Mit Lausbuben-Charme und Pokerface lässt Sebastian Vettel die Formel-1-Welt vor dem Superfinale zappeln. Jüngster Champion oder Titelhelfer – beim beispiellosen Showdown in Abu Dhabi scheint der Deutsche in der Schlüsselrolle. Und der 23-Jährige genießt das sichtlich.

Abu Dhabi (dpa). "Ich werde Euch noch ein bisschen weiter- ärgern", entgegnete der Gesamt-Dritte bei der Pressekonferenz des Weltverbands gestern verschmitzt lächelnd auf die Fragen nach seiner Strategie beim WM-Thriller. Seine Hauptrivalen Fernando Alonso und Mark Webber verzogen neben ihm keine Miene.

Nur wenn Spitzenreiter Alonso auf dem schillernden Yas Marina Circuit patzt, kann Vettel selbst Weltmeister werden. Gewinnt der Hesse, darf der Ferrari-Star höchstens Fünfter werden. Wird Vettel Zweiter, darf Webber maximal Rang fünf einfahren und Alonso maximal als Neunter den Zielstrich überqueren. Noch größere Kapriolen im WM-Vierkampf benötigt nur McLaren-Mann Lewis Hamilton, der vor dem 19. und letzten Saisonrennen 24 Punkte Rückstand hat.

Doch das Rechenspiel, das im Fahrerlager am künstlich angelegten Hafen fast alle beschäftigt, dreht sich um eine mögliche Hilfestellung von Vettel für Stallrivale Webber, wenn er selbst kurz vor Rennende keine Titelchance mehr hat. "Wenn wir am Sonntag in der Situation sind, werden wir schon se-hen. Bis dahin kann noch so viel passieren", meint Vettel.

Er wolle dem Australier im Fall der Fälle aber nicht wie schon mehrfach in dieser Saison in die Quere kommen, versichert der Heppenheimer. Und deutet einen Platztausch kurz vor Rennende an, wenn damit Webber noch Alonso die WM-Krone entreißen könnte. "Wenn es so weit kommt, wissen wir, dass wir für das Team fahren", sagt Vettel.

Versprechen aber will er nichts, und Webber wirkt auch nicht wirklich überzeugt. Sichtlich nervös war er mit offener Hose zur Medienrunde erschienen, verkniffen macht er auf dem Podium immer wieder Dehnübungen. "Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, versuche ich es eben nächstes Jahr wieder", verspricht der 34-Jährige finster. Eine Stallorder zu seinen Gunsten hat Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz bereits mehrfach mit Nachdruck ausgeschlossen.

Alonso, der in Hockenheim dank Teambefehl an Felipe Massa vorbei zum Sieg fahren durfte, will sich bei aller Titel-Mathematik nur auf sich selbst verlassen. "Ich werde kein Prozent meiner Energie darauf verschwenden, darüber nachzudenken, was passieren könnte", erklärt der 29-Jährige. "Unser einziges Ziel ist es, Erster oder Zweiter zu werden." Und wenn ihm dann die Punkte des geschenkten Sieges in Deutschland den Titel retten? "Es ist mir egal, ob ich mit einem, sieben oder 25 Punkten Vorsprung gewinne", antwortet Alonso kühl.

Die meiste Zuversicht der vier Titelanwärter versprüht sowieso Vettel. Vergnügt stellt er fest, dass er trotz einer pannenreichen Saison noch immer mittendrin im WM-Fight ist.