Kumamoto (dpa) - Am Ende war nur noch Leere. Geschockt und frustriert verabschiedeten sich Deutschlands Handball-Frauen nach dem geplatzten Olympia-Traum mit Tränen in den Augen von der WM in Japan.

Das 24:35 (13:18) im Spiel um Platz sieben gegen Schweden kostete die DHB-Auswahl die letzte Chance auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen, die im kommenden Jahr zum dritten Mal nacheinander ohne die deutschen Handballerinnen stattfinden.

"Die Enttäuschung ist riesengroß. Olympia gibt es nur alle vier Jahre. Für einige Spielerinnen war das vielleicht die letzte Chance, sich diesen Traum zu erfüllen", sagte Bundestrainer Henk Groener und bilanzierte: "Wir haben ein hervorragendes Turnier gespielt. Leider hat die Kraft nicht ausgereicht, und auch Cleverness und Erfahrung fehlen noch."

Durch die Pleite gegen Schweden verpassten die DHB-Frauen als WM-Achte das Ticket für eines von drei Olympia-Qualifikationsturnieren im März kommenden Jahres. "Ich habe selten ein schlechteres Spiel gesehen. Das war unterirdisch und einfach nur peinlich, sich so abschießen zu lassen. Wir hatten keinen Plan", schimpfte Torfrau Dinah Eckerle mit tränenerstickter Stimme.

Auch ihre Teamkolleginnen boten ein Bild des Jammers. "Ich bin fassungslos", sagte Kreisläuferin Julia Behnke. "Das war ein Auftritt, der absolut unzufriedenstellend und enttäuschend ist." Dabei hatte Behnke vor der Partie noch ein "Feuerwerk" der deutschen Mannschaft angekündigt.

Doch nach der schweren Vorrunde und den Hauptrunden-Niederlagen gegen Serbien (28:29) und Norwegen (29:32), als bereits ein Remis zum Einzug in das Halbfinale gereicht hätte, war der Akku der deutschen Spielerinnen leer. "Wir hatten nur für 20 Minuten Energie. Die Luft war raus", sagte Groener. Beste deutsche Werferin war Alicia Stolle mit sechs Toren.

Mit versteinerten Mienen verfolgten DHB-Präsident Andreas Michelmann und die Vorstandsmitglieder Mark Schober und Axel Kromer auf der Tribüne das Debakel gegen Schweden. "Das ist ganz bitter. Wir haben ein wichtiges Ziel verpasst, das uns als Katalysator gedient hätte, den Frauenhandball nach vorne zu bringen. Die Enttäuschung ist gnadenlos groß", sagte Sportvorstand Kromer zur verspielten Olympia-Chance.

Dabei war Deutschland hervorragend in die Partie gestartet. Trotz ihrer im Norwegen-Spiel erlittenen Fußverletzung drehte Stolle im rechten Rückraum anfangs richtig auf. Die Linkshänderin steuerte fünf Tore zur 8:4-Führung nach 14 Minuten bei. Doch in der Folge glitt der deutschen Mannschaft das Spiel aus den Händen, weil erneut beste Chancen vergeben wurden.

Als sich Schweden nach dem Seitenwechsel auf 20:13 absetzte, war die Vorentscheidung frühzeitig gefallen. Die DHB-Auswahl wirkte ausgebrannt und konnte nichts mehr entgegensetzen. "Wir haben leider zum zweiten Mal nach der EM 2018 einen solchen Turnierverlauf, dass wir nach einem guten Start hinten heraus nicht mehr unsere Qualität zeigen konnten", analysierte DHB-Sportvorstand Kromer. "Wir müssen jetzt in kleinen Schritten weitergehen und uns Gedanken machen, wie das am besten funktioniert."

Bundestrainer Groener, dessen Vertrag vor der WM bis Ende 2021 verlängert worden war, will dies in aller Ruhe tun: "Die Enttäuschung steckt so tief, da muss man erst einmal etwas Zeit vergehen lassen."