Magdeburg. Mal wieder ein Konter, mal wieder ein Schlan-stedt, einsam zog er auf der rechten Bahn vor das gegnerische Tor, die Neuköllner starrten dem 23-Jährigen neidvoll hinterher. Dann hob er seinen Körper aus dem Wasser, täuschte kurz an und versenkte den Ball im Tor. Wenn es die Überlegenheit der Wasserball Union beim 14:7-Sieg zum Bundesliga-Auftakt (Gruppe B) gegen die Berliner zu dokumentieren galt, dann hatte Christian Schlanstedt, der Magdeburger Centerverteidiger, zur Bilanz einen wichtigen Beitrag geleistet. Sein Kontertor bedeutete das 9:5.

Es war der letzte Treffer im dritten Viertel, die Gäste in der Elbe-Schwimmhalle reagierten mit einer Auszeit, im Wasser blieb indes eine Reaktion weitgehend aus. WUM hatte längst konditionelle Vorteile demonstriert. WUM ließ in der Abwehr kaum etwas zu – und den Rest entschärfte Keeper Roland Kiffer. WUM nutzte jedes Überzahlspiel zum Torerfolg. Nach fünf Wochen konditioneller Einheiten und weniger Testspiele hatten die wenigsten eine derart dominierende Leistung erwartet.

"Wir wussten auch nicht, wo wir stehen", sagt Schlanstedt, der Sport und Technik studiert und am Samstag mit drei Toren erfolgreich war. Und ganz so einfach war es ja auch nicht zu Beginn, die Magdeburger mussten sich auf ein centerloses Spiel einstellen – und auf Fernwürfe. Aber das blieb letztlich eine Randerscheinung. Nicht nur das Ausdauertraining unter Trainer Vlad Hagiu hatte sich gelohnt. "Alle haben in der Vorbereitung 110 Prozent mitgezogen", weiß Schlanstedt zu berichten. So fiel es – zumindest mit Blick von außen – irgend-wann leicht, den Rückraum der Berliner auszuschalten. "Man sollte das Spiel nicht überbewerten", sagt der gebürtige Hallenser, der vor sieben Jahren zum Sportgymnasium nach Magdeburg kam und der eigentlich gar kein typischer Wasserballer ist.

Tatsächlich kommt er nämlich nicht vom Schwimmen, sondern vom Fußball. Er ist nicht der natürlichen Leistungsauslese beim SCM, sondern der mangelnden Lust auf "Rasenschach" wegen zum Wasserball gewechselt. Vor zwölf Jahren hatte ihn sein Vater dafür begeistert. Das Grundtalent brachte er trotz fehlender Vorgeschichte im Becken mit, und außerdem "arbeite ich hart an mir, versuche immer, das Maximum aus mir rauszuholen". Allein der Sprint zum 9:5 hat das bewiesen.

Neukölln kommt am Sonn-abend gleich noch einmal in die Elbe-Schwimmhalle, dann geht es in der zweiten Runde um den Wasserball-Pokal. "Der Pokal ist für uns genauso wichtig", sagt Schlanstedt, "wir werden nicht weniger motiviert sein." Saisonziel Nummer eins bleibt aber das Erreichen der Play-Offs um den Aufstieg in die Gruppe A: "Es gibt für mich nichts anderes."