St. Etienne/Magdeburg l Die 104. Tour de France wird in der Schlusswoche zu einem Thriller. Titelverteidiger Christopher Froome ist auch wegen der Stärke seines Teams Sky nach wie vor der Favorit, aber sechs Fahrer liegen im Gesamtklassement an der Spitze innerhalb von 1:17 Minuten. Die Alpenetappen am Mittwoch über den Col du Galibier und am Donnerstag auf den Col d‘Izoard versprechen Nervenkitzel, die Tour ist so spannend wie seit Jahren nicht. Für den Magdeburger Robert Wagner geht es dagegen weiter vorrangig darum, am Sonntag in Paris anzukommen.

Einen Vorgeschmack auf den Showdown in den Alpen um das Gelbe Trikot lieferte die 15. Etappe am Sonntag. „Da haben wir es uns ordentlich gegeben – ich kann mich nicht an eine unangenehmere Startphase einer Etappe erinnern“, berichtete Wagner am zweiten Ruhetag in St. Etienne. Mit fast einer halben Stunde Rückstand auf Tagessieger Bauke Mollema kam der Profi aus dem niederländischen Lotto-NL-Jumbo-Team im Ziel in Le Puy-en-Velay an. „Ich habe früh an meinem Powermeter gesehen: Das wird ein harter Tag“, sagte der 34-Jährige. Bei 380 bis 400 Watt liegt Wagners Schwellenwert, ehe er aufgrund der Laktatbildung in den „roten Bereich“ fährt. „Irgendwann muss man sich dann auch auf sein Gefühl und die Erfahrung verlassen, den Kopf ausmachen und einfach treten“, sagte der deutsche Meister von 2011, der im Gesamtklassement auf Platz 171 liegt.

Sitzbeschwerden besser

Immerhin: Die Sitzbeschwerden aus der ersten Tour-Woche haben sich gebessert. „Gut ist anders, aber es geht“, sagte Wagner, der deshalb auch am zweiten Ruhetag eine Ausfahrt über 90 Minuten einlegte, um den Körper in Schwung zu halten. Am Montag vor einer Woche war noch Ruhe und Creme verordnet, um das geschundene Hinterteil fit für die weiteren Tour-Strapazen zu machen.

Ruhe ist für Wagner aber auch nach der Tour noch nicht angesagt. Der Magdeburger steht bei den sogenannten Nach-Tour-Kriterien wie im vergangenen Sommer wieder hoch im Kurs der Veranstalter, bestreitet die „Tour de Neuss“ (26. Juli), die „Retour Le Tour“ in Krefeld (28. Juli) und die „Aprestour“ in Gera (29. Juli). „Ich freue mich, einige Rennen in Deutschland zu fahren. Man bleibt in Tritt – und ein bisschen Taschengeld gibt es auch“, sagte Wagner, der entgegen der Ankündigung der Veranstalter auf seine Teilnahme an der „Nacht von Hannover“ verzichten muss, da sich der Termin mit Gera überschneidet. Am 15. August ist Wagner noch beim „Grand Prix“ in Bürstadt am Start.

Nachdem die WM im September in Norwegen aufgrund der Strecke kein Thema für Wagner ist, musste der Magdeburger die Teilnahme an der Straßen-Europameisterschaft im dänischen Herning Anfang August schweren Herzens absagen, da Lotto-NL-Jumbo keine Freigabe erteilte. Wagner startet stattdessen bei der Binckbank-Tour (vormals Eneco). Aber erstmal geht es darum, am Sonntag zum zweiten Mal die Tour zu beenden...