Galopp

Magdeburger Renn-Verein ist Lebens-Schicksal von Torsten Meyer

Torsten Meyer ist als neuer Geschäftsführer des Magdeburger Renn-Vereins 100 Tage im Amt. Sogar sein privates Glück hat er beim Galopp gefunden.

Von Uwe Tiedemann
Torsten Meyer geht in seiner neuen Arbeit voll auf.
Torsten Meyer geht in seiner neuen Arbeit voll auf. Foto: J. Hitzeroth

Magdeburg. Genau 100 Tage ist jetzt der neue Geschäftsführer des Magdeburger Renn-Vereins, Torsten Meyer, im Amt. Noch keine einzige Sekunde, so betont der 60-Jährige voller Überzeugung, habe er dabei seine damalige Zusage, die Nachfolge von Ottokar Schröder anzutreten, bereut.

37 Jahre war Meyer bei der Kriminalpolizei tätig, die letzten 22 davon als Dezernatsleiter zur Bekämpfung der Kinderpornografie. Gerne hätte er weitergemacht, „doch mit 60 musste ich in Pension gehen. Mein Antrag auf Verlängerung wurde mit der Begründung abgelehnt, es stünden keine finanziellen Mittel zur Verfügung“, erzählt Meyer mit leicht süffisantem Unterton.

Da kam es ihm sehr gelegen, als Renn-Vereins-Präsident Heinz Baltus anfragte, ob er Interesse habe, ab 1. April 2021 neuer Geschäftsführer zu werden: „Ich musste nicht lange überlegen. Ohnehin war ich ja bis 2020 Toto-Chef, also eng mit dem Verein verbunden.“ Und nicht nur das. „Sogar meine Frau Diana habe ich auf der Rennbahn kennengelernt. Sie hat damals schon als 14-Jährige Botengänge im Herrenkrug verrichtet“, blickt Meyer schmunzelnd zurück und nennt den Renn-Verein sein „Lebens-Schicksal“.

Gerade am Anfang vieles neu

Nun also Geschäftsführer, ein Job, der Meyer von montags bis freitags mehrere Stunden voll ausfüllt. „Eine vielfältige, interessante und umfangreiche Aufgabe“, beschreibt er sein jetziges Tätigungsfeld, in das ihn Schröder drei Monate eingearbeitet hatte. „Da war gerade am Anfang vieles neu, denn ich komme ja aus einem anderen Metier. Aber es macht mir Riesenspaß, und es hilft mir enorm, dass ich von allen Seiten Unterstützung erhalte“, berichtet der gebürtige Magdeburger und nennt in diesem Zusammenhang vor allem zwei Namen: Jens Hitzeroth, technischer Leiter und Marketing-Verantwortlicher, sowie Roland Gaedecke, der renntechnische Leiter.

Da nimmt es Meyer auch gern in Kauf, wenn es mal richtig stressig wird. So wie am 18. Juni, als beim Sommerfest bzw. Sponsorenabend nicht nur extreme Hitze herrschte, sondern der Arbeitstag morgens um 6 Uhr begann und erst kurz vor Mitternacht endete.

Und wie sieht Meyer den Renn-Verein für die nächsten Jahre aufgestellt? Seine Antwort: „Grundsätzlich positiv. Mit Heinz Baltus haben wir einen Top-Präsidenten, der auch dafür gesorgt hat, dass sich das Vereinsleben maßgeblich verändert hat. Die Störenfriede sind nicht mehr dabei. Und ein Jens Hitzeroth sprudelt nur so vor Ideen. Aber es ist keineswegs so, dass wir im Geld schwimmen, wie manche denken. Wir können froh sein, einen Renntag mit plus/minus null abzuschließen.“ Und noch etwas: „Ich spüre häufig den Neid anderer Vereine. ,Ihr da in Magdeburg, was beschwert ihr euch’, höre ich oft. Aber ich sage immer: ,Neid musst du dir erarbeiten.’ Wir werden alles dafür tun, dass der Galoppsport, auch ein Stück Kultur in Magdeburg, erhalten bleibt und eine Zukunft hat.“

Enorme finanzielle Unterstützung der Sponsoren

Was Meyer dabei immer wieder positiv auffällt, ist der Umgang miteinander: „Unser Renn-Verein ist kein elitärer Club. Die Menschen kommen zwar aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, sind aber völlig normal. Es sind Menschen wie du und ich. Das habe ich dieser Form noch nicht erlebt, und deswegen bereitet es mir auch so eine große Freude, hier zu arbeiten.“ Auch die finanzielle Unterstützung von außen, von den Sponsoren, sei enorm: „Nie und nimmer hatten wir damit gerechnet, dass wir für den Jubiläumspreis am ersten Renntag 8000 Euro an Spendengeldern erhalten.“

Dennoch gibt Meyer zu bedenken, dass sich der Pferdesport insgesamt in einer Krise befindet. „Viele Vereine kämpfen ums Überleben. Das hängt natürlich mit der Corona-Pandemie und der Tatsache, dass es einfach zu wenig Pferde gibt, zusammen“, warnt der 60-Jährige und ist gleichzeitig froh, dass dieser Trend nicht für Magdeburg gilt.

Das sei auch an den steigenden Mitgliederzahlen festzumachen. Bei der Frage, wie viel es derzeit genau seien, zögert er keine Sekunde: „246. Vier sind beim letzten Renntag dazugekommen.“