Zerbst l Wenn Timo Hoffmann, Kapitän der Zerbster Bundesliga-Kegler, diese Worte liest, wird er energisch intervenieren. „Klar hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nie eine so komfortable Ausgangsposition. Aber die entscheidenden Spiele kommen erst noch.“

Doch der Saisonstart hätte für die Rot-Weißen nicht besser verlaufen können. Nach den beiden Heimsiegen gegen die Aufsteiger aus Rudolstadt und Erlangen-Bruck und dem 5:3 in Straubing stand der SKV zwar noch nicht an der Tabellenspitze der Bundesliga, aber die starken Ergebnisse waren ein gutes Omen für den Weltpokal in Bozen (ITA) Anfang Oktober.

Dort lief es, wie eigentlich immer in den vergangenen Jahren. Zerbst startete in der Qualifikation verhalten, rangierte am Ende auf einem sicheren dritten Platz (3643) hinter den dominierenden Serben aus Belgrad (3756) und den Ungarn aus Szeged (3691) sowie vor Podbrezova (SVK, 3628).

Im Halbfinale fertigte der SKV „Lieblingsgegner“ Szeged in einem überragenden Spiel klar mit 6:2 Mannschaftspunkten und 3834:3692 Kegeln ab. Das lange Zeit umkämpfte Finale gegen Zavarkos Podbrezova sorgte nach 6:2 MP und 3661:3572 Kegeln für unbändigen Jubel bei den Rot-Weißen über den achten Weltpokalsieg insgesamt und den vierten Triumph in Folge. Beides historische Rekorde.

„Gerade in Bozen hat sich unser Teamspirit zum richtigen Zeitpunkt mal wieder gezeigt. Formschwächen einzelner Spieler kann das Team auffangen, auch der Einwechsler kann Top-Ergebnisse abrufen. So war der vierte Titel in Folge etwas ganz Besonderes“, schwärmt Teamchef Hoffmann noch heute über das Erlebnis Weltpokal in Südtirol.

Und diesen Spirit nahm der SKV mit in die Bundesliga. Nach dem überaus knappen Auswärtssieg beim direkten Konkurrenten im Meisterschaftskampf in Staffelstein, beim 5:3 gaben gerade einmal zwei mehr erspielte Kegel den Ausschlag, und dem deutlichen 8:0 daheim gegen Breitengüßbach übernahmen die Rot-Weißen nach dem fünften Spieltag erstmals die Tabellenführung. „Und hier überzeugte dann gerade Uros Stoklas, den wir in Bozen noch aufbauen mussten, weil er nicht so zurecht kam. Solche Formschwankungen kann eben unser Team ausgleichen“, meinte Hoffmann zur qualitativen Breite seines Kaders.

Die stellte insbesondere der in der Hinrunde überragende Axel Schondelmaier in Lorsch unter Beweis, der beim 5:3-Auswärtssieg im Spitzenspiel mit 700 Kegeln in die Ruhmeshalle der Kegler, die diese Marke knackten, aufstieg.

Als dann mit Schwabsberg (6,5:1,5) und Bamberg (7:1) auch noch die Dauer-Kontrahenten im Kampf um den Titel daheim deutlich bezwungen wurden, war der Weg zur verlustpunktfreien „Herbstmeisterschaft“ frei. Gerade gegen Bamberg zeigten die Rot-Weißen mit 3931 Kegeln, was auf der Zerbster Bahn ergebnistechnisch möglich ist. Als Schondelmaier (692) und Stoklas (693) den alten Einzel-Bahnrekord von Ivan Cech einstellten bzw. sogar um einen Kegel verbesserten, schien erstmals auch ein Ergebnis jenseits der 4000er Marke nicht mehr uner- reichbar.

Diese überragende Mannschaftsform stellte der SKV auch in der Champions League unter Beweis und fegte die Slowenen aus Kamnik daheim mit 8:0 (3933:3632) und auswärts mit 7:1 (3688:3521) von den Bahnen. Das fast perfekte Halbjahr wurde mit souveränen Auswärtserfolgen in Kipfenberg (6:2) und zum Rückrundenauftakt in Rudolstadt (7:1) abgeschlossen.

Die bisher einzige Saison-Niederlage musste der SKV im mittlerweile abgesetzten DKBC-Pokal hinnehmen. „Das war ärgerlich. Aber in Mücheln waren wir gegen die starken Gastgeber einfach chancenlos“, hakte Hoffmann diesen kleinen Makel in der Bilanz schnell ab.

Der Blick in das Jahr 2017 und die vorgegebenen Ziele sind klar und eindeutig. „Wir wollen die Meisterschaft so schnell wie möglich zu machen. Bei derzeit sechs bzw. acht Punkten Vorsprung auf die Verfolger sollte das gut funktionieren. Wir profitieren wohl am meisten von der gestiegenen Leistungsdichte in der Liga, denn unsere Gegner nehmen sich die Punkte auch gegenseitig weg und wir punkten weiter“, blickt der Kapitän optimistisch in Richtung zwölften Meistertitel.

International hat wieder das Erreichen des Finalturniers vorerst oberste Priorität: „Doch da kommt mit Repcelak aus Ungarn ein Gegner von anderem Kaliber, mit enorm hohem Niveau. Aber auch die haben gesehen, was wir können. Das Ziel bleibt eindeutig das Final Four. Wir wollen in Podbrezova mit um den Titel spielen.“

Mannschafts-WM im eigenen Land

Im Mai steht für fast die gesamte Zerbster Mannschaft dann auch noch ein weiteres internationales Highlight an, die Mannschafts-Weltmeisterschaft. „Natürlich ist auch die WM schon immer wieder ein Thema. Aber die Arbeit im Verein und in der Nationalmannschaft wollen wir schon weitgehend trennen. Sicher beeinflusst das eine das andere. So werde ich beim Nationalmannschafts-Trainingslager am Wochenende den Spielern vor allem körperlich alles abfordern“, sieht Hoffmann, der auch Trainer der deutschen Herren-Nationalmannschaft ist, durchaus Synergieeffekte.

Ein Zurücklehnen wird es für die SKV-Kegler also nicht geben. Denn schließlich wollen sie am Ende der Spielzeit auch sagen können: „Was für eine zweite Saisonhälfte, was für eine Saison.“