Magdeburg l Viermalige Junioren-Weltmeisterin, 2016 bei ihrem Elite-Debüt EM-Zweite in Paris und Weltcup-Siegerin in Apeldoorn über die 500 Meter, im Sommer in Anadia/Portugal U-23-Europameisterin im Zeitfahren: Pauline Grabosch fährt zweifellos in der Erfolgsspur. Bei den Europameisterschaften im Berliner Velodrom (19. bis 22. Oktober) hat die 19-Jährige wahrscheinlich vier Chancen, ihrer Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. „Ich würde gern in Sprint, Keirin, Teamsprint und Zeitfahren starten“, sagt die gebürtige Magdeburgerin, die sich seit dem 1. Oktober mit der Nationalmannschaft in Frankfurt (Oder) vorbereitet.

Die Teilnahme Graboschs in Berlin war lange offen. Eigentlich liegt diesen Winter der Fokus der Sportschülerin auf dem Abitur. Am Sportgymnasium in Erfurt will sie im kommenden Frühjahr die Schule beenden – und nicht irgendwie: „Ein Schnitt von 1,4 oder 1,5 ist mein Ziel. Deshalb ist auch jeder Tag wichtig bis zum Abitur. Aber jetzt gilt die volle Konzentration der Schule und dem Sport“, betont Grabosch.

Die vergangenen Wochen musste Grabosch, die für das Chemnitzer Team Erdgas.2012 startet und gemeinsam mit der zweifachen Olympiasiegerin und neunmaligen Weltmeisterin Kristina Vogel eine Trainingsgruppe bildet, viel allein machen. Heimtrainer Tim Zühlke hat Mitte September Erfurt verlassen, um beim chinesischen Verband bei den größten Konkurrentinnen anzuheuern. „Das war natürlich blöd, wir waren alle ordentlich am Rudern“, schimpft Grabosch. Trotzdem habe sie ihr Pensum pflichtbewusst absolviert. „Ich denke, die Form kommt und ich kann mit gutem Gewissen zur EM anreisen.“

Marc Bator neuer Manager

Nach dem Teamsprint am Donnerstag steht am Freitag mit dem Zeitfahren Graboschs Schokoladen-Disziplin auf dem Wettkampf-Programm. Neben der Familie aus Bottmersdorf (Landkreis Börde), Freunden und ehemaligen Mitschülern aus Magdeburg hat sich auch Marc Bator im Velodrom angesagt. Der 45-Jährige, ehemaliger Sprecher der ARD-Tagesschau und jetzt News-Anchor bei SAT.1, hat sich neben seiner Fernsehtätigkeit ein zweites Standbein als lizenzierter Fahrer- berater aufgebaut. Mit seiner Agentur „TeamVision mmc“ betreut er Straßen-Profis wie Roger Kluge (Berlin/Giro-Etappensieger 2016) oder Lennard Kämna (Fischerhude/Weltmeister Teamzeitfahren 2017). Und neuerdings auch Pauline Grabosch.

„Ich hatte mir um das Thema Manager eigentlich keine Gedanken gemacht. Der Kontakt mit Marc Bator hat sich auch eher zufällig ergeben. Ich sehe es als gutes Angebot und helfende Hand“, berichtet Grabosch. Perspektivisch möchte die Sprinterin die Zusammenarbeit aber wohl auch nutzen, um ihren Sport in Deutschland populärer zu machen. „Es ist sehr schwer, sich in unserer Sportart Gehör zu verschaffen. Selbst mit Medaillen ist man sehr schnell wieder aus den Schlagzeilen. Der Bahnradsport soll aber funkeln – und sich von der Masse abheben“, ist Graboschs Wunsch.

Mit ihrer Präsenz und Ausstrahlung bringt Grabosch viel mit, um ihren Sport zu pushen. Das hat Bator erkannt, warnt aber: „Generell ist es noch sehr früh, um Einschätzungen zum weiteren Verlauf von Paulines Karriere zu geben. Sie ist für uns ein großes Talent“, sagt er. „In ihren Sport bringt sie auffallend starke Persönlichkeitsmerkmale mit. Wenn es für sie sportlich weiter so bergauf geht, kann Pauline dem Radsport auch in der Gesellschaft eine starke Stimme verleihen.“ Die Bahn-EM bietet die nächste Plattform für die Magdeburgerin. Und mit einer Medaille dekoriert, würde Pauline Grabosch für Glanz sorgen und ihr Stern wieder ein bisschen heller funkeln ...