Magdeburg l Philipp Syring wird sich künftig folgende Regeln verinnerlichen: Sein Vater André Willms, zweimaliger Olympiasieger, hat ihm das Rudern in die Wiege gelegt – nicht das Fußballspielen. Und deshalb ist es für ihn alles andere als förderlich, im Ruder-Trainingslager an einem Fußballspiel teilzunehmen. Was dann nämlich passieren kann, hat Syring am eigenen Mittelfuß zu spüren bekommen. Zuletzt in Portugal am Lago Azul, in der letzten halben Stunde aller Einheiten in den 16 Tagen, knickte der 21-Jährige erst mit dem linken Fuß um, danach trat dem 2,05-Meter-Hünen vom SCM ein Mitstreiter versehentlich auf die Unglücksstelle.

Die Folge der Mittelfußfraktur ist äußerst ernüchtend: Die Saison ist für Syring beendet, bevor sie eigentlich begonnen hat. Dieser Tatsache schickte er am Dienstagabend nach der Operation in der Magdeburger Uniklinik ein leidliches Lächeln durchs Telefon hinterher. Die Knochen wurden mit einer Schraube fixiert, „die Genesung dauert einfach zu lange“, berichtete er. Sechs Wochen mindestens. Erst dann kann Syring wieder ins Boot steigen. Allerdings ganz ohne Leistungsdruck.

Für Syring lief es gut

Leistung wird indes von den Skullern des Deutschen Ruderverbandes (DRV) bereits beim Frühtest, zugleich die Deutsche Kleinboot-Meisterschaft, vom 12. bis 14. April in Köln-Fühlingen verlangt. Dann geht es schon um die Plätze für die internationalen Regatten bis hin zur Weltmeisterschaft in Linz (Österreich/25. August bis 1. September).

Syring ist allein deshalb traurig, weil die beiden jüngsten Trainingslager für ihn gut gelaufen waren. Erst in Avis, dann am Lago Azul, jeweils in Portugal. „Im Einer war ich schon richtig schnell, meine Großbootfähigkeit habe ich auch nachgewiesen“, erklärte er. Mit dem zweimaligen Olympiasieger Karl Schulze (29) trainierte er in einem Doppelzweier. DRV-Coach Marcus Schwarzrock hatte internationale Erfahrung und junge Wilde zusammengeführt. Syrings Teamgefährte Max Appel saß derweil mit Hans Gruhne (29), ebenfalls Olympiasieger, in einem Boot. „Aber die Kombinationen können sich natürlich noch ändern“, berichtete Appel.

Wie Syring muss der SCM-Athlet seit November am Bundesstützpunkt in Hamburg/Ratzeburg trainieren. Der DRV hatte im Zuge der Leistungssportreform die Zentralisierung schnell vorangetrieben. Syring hat in Hamburg eine Wohnung gefunden, Appel wohnt bei seinen Eltern in Mölln. Die Fahrwege sind für ihn kurz. Nur die ständige Trennung von seiner Freundin Lena, die in Magdeburg lebt und studiert, ist natürlich kein Selbstverständnis.

Frühtest entscheidet

Appel klingt aber zufrieden, wenn er über seine bisherige Vorbereitung spicht. Der 1,95-Meter-Hüne hat sich auch viel vorgenommen in der neuen Saison, nachdem er im vergangenen Jahr nur WM-Ersatzmann war. „Mein Ziel ist es, wieder im Team dabei zu sein“, sagte er. „Dazu muss ich beim Frühtest eine gute Leistung abliefern.“ Besser als bei jenem Test 2018, als er nur ins C-Finale (Platz 13) fuhr und schon zu diesem Zeitpunkt seinen WM-Platz verlor.

„Ich habe mir bereits gute Grundlagen geholt“, sagte Appel. Aber im nächsten Trainingslager, diesmal in Erba (Italien), wird „noch mehr passieren“, ist er sich sicher. Denn dann legt Trainer Schwarzrock den Fokus auf den Einer, über den der Weg in alle drei Nationalboote führt. Syring kann Appel jetzt noch einen nützlichen Tipp mitgeben: Er sollte vorerst nicht Fußball spielen.