Zerbst l Grund ist die Corona-Pandemie. Für die Zerbster Spitzenkegler vom SKV Rot Weiß besteht noch die Hoffnung, dass das Finalturnier der Champions League über Pfingsten ausgespielt werden kann. Wie Christian Wilke mit der Krise umgeht und wie er sich motiviert, verriet er im Gespräch mit Sportredakteurin Simone Zander.

Volksstimme: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Christian Wilke: Danke, uns geht es gut. Zur Zeit ist es aufgrund von Umstrukturierungen in der Firma ziemlich stressig. Familiär müssen wir auch zusehen, dass wir die nächsten Monate gut herumbekommen, weil wir Zuwachs erwarten. Rechnerisch im Juni, aber realistisch schon Mitte Mai, erwarten wir Zwillinge.

Herzlichen Glückwunsch! Kegeln ist ja schon seit letztem Jahr nicht mehr möglich. Wie halten Sie sich fit?

Aktuell nehme ich immer an den Angeboten vom DKBC teil. Da werden ja bei Facebook für uns Nationalspieler und mittlerweile auch für die Allgemeinheit Fitnessprogramme oder allgemeine Übungen angeboten. Das ist auf jeden Fall eine schöne Abwechslung, vor allem weil ich auch die Kollegen aus der Nationalmannschaft mal wieder sehe. Auch ein Arbeitskollege, der niederklassiger spielt, ist dort immer sehr gern dabei. Es ist auch gegenüber der Arbeit eine gute Abwechslung.

Sehen Sie da auch Ihre Teamkollegen?

Es sind viele aktiv dabei. Wir stehen auch so im Kontakt, meist über WhatsApp.

Sie sind sicher sonst mit Ihrer Arbeit und Ihrer Familie sehr eingebunden?

Ich gehe ab und zu ein bisschen laufen. Aber viel mehr war bei der aktuellen Wetterlage bislang nicht möglich. Radfahren ist schwierig, die Schwimmbäder und andere Freizeiteinrichtungen sind geschlossen. Das heißt, entweder ich gehe mit dem Nachwuchs vor die Tür oder nutze die Zeit für einen kleinen Lauf oder eben daheim für kleine Übungen.

War es für Sie absehbar, dass die Saison abgebrochen wird?

Als Sportler hofft man natürlich, dass der Spielbetrieb möglichst lange aufrecht gehalten bzw. dass die Saison möglichst zu Ende gespielt wird. Es ist schon für einen Spieler mental eine Herausforderung. Wenn man sich zum einen auf den Weltpokal vorbereitet und der abgesagt wird. Zum anderen, wenn man in der Liga weiter spielen möchte, weil man in einer richtig guten Verfassung ist, sowohl von den einzelnen Persönlichkeiten als auch mit der Mannschaft. Gerade wenn ich sehe, dass wir im letzten Ligaspiel auch noch Bahnrekord zu Hause gespielt hatten. Für eine Mannschaft, die richtig gut eingespielt war, bis zum vollständigen Stillstand, ist das schon mental sehr schwierig.

Wie motivieren Sie sich dennoch?

Ich kann mich durchaus motivieren. Ich möchte nun aber langsam wieder auf die Kegelbahn. Ich mache zwar jetzt viel für die Fitness, gehe ab und zu laufen und schaue, dass ich mich fit halte, aber der eigentliche Bezug zu meinem Sport fehlt aktuell. Es ist wie bei Kindern: Man freut sich doch, wenn es dann irgendwann wieder richtig los geht.

Wenn die Champions League zu Pfingsten gespielt werden darf, was denken Sie, wie viel Vorlaufzeit notwendig ist?

Da ist dann einiges an Arbeit nötig. Wenn ich sehe, dass andere Länder teilweise Ligabetrieb haben oder wenigstens Trainingsbetrieb, ist das schon etwas, was wir aufholen dürfen und müssen, bevor es losgeht. Aber ich denke, dass wir relativ schnell wieder in Tritt kommen. Und ich denke auch, dass wir dann die eine oder andere Einheit zusammen machen werden, so dass auch die Trainer mal drüberschauen. Ich hoffe, dass wir relativ schnell wieder in der Spur sind. Eine gezielte Vorbereitung von ein bis zwei Monaten wäre schon nicht schlecht. So könnten wir uns gezielt vorbereiten.

Die Champions League ist ja nicht irgendein Wettbewerb. Sie sind sicher froh, wenn das Finalturnier in Bamberg wirklich stattfindet?

Je früher wir mit dem Training wieder anfangen können, desto besser wäre es auch. Wenn man sich auf eine Saison vorbereitet, wäre die Champions League ein echter kleiner Lichtblick, dass überhaupt etwas stattfindet. Wenn ich es ganz nüchtern betrachte, sieht es so aus: die Saison abgesagt, der Weltpokal abgesagt, die Weltmeisterschaften sind auch erstmal vom Tisch. Die Einzel-WM im November fand nicht statt und die Mannschafts-WM wurde auch erstmal verschoben. Wir werden sehen, wie es weitergeht. Für einen Sportler ist es auch auf jeden Fall eine Herausforderung, wenn dann nichts kommt. Und so hoffe ich, dass das Finalturnier stattfinden kann.

Wäre es dann auch nebensächlich, dass Zuschauer sicher zum Finalturnier der Champions League nicht zugelassen werden?

Das Wichtigste wäre, dass wir den Wettbewerb überhaupt spielen können. Sicher wären eine WM oder überhaupt Wettbewerbe mit Zuschauern von der Atmosphäre her ansprechender. Es ist ja am Ende wie in der Liga. In der Liga durften wir nur mit wenigen Zuschauern und ohne Anfeuern spielen. Für einen Spieler selbst ist das eine ganz andere Atmosphäre. Aber es ist immer noch besser als gar nichts.

Aber doch auch nichts zum angewöhnen, oder?

Definitiv nicht.

Der Lockdown wurde nochmals verlängert. Wie sehen Sie die Situation?

In Bayern ist ja die Situation schlimmer als im Rest von Deutschland. Unser Ministerpräsident ist ja auch mehr oder weniger Vorreiter der schärferen Sanktionen. Im Endeffekt können wir nur abwarten, was passiert. Ich hoffe, dass wir im März wieder mit dem Training anfangen können, so dass wir langsam wieder in den Tritt kommen und uns in Form bringen können.