Ausgewählte Ergebnisse der Saison 2019/20:

• Skilanglauf:

Jessica Löschke (TSV Leuna): Zwei Silbermedaillen bei Deutschen Meisterschaften; Teilnahme an der Junioren-WM; zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen beim Continentalcup;

Alina Rippin (NSV Wernigerode): Bronzemedaille bei Deutschen Meisterschaften; Sieg beim DSV-Jugendcup in Oberstdorf

Cora Löschke (TSV Leuna): Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften Sprint

Jannis Grimmecke (NSV Wer­- nigerode): 9. Platz beim DSV-Jugendcup in Oberstdorf

• Skilanglauf:

Josephin Laue (SFV Rothenburg): Bronzemedaille im Teamspringen bei der Junioren-WM;

Regionalteam Sachsen-Anhalt: Platz acht bei „Jugend Trainiert für Olympia“

• Biathlon:

Amy Dunkel (WSV Elbingerode): 5. Platz beim DSV-Jugendcup in Ruhpolding

Julian Thiedemann (SC Köthen): Zweimal 3. Platz beim DSV-Schülercup in Ruhpolding

Alexander Finze (SC Köthen): 3. Platz beim DSV-Schülercup in Oberwiesenthal

Wernigerode l Die Wintersport-Saison hat mit dem Beschluss des Deutschen Skiverbandes, die noch anstehenden Wettkämpfe aufgrund der vorherrschenden Coronavirus-Problematik abzusagen, ein vorzeitiges Ende gefunden. Volksstimme-Redakteur Ingolf Geßler sprach mit dem Präsidenten des Skiverbandes Sachsen-Anhalt, Dr. Rüdiger Ganske, und Sportkoordinator Thomas Hedderich über die Saioson und aktuelle Themen.

Die Saison der Wintersportler steht kurz vor dem Ende, wie fällt das Fazit aus?

Thomas Hedderich: Insgesamt eher durchwachsen, wobei fast alle geplanten Wettkampfveranstaltungen Nordisch im Harz stattgefunden haben. Einzig die Landesmeisterschaften Skisprung in Braunlage musste wegen Orkanböen abgesagt werden. Die Landesmeisterschaften Techniksprint Langlauf konnten wegen des Schneemangels auf Skirollern ausgetragen werden. Alle weiteren Langlaufwettbewerbe, insbesondere der „Tour de Harz“ fanden am Landesleistungszentrum Sonnenberg auf Schnee statt. Das Skispringen auf Matten auch im Winter ist längst keine Besonderheit mehr. Aktuell gibt es Überlegungen, eine nationale Winterveranstaltung nach Wernigerode zu holen.

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Momentan sind leider viele Veranstaltungen bundesweit und international durch die Corona-Problematik untersagt worden. Grundsätzlich ist das für alle Wintersportler/innen, insbesondere in Sachsen-Anhalt nichts Neues, aber unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels haben sich die Maßstäbe der Beurteilung verschoben.

Der SVSA verfolgt mit dem Erststartrecht seiner Athleten ein anspruchsvolles Projekt – wie ist hier der Stand?

Thomas Hedderich: Bezogen auf die sportlichen Ergebnisse haben wir wiederholt eine erfolgreiche Saison zu verzeichnen. Alina Rippin vom NSV Wernigerode konnte sich in der Doppeljahrgangklasse U18 als jüngere Athletin sehr gut behaupten und wird sich mit zwei Siegen im DSV-Jugendcup, einer Bronzemedaille bei Deutsche Meisterschaften und aktuell mit Rang fünf in der Gesamtwertung als Jahrgangsbeste für die DSV-Auswahlmannschaft empfehlen. Sie ist, wie auch Cora Löschke vom TSV Leuna, für die internationalen OPA-Skispiele nominiert. Vereinskamerad Jannis Grimmecke konnte seine Leistungen beständig steigern und schaffte es zuletzt in Oberstdorf in die Top Ten.

Amy Dunkel vom WSV Elbin­ge­rode, die erst im August vom Langlauf zum Biathlon gewechselt ist, konnte bereits tolle Leistungen im DSV-Jugendcup und bei Deutschen Meisterschaften zeigen. Trotz erwartungsgemäß noch großer Reserven in der Schießleistung, könnte sie sich mit ihrer läuferischen Klasse bereits viermal unter den ersten Zehn, davon einmal mit Rang fünf, gut in Szene setzen. In diesem Zusammenhang freuen wir uns auch über die beachtlichen Leistungen von Albert Engelmann (ehemals WSV Benneckenstein) der Alterklasse U16 mit zahlreichen Siegen überragend dominiert.

Trotz einiger Probleme, wie die folgenschwere Verletzung von Max Kermer, liegen wir mit den gezeigten Leistungen insgesamt mit den projektbezogenen Zielen im Soll. Auf die kommende Saison 2020/21 können wir mit vermutlich fünf DSV-Kadern optimistisch blicken, darüber hinaus erwarten wir für das kommende Schuljahr fünf neue Einschulungen an den Eliteschulen des Wintersports.

Stichwort Junioren-Weltmeisterschaften Nordisch in Oberwiesenthal – wie war hier die Bilanz?

Rüdiger Ganske: Wir sind natürlich stolz, dass durch den Deutschen Skiverband mit Josephin Laue vom SFV Rothenburg und Jessica Löschke vom TSV Leuna zwei Athletinnen nominiert wurden. Eigentlich war auch die Nominierung von Max Kermer eingeplant, Verletzungen und Krankheit im Sommer ließen sich jedoch nicht kompensieren. Josephin Laue gewann Bronze im Mannschaftsspringen und erreichte mit 96,5 Meter im deutschen Team die größte Weite. Jessica war in Bestform und hatte - auch optisch sichtbar – Medaillenchancen, ihre Wettkämpfe waren allerdings komplett vom Pech begleitet: Eine Sturz kurz nach dem Start im Viertelfinale des K.o.-Sprints, eine Disqualifikation durch nicht erklärbares Laufen auf falscher Strecke...

Unsere jüngeren Athleten wie Alina Rippin und Jannis Grimmecke, die noch nicht startberechtigt sind, haben an der Strecke gestanden und angefeuert und sicher auch Erfahrungen mitgenommen.

Welche Eindrücke konntet ihr noch aus Oberwiesenthal mitnehmen?

Rüdiger Ganske: Neben der perfekten Organisation und der Einbindung dieses Spitzensportevents in die hohe touristische Frequentierung Oberwiesentals durch alpine Angebote waren die Grußworte des Ministerpräsidenten Kretschmer bemerkenswert: die Landesregierung von Sachsen wird weiter in das Wintersportland Sachsen mit den Standorten Oberwiesenthal, Klingenthal, Altenberg aber auch Sayda und anderen investieren. Hier trennen Sachsen-Anhalt und Sachsen Welten.

Junioren-WM und das Projekt Erststartrecht auf der einen Seite – andererseits Auswirkungen des Klimawandels im Schneesport – wie passt das zusammen?

Thomas Hedderich: Bereits das 1993 formulierte Projekt Schierke 2000 – die damalige Bezeichnung für das heutige Winterbergprojekt – hat den Ganzjahresansatz hervorgehoben, im Winterbergprojekt ist dieser Ansatz Grundmaxime. Der DSV orientiert seit Jahren auf Anpassung durch schneelose Alternativen im Winter, wenn es keinen Schnee gibt beziehungsweise Beschneiung nicht hinreichend wirkt. Die Resilienz des Gesamtangebotes ist entscheidend. Dieser Maßstab gilt für uns, aber auch für Sachsen mit dem Erzgebirge und alle anderen Mittelgebirge. Methodisch gesehen gilt der alte Leitspruch, dass der „Wintersportler im Sommer gemacht wird“. Die spektakuläre Sommerleistungskontrolle des DSV im August 2019 in Blankenburg unterstreicht das.

Wie steht der SVSA zum Antrag der Fraktion DieLinke des Stadtrates von Wernigerode, das Winterbergprojekt auf den Prüfstand zu stellen?

Rüdiger Ganske: Die generelle Ablehnung und damit der Stopp aller Planungen ist der falsche Weg! Grundsätzlich haben wir Verständnis dafür, dass nach so langem Projektverlauf die Forderung nach Evaluierung des Sachstandes erhoben wird. Aufgrund der über 100 Jahre alten Wintersporttradition Schierkes – vor 70 Jahren fanden hier die 1. DDR-Meisterschaften in allen Wintersportarten statt – haben wir selbstverständlich das 2001 verabschiedete Nationalparkgesetz begrüßt, auf dessen Grundlage das Gebiet zwischen Großen und Kleinen Winterberg aus dem Nationalpark herausgelöst wurde, gewissermaßen die Kompensierung der naturschutzpolitischen Vereinnahmung der traditionsreichen Wintersportanlagen Schierkes wie Eckerlochschanze, Slalomhang am Großen Winterberg, Loipen im Bereich Königsberg. Wir erwarten, dass in den nun beginnenden Evaluierungsprozess zum Winterbergprojekt, dieses damals per Gesetz formulierte „Versprechen“ Berücksichtigung findet. Der Skiverband wird sich weiter in diesen Prozess einbringen.

Welche Bedeutung hat das Winterbergprojekt für den Nachwuchsleistungssport im Skiverband Sachsen-Anhalt?

Thomas Hedderich: Weiterhin eine außerordentlich hohe. Wir sind als Skisport im Projekt mit seinem touristischen und Ganzjahresansatz gewissermaßen mitgeschwommen, in der Erwartung, dass das Projekt umgesetzt wird. Diese Erwartung gilt bis heute. Wir haben uns in den letzten Jahren – wie eingangs ausgeführt – im Bereich des Nachwuchsleistungssportes in die deutsche Spitze vorgearbeitet. Eine Folgerung für den DSV besteht unter anderem darin, dass der Standort Wernigerode mit den Zwölfmorgentalschanzen gemeinsam mit Schierke als „Hervorgehobener Stützpunkt“ anerkannt ist. Neben der damit „leichteren“ Verbesserung der Infrastruktur an der Zwölfmorgentalschanze – Stichwort Aufstiegshilfe – gehört dazu auch, dass der Bereich „Nordisch“ in Schierke nutzbar aufgewertet wird. Das beinhaltet die Erreichbarkeit der Wettkampfloipe auf dem Grünen Band sowie den Bau einer ganzjährig nutzbaren Sportloipe zwischen Parkhaus und Rennschlittenbahn.

Welche Ziele verfolgt der Skiverband Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren?

Rüdiger Ganske: Der Deutsche Skiverband hat mit uns im vergangenen Jahr – bei Einbindung von Landessportbund und DOSB – eine sogenannte Regionale Zielvereinbarung abgeschlossen. Diese basiert auf klaren Maßstäben des Nachwuchsleistungssports und ist Resultat unserer guten Entwicklung der letzten Jahre. Darin enthalten sind die bereits erwähnten Sportstätten im Raum Wernigerode/Schierke, sportliche Zielstellungen für Athleten bis zu Beteiligungen bei Junioren-Weltmeisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen als auch Ziele für Verbesserungen im Bereich hauptamtlicher Trainerschaft. Alles ist jedoch abhängig von den erreichten sportlichen Leistungen und bedingt einander. Kurzfristig sind wir auf einem guten Weg, um über den Landessportbund Sachsen-Anhalt den Status Fördersportart zu erreichen, damit würde sich unsere finanzielle Ausstattung weiter verbessern.