Magdeburg. Plötzlich war er da, unbemerkt hatte er die Cafeteria der Elbe-Schwimmhalle betreten, er nahm gemütlich Platz, den Kopf etwas zum Körper gesenkt. Beeindruckend diese breiten Schultern, diese stählernen blauen Augen. In deutscher Sprache hätte er das Interview gerne geführt – und das nach zwei Wochen in Deutschland. Er zwingt sich selbst dazu, wie er auch die Anweisungen bereits in deutsch vom Beckenrand aus gibt. Vlad Hagiu ist auf ganzer Linie ein Vollprofi. Und mit dem Rumänen ist die Wasserball Union Magdeburg (WUM) das Saisonziel Aufstieg in die Gruppe A der 1. Bundesliga längst angegangen. Das will das Team, das will der Trainer, und der ist ein Mann der klaren Worte.

Hagiu weiß, dass er der bekannteste Wasserballer seiner Heimat ist. Aber um Populariät hat er sich nie geschert, "ich habe nur meinen Job gemacht", sagt der 47-Jährige bescheiden. Bis vor sechs Jahren machte er den in der rumänischen Nationalmannschaft, 415 Länderspiele hat Hagiu bestritten, 1 200 Tore hat er erzielt über die linke Seite. Hagiu ist ein Markenzeichen, auch in Italien, dort war er 15 Jahre aktiv in drei Vereinen, ehe er 2004 Trainer der rumänischen Nationalmannschaft wurde. Auf dieser Position stand sein Name ebenso für Erfolg. Er führte die Rumänen auf Rang sechs der Weltrangliste und auf Platz vier in Europa. Er wurde EM-Vierter, aber er erlitt auch die bitterste Niederlage seiner gesamten Karriere, die als 13-Jähriger bei Dynamo Bukarest begann: Im März 2008 scheiterte er mit seinem Team in der Olympiaqualifikation für Peking. "Es war eine ganz schlechte Leistung jedes Einzelnen", erinnert er sich an die entscheidende Niederlage gegen Kanada. Seine Mimik verrät noch heute seine Wut und Enttäuschung über diese Schmach.

Kritik äußert er durchaus laut und öffentlich, auch Kritik im sportpolitischen Bereich. Der Sport sei in Rumänien dem Tode geweiht, sagte er im vergangenen Jahr über die schlechten Bedingungen im Land – als Trainer von Steaua Bukarest. Was deshalb andere über ihn gedacht haben, hat ihn nie interessiert.

Hagiu klingt heute so, als hätte er diese Zeit abgehakt, der zehnfache rumänische Meister mag lieber die sportliche Erinnerung – und er hat die erste Chance genutzt, um nach Deutschland zu kommen. Dank des Bundestrainers Hagen Stamm, der den Kontakt nach Magdeburg vermittelt hatte, Stamm und Hagiu haben sich so viele Duelle im Wasser geliefert.

"Magdeburg ist eine schöne Stadt", sagt Hagiu, der mit Frau und Tochter inzwischen eine Wohnung bezogen hat. Viel Zeit hatte er nicht zur Vorbereitung auf die neue Saison, die am 6. November gegen die SG Neukölln beginnt. Seit dem 1. Oktober trainiert er die WUM-Hünen, zwei Wochen lang ging es um die Fitness, dann hieß es vor allem "spielen und spielen und spielen", wie im Trainingslager in Plauen, wie gegen FS Hannover. "Es hat schon sehr überzeugt", sagt Hagiu, der den kroatischen Nationaltrainer Ratko Rudic sein Vorbild nennt, über sein Team.

Dabei hat der Coach auch in Magdeburg keine sonderlich professionellen Bedingungen vorgefunden. Die meisten Spieler sind Studenten, die nicht immer am Training teilnehmen können, das ist schwierig, will die Mannschaft das Maximale erreichen. Und das Maximale verlangt Vlad Hagiu in erster Linie von sich selbst.