Zerbst l  Für die in der Landesoberliga und der Landesliga spielenden Lindauer und für die in der Landesklasse Nord-West spielenden Frauen des TSV Rot-Weiß Zerbst heißt das, der Spielbetrieb in dieser Saison ist für sie beendet. Weiter geht es, wenn es die Bedingungen zulassen, im kommenden Herbst. Dann starten alle in eine völlig neue Saison. Die Spiele um den BFS-Cup wurden ebenfalls abgesagt, genauso wie die Punktspielrunden auf Stadt- bzw. Kreisebene. Die angekündigten Ausnahmen im Senioren- und Jugendbereich betreffen Spiele um weiterführende Meisterschaften.

Hoffnung bleibt

Etwas Hoffnung auf wenigstens einen kleinen Wettspielbetrieb können sich die vielen Freizeitvolleyballerinnen und Volleyballer machen. Der VVSA weckt für diesen Bereich durchaus Hoffnungen. So könnten, wenn es möglich ist, auf Stadt-und Kreisebene in Absprache mit dem jeweiligen KFA/SFA einzelne Turnierrunden gespielt werden. Etwas Zuversicht für die Sechser der Zerbster Hobby-Mix-Liga.

Staffelleiter Uwe Krüger ist diesbezüglich abwartend. „Über einen Ligabetrieb mache ich mir derzeit keine Gedanken. Ich wäre nur froh, wenn wir das Training wieder aufnehmen können. Und wenn ja, wer kommt noch? Warten wir mal ab“, so der Zerbs- ter, der in den vergangenen Jahren gemeinsam mit TSV-Volleyballerin Heike Osterwald den Spielbetrieb dieser Liga mit Mannschaften aus der Zerbster und Dessauer Region organisiert hatte.

Freude auf die Saison

Die Liga sollte Anfang 2021 nach der Absage im Herbst gestartet werden. Die bei den Zerbster „Monsterblockern“ und dem TSV-Frauensechser aktive gebürtige Zerbsterin Sandra Handrich hatte sich „schon sehr auf die Saison gefreut“. „Auf Grund der aktuellen Situation ist es wohl leider nicht anders möglich. Das finde ich mehr als schade. Ich hoffe, dass wir bald wieder spielen können“, so die in den letzten beiden Jahren durch eine Knie-OP zurückgeworfene ehemalige Top-Spielerin. Im letzten Jahr gehörte die Tochter von TSV-Urgestein Dieter Handrich bei den Trainingsspielen der TSV-„Monsterblocker“ zu den auffälligsten Spielerinnen. Auch im Zerbster TSV-Frauensechser hatte die 30-Jährige wieder Fuß gefasst.

Desaströse Lage

Völlig desaströs wirkte sich der Lockdown auf die Entwicklung des vor anderthalb Jahren neu gebildeten männlichen Jugendsechsers des TSV Rot-Weiß Zerbst aus. Die mittlerweile 17- bis 18-jährigen Nachwuchstalente hatten sich unter dem Dach des Zerbster Vereins gut entwickelt und hatten Spaß am Volleyball. Zwar mussten sie in der letzten Hobby-Mix-Saison noch reichlich Lehrgeld zahlen, doch bei den meisten konnte man von Monat zu Monat eine positive Entwicklung feststellen. Dann der erste Lockdown im Frühjahr des letzten Jahres und einige Jugendliche verließen die Mannschaft. Der Kern der talentiertesten Spieler blieb aber zusammen.

Erneute Stoppzeichen

Ende Sommer waren es dann immer noch acht bis zehn Jugendspieler, die zum Training erschienen. Für beide Trainer, Wolfgang Mamsch und Hans-Jürgen Schilling, der Hauptgrund weiter zu machen. Sogar eine enge Zusammenarbeit mit den PSV-Boxern kam zustande. Doch dann das erneute Stoppzeichen durch den aktuellen Lockdown. Wie es in ein paar Wochen aussieht, weiß keiner.

Die meisten Jugendlichen wollen aber weiter machen, möglichst bald wieder in der Halle trainieren. Stellvertretend äußerte sich der 17-jährige Stefan Grosuleac: „Na ja, es ist natürlich schade mit dem Abbruch. Es hatten alle wieder Lust zum Spielen. Aber man kann nichts dafür. Ich hoffe nur, dass wir bald wieder anfangen können.“ Der in Bias wohnende und aus Rumänien stammende Volleyballer braucht den sportlichen Ausgleich. Er besucht eine weiterführende Schule und möchte „später vielleicht Psychologie“ studieren.

TSV-Jugendtrainer Wolfgang Mamsch sieht einem Restart skeptisch entgegen. „Es ist alles noch so weit weg. Man muss ja sehen, was in den kommenden Wochen passiert. Zwar haben wir von den Jugendlichen immer noch eine positive Resonanz, doch das ganze Hin und Her der letzten Monate hat doch stark verunsichert. Ob und wann wenigstens wieder trainiert werden kann, weiß doch keiner. Ob die Mannschaften der Hobby-Liga wieder zusammenfinden, steht auch in den Sternen. Es sind doch fast alles ältere Semester, bei denen sich eine Auszeit über Monate mental und fitnessmäßig sehr negativ auswirken kann. Ob alle wieder in die Gänge kommen, abwarten“, so der engagierte Übungsleiter.

Ähnlich äußerte sich der Kapitän der TSV-Monsterblocker Daniel Seifert: „Ich denke, da müssen wir einfach abwarten. Vermutlich wird es vor Mai keine Besserung geben und bis dahin lohnt jedwede Planung nichts.“ Der Inhaber einer eigenen LVM-Versicherungsagentur traf mit einer weiteren Aussage den Wunsch fast aller Volleyballerinnen und Volleyballer. „Hoffen wir mal, dass alle gesund bleiben und wir uns irgendwann wieder beim Volleyball zusammenfinden dürfen“, so der Jungvater, der mächtig stolz auf seinen kleinen Hugo ist.

Mit Entscheidung gerechnet

Bei den Lindauer Volleyballern hatte man mit solch einer Entscheidung gerechnet. Aus der Erfahrung der letzten Saison und der aktuellen Corona-Situation „musste man mit einem Abbruch rechnen“ (Lindauer). Der Hauptangreifer der Landesoberliga-Mannschaft und für die Öffentlichkeitsarbeit seines Sechsers zuständige Florian Lindauer meint zur nun beendeten Saison: „Das Beste, was man machen konnte. Wir waren alle zu lange ohne Training und ohne Spiele. Keiner weiß, wann die Hallen wieder geöffnet werden. Wir können dann im nächsten Jahr angreifen, haben jetzt mehr Erfahrung. Ich finde es richtig, dass es keine Absteiger und Aufsteiger gibt.“

Das ist auch die Meinung von Maurice Erb: „Grundsätzlich ist der Abbruch der Saison völlig richtig. In der aktuellen Lage steht die Gesundheit an erster Stelle. Gerade unsere Spieler mit kleinen Kindern sollten kein unnötiges Risiko eingehen. Außerdem müssen alle Menschen mit gewissen Einschränkungen leben. Da wäre es auch nicht erklärbar, wenn wir weiter spielen würden.“

Der erfahrene Volleyballer ist sich aber sicher, dass man in den weiteren Spiele wichtige Erfahrungen hätte sammeln können. „Auch wenn wir noch kein Spiel gewonnen hatten, waren wir oft nah dran an einem Sieg. Allein bei den Fünf-Satzspielen, so der Zerbster, der einen „schwerwiegenden Rückschlag im fehlenden Training sieht“. „Bis Ende Oktober standen wir im Training und waren aufeinander eingespielt. Besonders beim technisch anspruchsvollen Volleyball ist die Abstimmung auf dem Feld essenziell. Abwehr, Annahme, Zuspiel, Angriff, Block, Feldabwehr usw. Dies fehlt uns seit Oktober komplett, so dass wir quasi bei null anfangen müssen, sobald das Training wieder erlaubt ist“, so Erb.

Vorsichtiger, was das Training in den kommenden Mo- naten betrifft, ist der Spielertrainer des Landesklasse-Sechsers, Guido Müller. Er geht davon aus, dass „man vor Ostern nicht in die Turnhalle kommt“.

Zum Abbruch gibt es für den Abteilungsleiter der Lindauer Volleyballer „keine Alternative“. Alle angedachten möglichen Spielverlegungen waren nach seiner Meinung nicht möglich. Der engagierte Übungsleiter hofft auf einen normalen Spielbetrieb ab September. Vorher setzt er auf ein möglichst effektives Training. „Ich hoffe, dass in der Corona-Zeit nicht zu viele Kilo hinzu gekommen sind“, so mit Augenzwinkern der Abteilungsleiter und Trainer.

Müller meinte zu möglichen Kaderveränderungen in den kommenden Monaten: „Wir melden wieder beide Sechser, ohne große personelle Veränderungen. Was mit Sören Bauer wird, wird sich zeigen.“

Jetzt hoffen die Volleyballerinnen und Volleyballer auf eine schnellstmögliche Öffnung der Sporthallen. Sie alle wollen erst einmal wieder trainieren und sich finden. Ein möglicher Spielbetrieb steht bei ihnen nicht ganz vorn auf der Agenda.