Mein Olympia

Olympiastarter kaltgestellt

Die eisige Kälte ist ein großes Thema bei den olympischen Winterspielen in Pyeongchang.

Von Lars Becker 12.02.2018, 09:36

Olympiasieger Andreas Wellinger liefen die Tränen herunter. Im Alpensia-Skisprung-Stadion von Pyeongchang erlebten diese emotionalen Szenen deutlich nach Mitternacht nur noch eine Handvoll Zuschauer live mit. Der Rest war mitten in dem fast dreistündigen Wettbewerb geflüchtet. Es waren minus elf Grad, der eisige Wind verwandelte sie in gefühlte minus 20. „Das hatte von der Stimmung schon etwas vom Deutschlandpokal. Es waren ja ein paar mehr Leute da, aber die sind zwischendurch wahrscheinlich erfroren“, scherzte Bundestrainer Werner Schuster.

Die Skispringer fanden die ganzen Sache nicht so lustig. Der viermalige Olympiasieger Simon Ammann zum Beispiel musste wegen des zu starken Windes sechsmal vom Absprungbalken herunter. Der Schweizer zitterte wie Espenlaub, fluchte zwischendurch, während ihm immer wieder eine dünne Decke über die Schultern gelegt wurde.

Die eisige Kälte ist generell ein großes Thema bei den Winterspielen. Besonders schlimm erwischt es neben den Biathleten gerade die Skispringer, die erst spät am Abend springen dürfen. Das hat vor allem etwas mit den Wünschen der europäischen Fernsehsender zu tun, denn die Zuschauer vor Ort interessieren die Herren der olympischen Ringe genauso wenig wie müde gähnende Skispringer. Bronzegewinner Robert Johannson berichtete, dass er beim langen Warten auf seinen Sprung zwischenzeitlich seine Zehen nicht mehr gespürt habe. Trotzdem war er nicht frustriert: „Mir können gern weiterhin die Zehen abfrieren, wenn ich dafür auf dem Podest stehe.“

Lars Becker (48) ist zum zwölften Mal bei Olympischen Spielen dabei, davon zum sechsten Mal bei Winterspielen. Lieblingssport: Skicross wegen der Action – und weil seine Kinder es auch gern fahren.