Oberstdorf (dapd) l Mit Gottes Hilfe will der unvollendete Gregor Schlierenzauer den letzten weißen Fleck beseitigen. "Es ist ja kein Staatsgeheimnis, dass ich die Tournee irgendwann gewinnen will. Wenn der oben es zulässt, dann klappt\'s heuer", sagt das Jahrhunderttalent aus Österreich.

Wieder einmal macht Schlierenzauer Jagd auf den Sieg bei der Vierschanzentournee, wieder einmal ist er vor dem Auftakt am Oberstdorfer Schattenberg der große Favorit. Nicht nur bei den Buchmachern.

Der "Schlieri", wie ihn alle Welt nennt, betont nimmermüde sein Alter von erst 21 Jahren, wenn er denn mal wieder gefragt wird, warum es mit dem Tournee-Sieg noch immer nicht geklappt hat. Doch trotz der jungen Jahre geht der Tiroler bereits in seine fünfte komplette Tournee. Zu mehr als einem zweiten Platz 2007 und Rang drei zwei Jahre später hat es bisher nicht gereicht - angesichts seines Talents eigentlich unvorstellbar.

Innauer sieht Kofler vorne

Der Gesamtsieg wird aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr wieder an einen Österreicher gehen und Schlierenzauer wäre eigentlich an der Reihe. Seine Teamkollegen Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler und Thomas Morgenstern gewannen den traditionsreichsten Wettbewerb ihrer Zunft in den vergangenen Jahren. Nur Kofler und Morgenstern können Schlierenzauer aus dem eigenen Lager das Leben noch schwer machen, Loitzl hat seine beste Zeit längst hinter sich.

Für Österreichs Skisprung-Idol Toni Innauer hat Kofler die besten Karten. "Gregor liegt auf demselben Niveau mit Morgenstern und Kofler, den ich aufgrund seiner Siege zum Saisonstart eine Nuance vorne sehe", sagte Innauer.

Innauer sieht für andere Nationen im Kampf um den Tourneesieg nur Außenseiterchancen. Immerhin hat er nach Jahren der Abstinenz wieder die Deutschen auf dem Zettel: "Richard Freitag und Severin Freund zum Beispiel traue ich Einzelsiege zu."

Neben den deutschen Geheimfavoriten lichten sich die Reihen der Herausforderer schon beträchtlich. Anders Bardal wäre noch zu nennen. Der Norweger gewann zuletzt in Engelberg und reist im hohen Skispringer-Alter von 29 Jahren in der Form seines Lebens zur Tournee. "Dieser schüchterne, alte Kerl hat endlich mehr Selbstvertrauen", erklärt Teamkollege Tom Hilde den unerwarteten Höhenflug des Weltcup-Zweiten.

Bardal reist nicht nur mit dem Sieg in Engelberg, sondern auch mit drei weiteren Podestplätzen im Gepäck nach Oberstdorf. Vor fünf Jahren startete Anders Jacobsen mit der gleichen Bilanz in die Tournee - am Ende stand der gelernte Klempner ganz oben.

Ammann unvollendet

Schlierenzauer ist bei dieser Tournee nicht der einzige Unvollendete. Da ist auch noch Simon Ammann. Viermaliger Olympiasieger, Weltmeister 2007, Skiflugweltmeister und Gesamtweltcup-Sieger 2010 steht in der Erfolgsbilanz des Schweizers. Sieger der Vierschanzentournee? Fehlanzeige.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Ammann alles auf die Karte Tournee gesetzt - und war doch nur Zweiter geworden. In dieser Saison läuft es überhaupt nicht rund. "Mir fehlt die Energie beim Absprung. Es gibt noch viel zu tun", sagt Ammann.