Wernigerode l Weder Wettkämpfe noch Training in den Vereinen ist nach der aktuellen Eindämmungsverordnung möglich. Die Abteilung Karate vom Wernigeröder SV Rot-Weiß geht daher andere Wege, um vor allem die Kinder und Jugendlichen in der nun schon über zehn Monate andauernden COVID 19-Pandemie zu motivieren. Abteilungsleiter Michael Schröter und Thomas Peters haben allerhand Technik im kleinen Trainingsraum im Sportzentrum Gießerweg aufgebaut. Eine neue Leinwand, eine neue Kamera, Beamer, LED-Spots – all dies war notwendig, um den 80 Mitgliedern der Karate-Abteilung mit Beginn der nächsten Woche ein Online-Training über Zoom anzubieten. Die Trainer werden die Trainingsinhalte live vor der Kamera vorführen, gleichzeitig sehen sie auf der Leinwand, wie ihre Schützlinge die Übungen in den eigenen vier Wänden umsetzen.

„Auch als Randsportgruppe im Karate sind wir mit 80 Mitgliedern schon eine Wucht. Uns geht es dabei vor allem um die über 80 Prozent Kinder und Jugendlichen, und darum, dass der Sport wieder in ihren Alltag aufgenommen wird. Ganz wichtig sind dabei feste Zeiten, die den jeweiligen Gruppen für das Online-Training über Zoom angeboten werden. Da geht in der langen Zeit schon einiges an Struktur verloren“, schildert Abteilungsleiter Michael Schröter die Beweggründe für das neue Angebot.

„Ganz wichtig war dabei, dass wir zuerst mit den Eltern Kontakt aufgenommen und sie mit ins Boot geholt haben. Die Resonanz war super, viele haben sich über das tolle Angebot gefreut“, ergänzt Thomas Peters. „Aus dem Verband haben wir die Erfahrungen aus großen Vereinen, mit zum Teil über 1000 Mitgliedern. Auch hier geht die Tendenz klar zu einem Live-Training, alles andere wird mangels Motivation kaum noch angenommen. Wir konnten uns auch einiges abgucken, vor allem viel mit Motivationsbausteinen zu arbeiten. Für die Teilnehmer muss wirklich eine Verpflichtung dahinter stehen, regelmäßige Teilnahme wird belohnt, dazu gilt es ähnliche Anreize zu schaffen“, so Thomas Peters.

Challenge im ersten Lockdown angeboten

Erfahrungen hierzu wurden im eigenen Verein vor nicht allzu langer Zeit gemacht. „Wir hatten im ersten Lockdown auch Challenges gemacht. Die wurden auch gut angenommen, das erlahmt dann natürlich irgendwann. Es findet keine Interaktion mit den Kindern statt und das ist eigentlich das größte Problem, das wir mit Live-Training optimal lösen. Zumal keiner weiß, wann es weiter geht“, so Michael Schröte­r.

Bis zu 100 Teilnehmer könnten theoretisch am Live-Training teilnehmen. Die Aufteilung erfolgt jedoch in kleinere Gruppen mit bis zu 25 Karateka, vier im Nachwuchsbereich und eine für die Erwachsenen. Zweimal täglich werden die Trainer vor der Kamera live für jeweils eine Stunde ihr Trainingsprogamm präsentieren.

WSV mit regen Aktivitäten

„Sie werkeln schon seit vier, fünf Tagen. Das Internet musste die nötige Bandbreite haben, also haben wir einen Kabel in der Geschäftsstelle angeschlossen. WLan ist für derartige Vorhaben zu unsicher. Dazu wurde immer wieder getestet, ob es auch akustisch vom Signal funktioniert“, berichtet Vereinskoordinator Mario Vordank von regen Aktivitäten in der zurückliegenden Woche. „Die Laptop-Kamera zum Beispiel hat nicht ausgereicht. Wir mussten eine andere kaufen, damit Sprache und Bewegung synchron sind“, erzählt Schröter. „Dazu haben wir einen Flipchart geholt, um einen festen Plan einzuhalten. Wir müssen ja sehen, dass wir im Zeitlimit bleiben. In der Stunde muss ordentlich Action sein, sonst gehen sie weg von ihren Fernsehern“, ergänzt Peters.

„Am Donnerstagabend haben wir unseren ersten Testlauf mit den Erwachsenen, mit Beginn der kommenden Woche soll es dann mit den Kindern und Jugendlichen losgehen. Jedem Mitglied werden zwei Trainingsstunden pro Woche angeboten“, so Thomas Peters. „Es geht quasi zurück zum Normalbetrieb, nur unter anderen Voraussetzungen“, so Vordank.

„Unser Ziel ist es natürlich, keine Mitglieder zu verlieren. Schließlich ist man als Verein auch irgendwie ein Wirtschaftsunternehmen, das von den Mitgliederzahlen abhängig ist. Und uns selbst ist es natürlich auch wichtig. Nicht, dass uns langweilig wäre, wir haben Zuhause auch unsere Hobbys. Aber wir wollen den Kindern schon etwas anbieten. Es ist ein Teil unseres Lebens, die ganze Abteilung hat schon eine große Verbundenheit und ein großes Gemeinschaftsgefühl“, erzählt Michael Schröter.

„Die Karate-Abteilung ist Vorreiter mit diesem Live-Training. Wir hoffen, dass es eine Art Initialzündung für andere Abteilungen wird, auf die wir das Projekt ausdehnen können“, hofft Mario Vordank, dass diese Trainingsform auf Nachahmer im eigenen Verein stößt. „Die Voraussetzungen sind ja gegeben, es muss nur einer voran gehen.“

Die benötigten Trainingsmaterialien und technischen Voraussetzungen dürften bei allen Teilnehmern gegeben sein, nun warten die Trainer mit großer Spannung auf den Erfolg der Aktion. Auch die nächste Stufe mit Fitnessbändern, die für alle Mitglieder angeschafft wurden, ist schon in Planung.