Volksstimme: Die Saison 2018/19 ist beendet. Welches positive oder auch negative Fazit können sie ziehen?

Mario Pinkert: Positiv ist, wir haben die Saison ohne größere Probleme beendet. Es gab einige kleine sportliche Sachen, die wir klären mussten. Ansonsten wurde die Saison mit Jeber-Bergfrieden-Serno und Waldersee als Kreisoberliga- und Kreisliga-Meister gut überstanden. Es waren auch die beiden besten Mannschaften, die an der Spitze standen. Da Jeber-Bergfrieden-Serno eine Spielgemeinschaft ist, darf sie nicht aufsteigen. Da muss sich das Land meiner Meinung nach mal öffnen, wobei man den Zeitpunkt jetzt nicht benennen kann.

Dafür nimmt TuS Kochstedt den Aufstieg wahr?

TuS Kochstedt hat in den letzten zwei, drei Jahren eine sehr gute Nachwuchsarbeit gemacht. Sie haben so nicht unverdient einen Vorteil gezogen. Ich war beim letzten Spiel Jeber-Bergfrieden gegen TuS Kochstedt dabei. Es war ein schönes umkämpftes Spiel und am Ende hatte Kochstedt das bessere Ende. Ich wünsche Kochstedt, dass sie in der Landesklasse bleiben.

Der demografische Wandel ist im KFV Anhalt spürbar. Wie sehen Sie das?

Der demografische Wandel geht auch an uns nicht vorbei. Das war in der vergangenen Serie so und wird sicher auch in der kommenden Spielzeit so sein. Es werden sich Mannschaften verabschieden und es werden neue Kooperationen geschlossen.

Es steht bereits fest, dass Grün-Weiß Dessau und Rodleben zusammen gehen. Was halten Sie davon?

Wenn es diese Gespräche nicht Seitens Grün-Weiß Dessau gegeben hätte, hätte es für Rodleben ziemlich dünn ausgesehen. Das muss ich deutlich sagen. Beide haben zusammen gefunden. Grün-Weiß Dessau hieß früher Chemie Dessau. So passt es mit Chemie Rodleben gut vom Namen her zusammen und die Fußballspielgemeinschaft wird Grün-Weiß/Chemie heißen.

Welche weiteren Spielgemeinschaften bestehen in der kommenden Spielzeit?

Die SG Abus/Mildensee wird Bestand haben sowie die SG Jeber-Bergfrieden-Serno und die FSG ESV Lok/Blau Weiß Dessau. Bei der ESV Bergwitz/Midya II wurde die Lizenz nicht verlängert. Es gründete sich bereits im Frühjahr ein neuer alter Verein, die BSG Medizin Alten. Das ist ein alter Traditionsverein, der wiederbelebt wurde und eine Abteilung Fußball aufgemacht hat. Ein großer Teil der Spieler von Bergwitz II, die in Dessau wohnen, wechseln zu Medizin Alten. Die Spielgemeinschaft wird dann BSG Medizin Midya heißen und in der Kreisliga spielen. Es wird außerdem eine neue Spielgemeinschaft unter dem Namen Vorfläming geben. Hierbei hat sich das ländliche Gebiet zusammen gerauft. In der Kreisliga werden die Vereine Garitz, Dobritz, Nedlitz und Leps als FSG Vorfläming gemeinsam spielen. In der Kreisoberliga wird nur Fortschritt Garitz spielen.

Wie wird die Staffeleinteilung der neuen Saison aussehen?

Die Kreisoberliga wird mit 13 Mannschaften spielen. Wörlitz kommt runter, was bedauerlich ist und mit Waldersee und Germania Roßlau II werden wir wieder die 13 Teams vollmachen. Mit Bergwitz/Midya II ist eine Mannschaft aus der Kreisliga weg und somit hatte Roßlau II die Möglichkeit aufzusteigen. Da Mosigkau II es vorzieht, in der Kreisliga zu spielen, hatte ich Walternienburg/Güterglück angeboten, in die Kreisoberliga aufzusteigen. Dies wurde aber abgelehnt, so dass es bei 13 Mannschaften bleibt.

Wird die Kreisliga erneut zweigleisig gespielt?

Nein, die zweigleisige Kreisliga wurde aus der Not he- raus geboren. Da wir zu viele Mannschaften hatten, waren wir dazu gezwungen. Aus der Erfahrung vom November hätten wir es lieber eingleisig gelassen, da sich einige Teams zurückgezogen hatten. Rechtlich war es nicht möglich, so mussten wir das Modell so durchziehen. Mit der Meister- und Pokalrunde war nachher nochmal ein sportlicher Effekt da, denn jeder musste bei Null anfangen und alles war offen, auch wenn sich schon zwei, drei Mannschaften he- rauskristallisiert hatten. In der neuen Serie wird die Kreisliga wieder eingleisig sein. Schriftlich liegt auch vor, dass Coswig eine zweite Mannschaft für die Kreisliga gemeldet hat. So wird es in der Kreisliga mit Medizin Midya und Coswig II zwei neue Mannschaften geben. Insgesamt werden 14 Mannschaften dort spielen.

Wie sieht es im Nachwuchsbereich aus?

Wir haben in der Kreisunionsliga die Kooperation in der A-, B- und C-Jugend mit Bitterfeld, Köthen sowie Dessau und Wittenberg. Es ist angestrebt, zukünftig im weiteren Nachwuchsbereich mit anderen Kreisverbänden noch enger zusammen zu arbeiten, so dass wir über den Tellerrand hinaus gucken werden.

Das Thema Schiedsrichter ist aktueller denn je. Wie versucht der KFV, dem Schwund entgegen zu wirken?

Wir haben jetzt diese Junior-Schiedsrichter-Ausbildung, wofür Wörlitz zwei und Zerbst einen Teilnehmer gemeldet haben. Das ist ein kompakter Lehrgang an der Sportschule in Osterburg. Die Inhalte wurden vom FSA in Zusammenarbeit mit dem Kreisen entwickelt. Der Lehrgang ist ausgebucht und es ist ein schöner Ansatz. Der Lehrgang findet einmal jährlich statt. Im Oktober wird ein neuer Schiedsrichter-Lehrgang im Kreis angeboten. Da können sich die Vereine ab sofort anmelden. Wir brauchen Schiedsrichter, das ist so.

Wie viele Schiedsrichter hat der KFV?

Zur Zeit haben wir 60 Schiedsrichter. Die Altersstruktur ist wie überall. Wir brauchen mehr junge Referees. Und wir brauchen einen fairen Umgang mit ihnen. Wenn man sieht, wie respektlos einige behandelt werden, ist es kein Wunder, dass man kein Schiedsrichter werden möchte. Wir brauchen mehr Toleranz, mehr Respekt und mehr Miteinander.

Welche Wege gehen Sie außerdem?

In Dessau hat das Gymnasium ein Fairplay-Turnier ausgerichtet, wo die Schüler selber pfeifen mussten. Da hatten wir unseren Lehrbeauftragten Albert Lehmann vor Ort, der mit den Schülern Gespräche geführt hatte. Wir müssen neue Wege gehen und so viele wie möglich. Von den 45 Vereinen im KFV Anhalt haben nur zwei oder drei ein Banner hängen: „Werde Schiedsrichter“. Wenn ich außerhalb unterwegs bin, sieht man das Banner viel öfter. Wir haben das Banner entwickelt und würden unser Logo zur Verfügung stellen. Wir haben auch Flyer entwickelt, die wir den Vereinen überreichen würden. Wenn sich Interessierte melden, würden wir denjenigen schon an die Vereine der Region vermitteln, aus denen der Interessent kommt. Es macht ja keinen Sinn, einen Schiedsrichter aus Zerbst bei Blau-Weiß Dessau anzumelden. Da müssen wir miteinander kommunizieren.

Was wünschen Sie sich für die neue Serie?

Dass das Ehrenamt höher gewürdigt wird. Ich wünsche mir mehr Toleranz, mehr Res- pekt und mehr Miteinander statt Gegeneinander. Ich hoffe auch, dass allen ehrenamtlichen Mitstreitern mehr Anerkennung und Fairness entgegengebracht werden. Ihre Arbeit kann man nicht hoch genug einschätzen. Daran sollten einige denken und dem Ehrenamt mehr Achtung zukommen lassen.