen Woche schon gerätselt, wie wir es am klügsten machen, und uns dann verständigt, die Präsidiumsmitglieder noch einmal zu befragen, dass es keine einsame Entscheidung von uns beiden ist. Alle hatten Verständnis. Und mittlerweile gibt es ja auch eine klare Orientierung von Seiten des Landkreises, öffentliche Veranstaltungen abzusagen. Selbst der Kreistag findet nicht statt, keine Kreisausschusssitzung. Im Prinzip ist alles eingestellt, das gesellschaftliche Leben auf „Null“ geführt worden. Und das geht ja ins private Leben über, wo Du vernünftig sein und diese Dinge eingrenzen musst.

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Jörg Augustin: Alle Vorbereitungen waren getroffen, 121 Jurymitglieder hatten an der Abstimmung teilgenommen. Die Ergebnisse stehen seit Ende Februar fest. Spätestens am Freitag, als die Meldung vom Land Sachsen-Anhalt kam, alle öffentlichen Veranstaltungen auszusetzen, war die Absage der Sportlerehrung verbindlich. Ringsherum bereitet sich alles auf eine schwere Pandemie vor, da können wir nicht locker, flockig eine Sportlerehrung veranstalten.

Henning Rühe: Um noch einmal auf die Wahl an sich zurückzukommen: Es können nur diejenigen gewählt werden, die, wie bei richtigen Wahlen auch, kandidieren. Und sie können nur von denjenigen gewählt werden, die an der Wahl teilnehmen. Also man muss nicht hinterher meckern, dass nicht das richtige Ergebnis zustande gekommen ist, man muss sich auch an der Wahl beteiligen. Das ist genau wie in der Politik.

Wird es einen Ersatztermin für die Sportlerehrung geben?

Henning Rühe: Wir wollen einen geeigneten Termin finden und die Veranstaltung auf keinen Fall ausfallen lassen. Wir müssen natürlich sehen, dass wir die Sportlerehrung auch so durchführen, dass sie einen entsprechenden Wert hat. Es muss der passende Rahmen vorhanden sein, dass es eine würdige Veranstaltung ist. Es wurde sich ja auch intensiv vorbereitet, um sich bei der Sportlerehrung zu präsentieren. Die Schwanebecker Tänzerinnen haben sich riesig auf den Auftritt vor Publikum gefreut und viel trainiert.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich auch schon einmal bei den Sponsoren bedanken für das Engagement. Sie haben diese Veranstaltung auch bei den Vorbereitungen finanziell unterstützt – und sie wollen wir natürlich auch nicht enttäuschen. Zusammen mit den Hauptsponsoren sind es elf Sponsoren die sich Jahr für Jahr engagieren, damit eine niveauvolle Veranstaltung möglich ist.

Suchen die Vereine in der Problematik rund um den Coronavirus beim KreisSportBund Hilfe?

Jörg Augustin: Wir hatten zum Beispiel Nachfragen von Vereinen, die in ihrer Satzung stehen haben, im ersten Quartal eine Mitgliederversammlung machen zu müssen. Die augenblickliche Situation ist höhere Gewalt, und das wird letztlich auch jeder nachvollziehen können. Auch ein Rechtspfleger, der nachher die Zuarbeiten von den Vereinen umsetzen muss beim Amtsgericht. Ich glaube, deshalb sollte niemand Schwierigkeiten bekommen im Nachhinein.

Henning Rühe: Von der Seite sowieso nicht, weil Gerichte momentan den gleichen Regelungen unterworfen sind. Da gibt es ja auch keinen Publikumsverkehr, sie sind genauso betroffen, wie wir als Vereine. da muss man auch Verständnis für aufbringen. Aber es liegt manchmal an Einzelnen, das kann ja in einem halben Jahr zu völlig neuen Erkenntnissen, losgelöst von dem was mal war, zu Entscheidungen kommen. Dann muss man kräftig dran erinnern, dass es besondere Umstände waren.

Jörg Augustin: Wenn es noch Fragen gibt, wir sind auf dem aktuellsten Stand, wie man sich verhalten soll. Und wenn es wirklich Fragen gibt, die wir nicht beantworten können, kümmern wir uns darum, dass die Vereine eine vernünftige Antwort bekommen. Wir setzen uns mit Gesundheitsamt oder anderen in Verbindung, um das Problem zu lösen. Weil die Fragen, die auftauchen, müssen wir ja letzten Endes auch beantworten können. Wir bleiben auch die ganze Zeit ansprechbar, denn es kann gut sein, dass Vereine oder Vereinsverantwortliche, die jetzt mehr Zeit haben, weil sie Zuhause bleiben müssen, sich auch mehr um Vereinsangelegenheiten kümmern. Wir sind telefonisch erreichbar, zu den Öffnungszeiten ist immer jemand da, allerdings immer bloß ein Mitarbeiter. Alle anderen arbeiten von Zuhause aus.

Welche Empfehlungen geben Sie den Vereinen, auch was den regulären Trainingsbetrieb betrifft?

Jörg Augustin: Es entscheiden die Verbände beziehungsweise Vereine selbst. Es gibt immer nur die Empfehlungen von oben, und diese sollte man auch befolgen. Aber ob ein Verein das macht oder nicht, ist letzten Endes seine Entscheidung. Aber in diesem Punkt sollte man Vernunft walten lassen.

Entscheidung liegt bei Fachverbänden

Gibt es noch Möglichkeiten, im Harzkreis Sport zu treiben?

Henning Rühe: Die Verantwortung liegt bei den Fachverbänden, die das im Prinzip bewerten und nach Lösungen suchen. Der KFV Fußball hat sich ja dazu im Interview bereits geäußert, das ist anderen Bereichen genau das gleiche. Wir können nur das unterstützen, was die einzelnen Fachverbände festlegen und hoffen, dass wir eventuell bis zur Eröffnung der Kreis-Kinder- und Jugendolympiade wieder ein bisschen Land sehen. Das sind ja alles Vorbereitungen, die ins Leere laufen, das ist schon frustrieren­d.

Kann der KreisSportBund Tipps geben, wie sich Sportler fit halten können? Wovon würden Sie abraten?

Jörg Augustin: Ich hatte extra mal beim Gesundheitsamt angefragt, man soll einfach alles das sein lassen, was gemeinschaftlich passiert. Also selber Joggen gehen, Mountainbike fahren, Wandern, alles mögliche, was man eher individuell macht. Auch wenn jemand ein Fitnessgerät Zuhause stehen hat oder auch einfache gymnastische Sachen, ist das alles völlig unproblematisch und kann gemacht werden. Bloß das gemeinschaftliche soll eben gemieden werden.

Erwarten Sie die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in Sportarten wie Fußball, Handball oder Volleyball, die im August/September in die nächste Saison starten?

Jörg Augustin: Na klar wäre es wünschenswert, aber ich persönlich sehe es für die Saison eigentlich nicht mehr. Gerade wenn die politischen Initiativen auch so angelegt sind, dass man diesen Corona-Fall möglichst lange hinauszögern will, damit man nicht auf der medizinischen Ebene in einen Notstand kommt, glaube ich, dass es uns noch lange begleiten wird. Ich hoffe es zwar, aber ich sehe nicht, dass die Saisons zu Ende gespielt werden können.

Henning Rühe: Und wie will man dieses Problem lösen, zum Beispiel im Fußball müsste man weit in den Sommer hinein spielen. Und die Verbände müssen natürlich überlegen, wie verfährt man mit der Auf- und Abstiegsregelung. Auf unserem Niveau ist es vielleicht nicht ganz so dramatisch, aber wo es um viel Geld geht, wie in der 1. und 2. Bundesliga? Das sind Entscheidungen, die man gut durchdenken muss. Und dass der Hallesche FC die Saison gern abbrechen würde, das kann ich ein bisschen verstehen (lacht). Auch der 1. FC Magdeburg, denn das kann für beide noch ganz böse werden...

Jörg Augustin: Und egal, wie Du es mit der Auf- und Abstiegsfrage am Ende löst, es gibt immer Gewinner und Verlierer.

Gibt es andere Veranstaltungen unter der Regie des KreisSportBundes Harz, die in Folge der Corona-Problematik abgesagt wurden oder in Frage stehen?

Jörg Augustin: Im April sind Bildungsveranstaltungen, diese Übungsleiterausbildung wird unterbrochen, solange es die Empfehlung gibt, keine öffentlichen Veranstaltungen durchzuführen. Die Ausbildung wird später weitergeführt, alle bekommen einen Nachweis für die Stunden, die sie bisher gemacht haben, damit sie die Ausbildung zur Not auch über andere Wege fortführen können. Wir müssen dann auch sehen, wie wir mit den verbleibenden Bildungsterminen über das Jahr noch hinkommen. Aber die Ausbildung soll schon abgeschlossen werden, etwa die Hälfte ist ja schon absolviert.

Dazu kommen zwei Termine in der Harzer TeamChallenge im April und Mai, die selbstverständlich auch erst einmal ausgesetzt sind. Das Gemeinwohl geht in solchen Dingen vor und da muss der Sport auch sehr vernünftig sein.

Welchen Standpunkt vertreten Sie zur möglichen Absage bzw. Verschiebung sportlicher Großereignisse wie die Olympischen Spiele in Tokyo?

Jörg Augustin: Das erste große Problem dabei ist, das im Vorfeld die ganzen Qualifikationswettkämpfe für solch ein Groß­ereignis gar nicht durchgeführt werden können. Ob bis dahin die Veranstaltung selbst stattfinden könnte, ist schwer einzuschätzen. Aber wie schon gesagt, die Epidemie kann sich über Monate hinziehen und dann ist es eigentlich illusorisch, solche Riesenveranstaltungen durchzuführen.

Henning Rühe: Sollte eine Durchführung überhaupt möglich sein, müsste man sich auf Bestleistungen verlassen können und diejenigen mit den besten Zeiten starten lassen. Doch dazu müsste man sich auf die einzelnen Verbänden verlassen können. Anders würde es vielleicht gar nicht gehen, wenn die Ausscheidungswettkämpfe in den einzelnen Sportarten entfallen, so wie das zuletzt in London abgebrochene Boxen.