Zerbst l Die jährliche Bestandserhebung der Vereine war fällig. Auswertungen standen an. Die Corona-Krise hat natürlich ihre Spuren hinterlassen, wie Sportredakteurin Simone Zander im Gespräch mit dem Geschäftsführer des KSB, Uwe Tonat, erfuhr.

Volksstimme: Wie geht es Ihnen und Ihrem Team?

Uwe Tonat: Uns geht es gut. Wir sind seit Montag aber wieder ins Homeoffice übergegangen. Das heißt, wir teilen uns ein, so dass immer einer im Büro und telefonisch vor Ort ist.

Wie läuft derzeit die Zusammenarbeit mit den Vereinen?

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Die jährliche Bestandserhebung der Vereine ist abgeschlossen. Wir haben den besten Stand, den wir je hatten, erreicht. Nur ein Verein hat es versäumt, da er zu spät ins IVY (Datenverwaltungsprogramm des LSB – d. Red.) gehen wollte und der LSB die Erhebung schon abgeschlossen hatte. Sonst hätten wir eine 100-prozentige Trefferquote gehabt, worauf wir auch ein bisschen stolz sind.

Was liegt sonst derzeit an?

Zur Zeit ist es etwas ruhiger. Es liegen die klassischen Dinge, wie Freistellungsbescheide oder Ähnliches an, wobei wir die Vereine ansprechen. Aber die derzeitigen Aktivitäten, wie E-Mail-Anfragen oder postalische Anfragen, die sind etwas eingeschlafen.

Was sicher im Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie seine Ursachen hat?

Dies hatten wir beim ersten Lockdown auch so erfahren. Auch da waren wir im Homeoffice und da schaut man täglich ein- bis zweimal in den Computer und denkt, es muss doch irgendetwas kommen. Aber Stillstand ist eben Stillstand.

Apropos Bestandserhebung. Die Prophezeiung heißt ja, dass ein Vereinssterben im Raume steht. Lässt sich dazu ein Fazit ziehen?

Wir haben nur zwei Vereins-auflösungen. Beide Vereine hatten schon vorher zu geringe Mitgliederzahlen, weil viele Mitglieder weggestorben sind. Und ein Verein ist fusioniert. Somit haben wir wenig Verluste. Wir haben aber Vereine, die im Rehabereich tätig sind. Sie haben die stärksten Einbußen. Da spiegelt sich wider, dass die Leute weniger zum Arzt gehen und demzufolge sich viel weniger Rezepte ausstellen lassen.

Wie sehen die Mitgliederzahlen aktuell aus?

Wir hatten vorher 22.258 Mitglieder und jetzt sind wir bei 21.449. Diese zirka vier Prozent Mitgliederverluste sind nicht schön, aber unsere Befürchtungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und den daraus folgenden Einschränkungen für den organisierten Sport sind nicht eingetroffen. Unsere großen Vereine, wie die HG 85 Köthen, der SV Zörbig oder auch die SG Union Sandersdorf, haben eigentlich relativ wenig Verluste gemacht.

Welche Ursachen gab es für die Verluste?

Wir haben festgestellt, dass die Älteren in den Vereinen ihrem Verein die Treue halten. Akut zurückgegangen sind aber die Kinderzahlen. Wir haben ausgezählt, dass es zirka 800 Kinder weniger sind.

Woran könnte das liegen?

Es ist die Generation E-Mail, was nicht abwertend sein soll. Ruckzuck wird das Kind abgemeldet und damit wurde der Verein per E-Mail informiert und dann ist das so. Die Älteren, die den persönlichen Umgang haben, die bleiben anscheinend. Das ist ihr Verein und dem gehören sie schon länger an und somit ist die Verbundenheit sicher stärker. Für viele ist der Verein die soziale Insel. Es wird ja nicht nur Sport gemacht. Es werden auch private Dinge besprochen und das fehlt den Älteren. Somit ist die soziale Bindung an den Verein viel stärker.

Die soziale Nähe ist nicht möglich. Sehen Sie da auch ein Problem, dass sich das in der Zukunft nach Corona alles verändern wird?

Da tue ich mich schwer, eine klare Aussage zu treffen. Wir hoffen immer, dass wir auch die Kinder wieder in die Vereine kriegen. Ich habe aus eigener Erfahrung beim Goitzsche Ruderclub festgestellt, dass die Kinder, die nur zweimal gekommen sind und darüber noch mit ihren Eltern diskutiert haben, jetzt weggefallen sind. Aber die Kinder, die selbst diesen Sport lieben, kommen wieder. Da mache ich mir relativ wenig Sorgen. Denn diese Kinder kann man leicht wieder ansprechen und sagen, dass es wieder los geht. Wo wir in allen Sportarten große Sorgen haben, sind Kinder, die aus sozial schwachen Familien kommen. Solche Kinder kommen zum Training, weil es ihnen Spaß macht, haben aber nicht so den Rückhalt der Eltern. Die soziale Struktur in den Familien ist ganz wichtig und eine Grundlage, ob die Kinder wiederkommen oder nicht.

Zwischenzeitlich war das Kinder- und Jugendtraining eingeschränkt, im Modus 4+1, möglich. Gab es da Nachfragen seitens der Vereine?

Viele Vereine hatten da schon Erfahrungen aus dem ersten Lockdown. Sie wussten, wohin sie sich wenden müssen. Wir hatten in dieser Hinsicht auch nur eine beratende Tätigkeit, da wir nicht weisungsberechtigt sind. Bei Nachfragen, haben wir die Vereine beraten, an wen sie sich wenden können. Da trat dann wieder eine gewisse Routine ein und die Vereine haben sich gleich an ihren Ansprechpartner gewandt, da sie schon wussten, wie es läuft.

Erwarten Sie, sollte es wieder losgehen, einen gewissen Aufschwung in den Vereinen, gerade im Nachwuchsbereich?

Ich gehe davon aus, dass im Sommer, wie auch schon im vergangenen Sommer, das Reisen in der Intensität nicht stattfinden wird. Das ist eine Chance für die Vereine, dass sich die Kinder und Eltern vor Ort umschauen, wo sie hinkönnen, wo sie Bewegung, Erlebnisse und auch Erfolge haben. Das ist meine Hoffnung, dass die Vereine wieder Zuwachs bekommen.

Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter: Nach dem Motto „Bleibt alles so oder bleibt alles anders“?

Es ist ganz schwer, das zu sagen. Da müsste ich ja fast eine Glaskugel haben. Mein Bauchgefühl ist irgendwo dazwischen. Vieles ist ganz anders, denn Vieles findet viel mehr online statt, auch die Kommunikation der Vereinsführung mit ihren Mitgliedern. Ich denke, es ist für viele auch eine Chance, denn online ist die Zukunft.

Sie als Kreissportbund mussten ja auch online kommunizieren. Wie ist Ihre Erfahrung?

Stefan Kutschbach konnte die Übungsleiterausbildung der Mitglieder klassisch anfangen, indem sich die Teilnehmer gegenüber saßen und auch sehen, wie der andere reagiert. Diese Ausbildung musste dann online zu Ende geführt werden. Wenn man den Vergleich hat, ist das Persönliche immer besser. Das ist auch beim Sport so. Den Kindern gegenüberstehen oder ihnen nur ein Übungsprogramm schicken. Das sind schon Unterschiede. Und der Arbeitsaufwand, gerade für Stefan Kutschbach bei der Online-Schulung, ist viel größer als wenn er den Teilnehmern gegenüber sitzt.

Was wünschen Sie sich persönlich?

Dass die Leute geduldig sind. Denn ich denke, dass wir alle unsere Chance auf ein normales Leben wieder bekommen werden. Ich bin froh, dass ich so jemanden wie Stefan Kutschbach an meiner Seite habe, mit dem ich Vieles besprechen kann. Leider geht er zum Jahresende in Rente und somit suchen wir zum 1. September einen neuen stellvertretenden Geschäftsführer. Die Stellenausschreibung steht auf unserer Homepage.