Hamilton. Eine nette Beschreibung hat René Bertram über seinen emotionalen Zustand geliefert. Er fühle sich wie ein Renngaul, der seit fünf Tagen in einer Box darauf wartet, endlich losgelassen zu werden. Das Gefühl sollte der Ruderer vom SC Magdeburg bis zum morgigen Sonntag, 10.59 Uhr neuseeländischer Zeit, konservieren. Dann startet bei den Weltmeisterschaften in Hamilton auf dem Lake Karaprio sein Vorlauf im Riemenvierer.

Die ersten Gegner heißen Australien, China, Neuseeland, USA und Griechenland. "Dann wissen wir, wo wir überseetechnisch einzuordnen sind", sagt Bertram. Immerhin fährt mit dem Boot des WM-Gastgebers gleich ein Topfavorit mit. Bertram hofft natürlich auf den Einzug ins Halbfinale am Mittwoch, ohne über den Hoffnungslauf gehen zu müssen. Der bleibt dem Team des Deutschen Ruderverbandes (DRV) nämlich erspart, wenn es zum Auftakt als Erstes über die Ziellinie fährt.

Bestens vorbereitet sind Bertram und seine Teamgefährten Jochen Urban, Urs Käufer und Florian Eichner. "Wir sind alle fit und gesund geblieben. Und die Bedingungen auf dem See lassen keine Wünsche offen", berichtet der 29-Jährige. Über die derzeitige Stärke der Konkurrenten lässt sich wenig sagen, denn "aus dem Training heraus kann man keine Rückschlüsse auf die Leistung der anderen Boote ziehen". So hilft dem DRV-Vierer letztlich vor allem der Glaube an das eigene Potenzial.

Nicht anders verhält es sich bei Skuller Mathias Rocher, auch für den 21-jährigen SCM-Athleten ertönt im Doppelvierer mit Lauritz Schoof, Hans Gruhne und Tim Grohmann morgen der Startschuss, zirka 20 Minuten nach Bertrams Auftakt.

Marco Neumann hat indes gelernt, Neuseeland zu genießen. Vor zwei Wochen "war die Enttäuschung erstmal groß", erklärte der 22-Jährige. Mit Philipp Naruhn hatte er im Trainingscamp von Sacramento (USA) beim Ausscheidungsrennen um einen der beiden vakanten Startplätze den dritten Rang belegt – und die aktive Teilnahme verpasst. "Am liebsten wäre ich wieder nach Hause gefahren. Ich habe zwei Tage gebraucht, um wieder Motivation zu finden." Neumann und Naruhn hatten Probleme, das Boot schnell zu machen. "Und als es ging, war es leider zu spät", so Neumann.

Fit halten muss sich der Magdeburger trotzdem, denn er ist als Ersatzmann nach Hamilton gefahren. Neumanns erste Aufgabe ist nun die Motivation der Teamgefährten: "Wir werden sie, so gut es geht, unterstützen und das Umfeld für sie leichter machen." Heißt: Alle negativen Einflüsse auf die Konzentration beseitigen. Inzwischen "freue ich mich schon, wenn es endlich losgeht", sagt der Riemenruderer. Sollte jemand kurzfristig ausfallen, dann ist der 1,98-Meter-Hüne bereit für seinen Einsatz. Und dann würde sich auch Marco Neumann wie ein Renngaul fühlen.