Loburg l Diese Gelegenheit nutzten etliche Kegler des SV Blau-Weiß Loburg. So auch Jonas Schön. Der Nachwuchskegler bestreitet sein letztes Jahr im U18-Bereich. Was er durch die Corona-Krise alles verpasst hat und wie er sich fühlt, darüber sprach Sportredakteurin Simone Zander mit dem 17-Jährigen.

Volksstimme: Wie geht es dir?

Jonas Schön: Mir geht es gut und ich bin froh, dass ich jetzt wieder kegeln darf.

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Wie lange kegelst du jetzt schon?

Seit ich zwölf Jahre alt bin kegle ich im Verein. Aber seitdem ich laufen kann, war ich schon immer mit auf der Kegelbahn und habe da auch gekegelt. Die Leidenschaft zum Kegeln habe ich von meinem Papa und auch meinem Onkel. So bin ich immer dazu gekommen, nach ihren Wettkämpfen oder nach ihrem Training ein paar Kugeln zu schieben. So hatte sich das dann immer weiter entwickelt.

Du hattest aber auch Fußball gespielt und warst da auch talentiert?

Ich hatte von der F- bis zur B-Jugend auch für den SV Blau-Weiß Loburg gespielt. Dann hat sich die Mannschaft aufgelöst, weil viele ihre Lehre aufgenommen haben. Dann habe auch ich aufgehört und mich nur noch auf das Kegeln konzentriert.

Mit Erfolg, wie zu sehen ist. Du warst auch ein Leistungsträger der ABI-Kreisauswahl. Welche dir wichtigsten Erfolge konntest du bisher verbuchen?

Mit der Kreisauswahl ABI habe ich vier Landesmeister-Titel geholt. Einmal hatte es nur für den Silberrang gereicht. Ich war dreimal Kreiseinzelmeister und 2019 Landeseinzelmeister. Da hatte ich mich für die Deutsche Meisterschaft in Ludwigshafen qualifiziert und habe es bis ins Finale geschafft. Am Ende war ich Elfter.

Du bist auch im Nationalkader der U18. Wie sieht es da aus?

Als ich in Sindelfingen 2018 beim Ländervergleich die 586 Kegel gespielt hatte, kam der Nationaltrainer Werner Buchs auf mich zu und war von meiner Leistung beeindruckt. Danach hatte er mich immer zu den Sichtungsturnieren eingeladen, wo ich mich gut verkaufen konnte. Und Werner Buchs teilte mir mit, dass ich zur Nationalmannschaft gehöre und zum erweiterten Nationalkader berufen werde, weil ich so gute Leistungen gebracht hatte.

Zur Zeit ruht ja alles. Wie ist da der Stand?

Weil bundesweit keiner trainieren darf, außer wir hier momentan in Loburg, steht alles still. Die geplanten Trainingslager können auch nicht stattfinden. Deshalb wurde vorerst auch kein Termin festgelegt, weil das nicht möglich ist.

Die Corona-Krise hat dir auch in vielen Wettkämpfen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was hast du verpasst?

Auf jeden Fall die Landesmeisterschaft und die Deutsche Meisterschaft. Auch der Ländervergleich 2020 in Kaiserslautern fiel aus. Des Weiteren habe ich die Saisonspiele verpasst. Und dann fallen auch die Kreiseinzelmeisterschaften, die im Januar immer waren, aus. Und damit qualifiziert man sich ja auch wieder für die Landesmeisterschaft und dort für die Deutsche Meisterschaft. Es ist alles ärgerlich, weil es mein letztes Jahr in der U18 ist. Nächstes Jahr habe ich das alles nicht mehr, kann nicht mehr mit der Kreisauswahl zur Landesmeisterschaft oder zur Deutschen Meisterschaft fahren. Ich hoffe nun nicht, dass die Weltmeisterschaft 2021 ausfällt.

Apropos Saisonspiele. Du spielst mit deinem Papa André und deinem Onkel Stefan in einer Mannschaft in der Landesliga. Du bist der jüngste Spieler. Wie ist das für dich?

Wir sind allgemein eine Familie hier. Mit meinem Vater und meinem Onkel zusammen zu spielen, ist etwas Schönes. Das gibt es nicht so oft, dass man in der Mannschaft gleich drei „Schöns“ bzw. drei aus einer Familie hat (lacht). Es ist ein ganz anderes Gefühl. Ich kann mich auf sie verlassen. Ich kann sie immer ansprechen. Sie können sich hinter mich setzen, was mich auch weiter bringt.

Gerade dein Onkel war ja mit seinen Leistungen der Überflieger der Saison?

Mein Onkel gibt mir auch oft gute Tipps und das fördert mich schon sehr und bringt mich auch weiter.

Wie bist du bisher mit deinen Saisonleistungen zufrieden?

Die letzten Spiele waren nicht so gut. Da hatte ich mit meinem Knie zu tun, was jetzt wieder okay ist.

Du durftest wieder trainieren, da die Stadt Möckern die Kegelbahn für Individualsportler freigegeben hatte. Du hattest aber zuvor schon einen Antrag gestellt?

Ich hatte einen Antrag bei der Stadt gestellt und dort auch noch einmal nachgefragt. Das hatte sich dann aber erledigt, weil die Sportstätte für alle Individualsportler freigegeben wurde. Endlich durfte ich wieder trainieren bzw. gab es mal wieder ein bisschen Abwechslung.

Der DKBC hat einen Drei-Stufenplan aufgestellt. Der Landesverband hat sich noch nicht festgelegt, will aktuell entscheiden. Was denkst du, wie es weitergehen wird?

Ich hoffe natürlich, dass wir zeitnah wieder alle trainieren können und auch die Punktspiele noch durchführbar sein werden. Die Deutschen Jugendmeisterschaften sollen trotzdem durchgeführt werden, da den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben werden soll, an diesem Highlight, für das wir uns auch qualifiziert hatten, teilzunehmen.

Könnte es beim Kegeln nicht auch ohne Zuschauer und mit der Einhaltung der geforderten Abstände gehen. Wie siehst du es?

Auf jeden Fall. Den Abstand auf der Bahn hält man sowieso ein. Klar muss man aufpassen, dass man die 1,50 m Abstand auch im Zuschauerbereich, wenn man sich begegnet, einhält. Aber das ist machbar. Auf der Bahn, wo der Wettkampf betrieben wird, ist der Abstand gewährleistet. Auch wird die Kugel nach jedem Durchgang desinfiziert. Man könnte die Mannschaften genau zuteilen und ich denke, eigentlich wäre es machbar. Sicherlich sind Reisen in andere Bundesländer nicht möglich, aber im Land könnte man es gut umsetzen.

Was machst du derzeit beruflich?

Ich mache eine Lehre zum Anlagenmechaniker bei Heidewasser und bin jetzt im zweiten Lehrjahr in der Betriebsstelle Haldensleben.

Wirst du perspektivisch hier in der Region bleiben?

Ich bin in Haldensleben angestellt, werde aber versuchen, mich nach Möckern versetzen zu lassen. Wenn das nicht klappt, werde ich versuchen, hier unter der Woche zu trainieren. Ich werde auf jeden Fall weiter hier spielen. Zur Zeit bin ich in der Werkstatt in Magdeburg. Dort werden uns die Grundlagen beigebracht.

War es dein Wunschberuf?

Ich wollte unbedingt etwas Handwerkliches machen. Ich konnte dort ein Praktikum absolvieren. Da mir das Umfeld gefallen hat, habe ich mich beworben und wurde auch gleich angenommen. Es macht mir viel Spaß.

Du hast in Zerbst mit dem SKV Rot Weiß die Mannschaft der Superlative in der Region. Wäre es ein Ziel für dich, dort einmal zu spielen?

Ich würde nicht gleich ganz oben spielen wollen, weil ich erst einmal Erfahrungen sammeln möchte. Irgendwann würde ich gern in der 2. Bundesliga spielen. Sollten wir das mit Loburg in den nächsten drei, vier Jahren nicht schaffen, wird bestimmt mein Weg woanders hingehen. Ich habe auch guten Kontakt mit Thüringer Sportlern, die auch in der 2. Bundesliga spielen. Da könnte ich mir auch vorstellen mitzuspielen.

Käme die Anfrage von Zerbst, würdest du sicher nicht gleich nein sagen, oder?

Ich würde erst einmal nicht nein sagen, aber ich würde richtig überlegen, ob ich es mache. Ich möchte erst noch Erfahrungen sammeln und dann kann ich mich immer noch entscheiden.

Thomas Schneider, der viele Jahre für den SKV spielte, war immer dein Vorbild. Ist er es noch?

Als Thomas Schneider noch in Zerbst gespielt hatte, war ich öfter zum Zuschauen dort. Er ist immer noch mein Vorbild. Ich habe aber in Zerbst auch schon öfter mit Robert Heydrich zusammen trainiert. Auch von ihm habe ich viel gelernt.

Hast du noch einen persönlichen Wunsch?

Ich wünsche mir, dass die Deutschen Meisterschaften und noch mehr, dass die Weltmeisterschaften im Mai 2021 stattfinden. Denn die WM wäre für mich noch einmal ein echtes Highlight, für Deutschland spielen zu dürfen. Wenn ich zu den besten fünf U18-Spielern von ganz Deutschland gehöre und für mein Land spielen darf, das wäre eine Ehre. Ich hoffe, dass die Regelungen das zulassen können und ich mitspielen darf.