Zerbst l Gerald Cramer gehört in eine Gilde von Zerbster Spielern, die höherklassig gespielt haben und sogar in Auswahlmannschaften zum Einsatz kamen. Fast hätte es mit der Fußballerkarriere nicht geklappt. Als Bewegungstalent wurde er als Turner gesichtet und wurde ins Trainingszen-trum delegiert. Doch seine Interesse für den Fußball setzte sich durch.

Wechsel zum FCM

Als Schüler wechselte der talentierte Nachwuchskicker 1974 zum 1. FC Magdeburg. Dort ging er in den Jahren bis zum Männerbereich durch die nicht immer einfach zu meisternde Kaderschmiede eines Fußballclubs. Mehrere Trainingseinheiten am Tag, die Schule und die Spiele mit den Altersklassen-Mannschaften bestimmten den meist vollgepackten Alltag.

Der talentierte Zerbster biss sich durch, stand schnell in den Notizblöcken der Auswahltrainer. In der Juniorenmannschaft des FCM bot er als Verteidiger solche herausragenden Leistungen, dass er in die Junioren-Nationalmannschaft berufen wurde.

Bilder

Für Statistiker: Cramer bestritt 17 U18 - und elf U21-Auswahlspiele für die DDR. Nach Aussage seines ehemaligen Zerbster Mitspielers Holger Rommel bestritt Cramer auch zwei Spiele für die DDR-Nationalmannschaft. Das kann sicherlich der nun 60-Jährige selber aufklären.

Über die Nachwuchsmannschaft des 1. FCM kam der nur 1,70 Meter große Abwehrspieler in den Oberligakader und absolvierte von 1980 bis 1984 insgesamt 61 Erstliga-Einsätze. Dazu kamen internationale Einsätze im Europapokal, vergleichbar mit der heutigen Champions League und Europa-League.

Aufgeboten als Verteidiger spielte er mit solchen Größen wie Achim Streich, Wolfgang Steinbach, Dirk Heyne, Martin Hoffmann, Jürgen Pommerenke oder Dirk Stahmann zusammen. In dieser Zeit waren sicherlich die Europapokalspiele in der Saison 1983/84 gegen den mit Weltstars bestückten FC Barcelona absolute Höhepunkte seiner Karriere.

Originaltrikot des Argentiniers

Der Deutsche Bernd Schuster und der Argentinier Diego Maradona entzauberten im Hinspiel den 1. FCM mit 5:1 (Rückspiel 2:0 für Barcelona). Gegenspieler von Cramer war dabei der damals Beste unter den Besten: Diego Maradona. Cramer erlebte einen Albtraum mit nachhaltigem Happening. Er bekam in den Katakomben des Grube-Stadions das Originaltrikot des Argentiniers überreicht. Daran wurde Cramer vor Kurzem nach dem plötzlichen Tod Maradonas wieder erinnert.

Eine schwere Verletzung beendete die Magdeburger Zeit, ließ ihn in seiner Geburtsstadt wieder die Zelte aufschlagen. Er fand zurück zur BSG Einheit/Empor und schloss sich der ersten Männermannschaft an. „Ich hatte damals die Männer trainiert. Wir schickten uns an, in die Bezirksliga aufzusteigen. Da stieß Gerald (Gerald Cramer – d. Red.) hinzu. Er war natürlich für unsere Verhältnisse überragend. Wir hatten zweimal die Woche trainiert, er beim FCM zweimal am Tag“, erinnert sich Dittmar Gensch noch genau an die ersten gemeinsamen Trainingsein- heiten.

Cramer prägte nicht nur das Zerbster Spiel, er brachte sich auch als Spielertrainer Anfang der 1990er Jahre ein. Als kurzzeitig Achim Lucas noch einmal 1994 das Traineramt übernahm, hatte er „mit Cramer eine wichtige Stütze und absolute Autorität im Spiel“ (Lucas). „Er hatte viel Spielverständnis. Als letzter Mann war er von hinten Taktgeber. Ich konnte ihn überall da einsetzen, wo seine Qualitäten gebraucht wurden“, erinnert sich TSV-Urgestein Lucas.

Letzte Zerbster Saison

Unter Achim Schaffer ging er dann 1998 in seine letzte Zerbster Saison, damals mit Holger Rommel als älteste Spieler der ersten Männermannschaft. Nicht bei den Zerbster Alten Herren, sondern in Dessau ließ er dann seine beeindruckende fußballerische Karriere ausklingen.

Seinem Zerbster Heimatverein hielt Cramer weiter die Treue, ist seit der Neugründung im Vorstand aktiv und seit 2000 ein umsichtig handelnder Schatzmeister. „Ich bin in diesem Verein groß geworden, jetzt möchte ich dem Verein wieder etwas zurückgeben“, so die persönliche Auffassung des TSV-Präsidiumsmitglieds zu seinem Engagement bei den Zerbster Rot-Weißen. Von denen kam eine kleine Delegation zum Gratulieren und wünschte ihrem Jubilar alles Gute und vor allem viel Gesundheit.

Sicherlich haben sich viele Fußballinteressierte und Bekannte ebenfalls bei ihm gemeldet und gratuliert, was hiermit nachträglich ebenfalls geschehen soll.