Dresden/Magdeburg. "Drachen" gegen "Adler" – diese beiden Kampfnamen allein würden wohl schon einen hochinteressanten Boxkampf versprechen. Wenn man dazu noch weiß, dass sich dahinter mit der Wahl-Magdeburgerin Ramona Kühne (Drachen) und der Bosnierin Irma Balijagic (Adler) zwei der augenblicklich stärksten europäischen Faustkämpferinnen verbergen, wird die Sache noch reizvoller.

Morgen Abend (live Sat.1/ 22.15 Uhr) stehen sich die beiden Super-Federgewichtlerinnen – das ist bei den Frauen die Gewichtsklasse bis 58,9 Kilo – in der Freiberger Arena von Dresden gegenüber. Und dann geht es gleich um die drei Weltmeistergürtel, die die SES-Fighterin in ihrem Besitz hat und aufs Spiel setzt. Sie dürfte gewarnt sein: Immerhin ist die Frau vom Balkan ("Ich habe lange für diese Chance trainiert. Ich weiß, dass Ramona eine starke Kämpferin ist, aber ich bin stärker.") in ihren bisher zwölf Profi-Gefechten noch ungeschlagen.

"Ich bin die Weltmeisterin", sagt Kühne unbeeindruckt und selbstbewusst. "Ich werde den Adler rupfen." Und fügt martialisch hinzu: "Wer mich besiegen will, muss mich umbringen."

Die 30-Jährige spürt und sagt es auch, dass ihre Zeit jetzt gekommen ist. "Um WM-Titel zu kämpfen, auf diese Chance habe ich lange gewartet. Jetzt werde ich sie beim Schopfe packen. Jetzt kann ich mich präsentieren."

Spätestens seit der einzigen, verletzungsbedingten Niederlage ihrer Laufbahn im November 2009 in der Bördelandhalle gegen die renommierte Weltmeisterin Ina Menzer ist der Name Ramona Kühne nicht nur Insidern bekannt. "Ich bin im Profiboxen angekommen", sagt sie. "Und zwar in einer Art und Weise, die ich mir einst hätte nicht erträumen lassen."

Nach dem Rücktritt der deutschen Box-Lady schlechthin, Regina Halmich, sieht Kühne das Frauenboxen derzeit in einer Wellenbewegung: "Mal geht es rauf, dann mal wieder runter." Sie selbst wäre rundum glücklich, wenn da noch ein bisschen mehr Anerkennung für ihre Sportart wäre und "wenn die Gagen ein wenig höher ausfallen".

Deshalb hat sie ihren erlernten Beruf als Fachangestellte für Bäderbetriebe noch nicht völlig ad acta gelegt: "Immerhin ist das öffentlicher Dienst, aber ich werde fürs Boxen großzügig freigestellt."

Eine Freistellung ist dann wohl auch im Mai 2011 fällig. Denn dann, so verrät sie, wird sie ihren langjährigen Trainer und Lebensgefährten Stephan Böstfleisch heiraten: "Bisher haben wir nie den richtigen Termin gefunden."

Und dass sie es ernst meint, beweist, dass zu Hause in Großziethen bereits das Hochzeitskleid hängt. "Nur", so Kühne fast entschuldigend, "anprobiert habe ich es noch nicht."