Magdeburg/Minsk l Auch am Donnerstag steckte Pauline Grabosch ihre Nase in die Bücher, lernte im Hotel für die anstehenden Abitur-Prüfungen am Pierre-de-Coubertin-Gymnasium in Erfurt. „Anders schaffe ich das nicht, es geht jetzt Schlag auf Schlag“, sagt die gebürtige Magdeburgerin. Denn seit Montag hält sich die 20-Jährige im eiskalten weißrussischen Minsk auf. Dort steht von Freitag bis Sonntag der fünfte und letzte Bahn-Weltcup der Saison auf dem Programm. Grabosch startet in Sprint, Keirin und Teamsprint.

Nach ihrem Weltcup-Sieg Anfang November im polnischen Pruszkow zusammen mit Doppel-Olympiasiegerin Kristina Vogel aus Erfurt hatte sich Grabosch etwas zurückgezogen, um sich auf die Schule zu konzentrieren. Schließlich will das Sprachtalent – neben Englisch und Französich hat sie auch Chinesisch und neuerdings etwas niederländisch gelernt – nicht irgendein Abitur ablegen. „Das ist nicht mein Anspruch“, sagt die Sprinterin. Nach den guten Vorleistungen soll es Note 1,3 werden.

Schwieriger Spagat

„Es ist natürlich schwierig, Leistungssport und Schule unter einen Hut zu bekommen, eben ein Spagat – akribisch auf die Minute geplant“, sagt Grabosch, „deshalb heißt es jetzt: Augen zu und durch.“ Zumal nach dem Weltcup-Finale schon die nächste sportliche Herausforderung für die Vize-Europameisterin von Berlin im 500-Meter-Zeitfahren und im Teamsprint wartet. Vom 28. Februar bis 4. März steigt in Apeldoorn die Weltmeisterschaft. „Pauline ist für die WM vorgesehen. Sie startet dort in Sprint und Keirin, ist auch für Teamsprint vorgesehen. Da lassen wir uns alle Möglichkeiten offen“, sagt Bundestrainer Detlef Uibel. „Für die WM-Vorbereitung wird Pauline aufgrund ihres Abiturs einen einen individuellen Trainingsplan haben.“ In den Niederlanden will die ehrgeizige Sportlerin den Abstand zur Spitze und ihren teaminternnen Rivalinnen Vogel und Miriam Welte aus Kaiserslautern weiter verkürzen.

Beim Weltcup in Minsk geht Grabosch aus dem vollen Training an den Start. Nach dem Wechsel von Tim Zühlke nach China wird sie seit einigen Wochen am Stützpunkt in Erfurt vom Niederländer Anner Miedema betreut. „Ich habe bisher einen guten Eindruck von Anner – er hat uns erlaubt, ihn zu duzen“, berichtet Grabosch, „im Training hat er aber noch nicht viel umstellen können, weil die Zeit bis zur WM zu kurz ist. Es hat aber Hand und Fuß, was er macht.“

Zusammen mit Emma Hinze

Große Leistungssprünge sind beim Weltcup in Minsk wohl noch nicht zu erwarten, obwohl das Training schon ganz gut lief. Dafür kommt sicher der Spaß nicht zu kurz, denn nach längerer Zeit kann Grabosch wieder zusammen mit der Cottbuserin Emma Hinze starten. Als Juniorinnen gewannen beide 2015 den WM-Titel im Teamsprint. „Es ist echt schön, dass Emma wieder mit dabei ist“, sagt Grabosch. „Wozu es sportlich reicht, müssen wir abwarten.“ Und dann steckt Pauline Grabosch wieder ihre Nase in die Schulbücher.