Sommerspiele in Tokio

Max Appel: Guter Schlag auf schwerer Fahrt

Es gibt wohl niemanden, der der Ruderer Max Appel vom SCM eine Medaille nicht gönnt. Doch allein der Weg ins Finale wird für den Schlagmann im Doppelvierer ein schwerer sein.

Von Daniel Hübner
Wollen ins Finale (v.l.): Max Appel, Hans Gruhne, Karl Schulze und Tim Ole Naske.
Wollen ins Finale (v.l.): Max Appel, Hans Gruhne, Karl Schulze und Tim Ole Naske. Foto: imago images

Tokio/Magdeburg - Die Einsamkeit von Kinosaki hat Max Appel schwer zu schaffen gemacht. Das Wetter auch. In der unmittelbaren Olympia-Vorbereitung in Japan hat es aus Eimern gepladdert. Die Luftfeuchtigkeit lag bei 100 Prozent. Wenn sie raus sind mit dem Boot, Appel und sein Crew im Doppelvierer, raus auf den Fluss Maruyama, wenn dann die Sonne dem Training ein paar Strahlen geschenkt hat, „hat man Probleme mit der Atmung bekommen“, berichtete der 25-Jährige vom SC Magdeburg. „Außerdem war der Fluss breit, ziemlich wellig, bei Wind und Regen haben die Einheiten an den Kräften gezehrt.“

Und wenn sie wieder ins Hotel zurückgekehrt sind, durften sie allenfalls über den Hintereingang in den Poolbereich, ansonsten haben sie nichts gesehen vom Land, nicht in Kinosaki, rund 600 Kilometer von Tokio entfernt. „Wir durften keinen Schritt raus“, berichtete Appel.

Seit dem vergangenen Sonnabend zeigt die Sonne ihr anderes Lächeln. Denn seitdem ist Max Appel in Tokio, an jenem Tag hat er sein Zimmer im olympischen Dorf bezogen. Der große Ausflug in die Stadt ist ihm auch dort nicht gegönnt, dennoch präsentiert sich Appel über die sozialen Internetkanäle in bester Laune. Endlich, möchte man ihm zurufen. Und nicht nur, weil Tokio den Ruderer freundlich empfangen hat, wenngleich er wie in Kinosaki am täglichen Spucktest für die Corona-Untersuchung sicherlich nicht vorbeikommen wird. Sondern weil hinter dem Schützling von Heimtrainer Roland Oesemann auch eine recht schwierige Saison liegt, in der Appel ein Rennen mit dem Boot durchaus mal als „Vollkatastrophe“ titulierte.

Nun aber, in Tokio, bei seinen ersten Sommerspielen, möchte er sich versöhnen mit einer schwierigen Fahrt in die Hauptstadt Japans. Gemeinsam mit seinen Begleitern, die schon im vergangenen Jahr namentlich benannt wurden: Hans Gruhne aus Potsdam, Karl Schulze aus Berlin, Tim Ole Naske aus Hamburg. Ihren Auftakt bestreiten die vier Herren und ihr Boot an diesem Freitag mit dem Vorlauf ab 4.30 Uhr.

Wir wollen versuchen, eine Medaille anzugreifen.

Max Appel

Diese Crew hat die jüngere Vergangenheit hinter sich gelassen und sich „nur auf sich fokussiert“, sagte Appel. Auf die Dinge, die besser werden sollen. Zum Beispiel auf die Harmonie im Schlag über die gesamten 2000 Meter. Und alles fürs Finale. Denn das ist das erklärte Ziel. Und wenn sie es bis dahin geschafft hat, „wollen wir versuchen, eine Medaille anzugreifen“, betonte Appel. Wie sie der Doppelvierer bei den Olympischen Spielen in London 2012 und Rio 2016 immer angegriffen und immer geholt hat. Und immer in Gold. Und immer mit Schulze. Aber dieser Weg zum Olymp im Jahre 2021, der wird ein sehr schwerer sein.

Es gibt nämlich Konkurrenz, und die ist groß. Die womöglich schnellsten Niederländer in der Ruder-Historie dieses Landes tummeln sich im Doppelvierer – und damit die Weltmeister. Die Italiener, die Polen, die Briten, die Esten ... „Das wird ein harter Kampf“, ist sich Appel deshalb sicher. Ein Kampf, der so grundsätzlich keine Zuschauer im Sea Forest Waterway braucht, weshalb ihn der Ausschluss der Fans an der Regattastrecke auch weniger tangiert. „Natürlich ist es schön, wenn sich jemand mit dir freut. Aber auf den letzten Metern ist man in einem Tunnel, da hört und sieht man nichts mehr.“

Bei Appel indes schmerzt es manchmal. Appel hatte sich im vergangenen Dezember einer Operation im linken Knie, speziell am Meniskus, unterziehen müssen. Die OP war recht kompliziert. Er kann das Knie nicht richtig durchdrücken. „Ab und zu meldet es sich“, erklärt Appel. „Aber es ist keine große Einschränkung für mich.“ Und Ruhe kann er dem Knie nun auch nicht geben. „Das hole ich nach der Saison nach“, sagt er lächelnd.

So lange lebt der Doppelvierer von seiner Athletik, von seiner Stärke. Max Appel ist der Schlagmann. Der Mann, der den Takt, die Frequenz des Bootes vorrudert. Der den Doppelvierer raus auf die Strecke und rein ins Ziel führt. Max Appel kann aber nicht dafür sorgen, dass die Harmonie im Schlag bis zum Schluss gepflegt wird. Leider nicht. Als Mensch ist er Harmonie pur. Und ihm drücken auch deshalb viele Sympathisanten kräftig die Daumen. Wie Marcel Hacker, der ehemalige SCM-Skuller, der sagte: „Ich wünsche ganz besonders Max eine Medaille. Die hat er sich verdient.“