Parasport

Ring frei für neue Rekorde

Marie Brämer-Skowronek und Alex Bartz vom SC Magdeburg sind mit neuen Rekorden in die Saison gestartet.

Magdeburg l Eine Trainerin wie Theresa Wagner ist ja irgendwie immer voller Hoffnung und irgendwie nie voll zufrieden. Aber natürlich freut es die knapp über 29-Jährige, wenn sich trotz eines coronabedingt eintönigen Trainingsjahres die Arbeit an Technik und Kraft ausgezahlt hat. Dann darf auch sie über neue Bestleistungen ihrer Para-Leichtathleten vom SC Magdeburg jubeln. Über 7,55 Meter von Marie Brämer-Skowronek. Und über 10,80 Meter von Alex Bartz. Jeweils im Kugelstoßen. Auf der Suche nach Gründen für die persönlichen Rekorde wagt Theresa Wagner dann sogar den Schritt in die Philosophie. Sie sagt: „Wir haben eigentlich an unserem Trainingsplan wenig geändert. Ich denke einfach, dass wir unglaublich dankbar dafür sind, dass wir weitertrainieren können. Und deshalb geben wir auch im Wettkampf unser Bestes. Außerdem sind wir eine tolle und sehr emotionale Trainingsgruppe.“ Mit sehr viel Ehrgeiz außerdem.

Den hatte Alex Bartz schon immer. Oft genug kam auch die Aufregung hinzu, die ihn daran hinderte, seinen Ehrgeiz in Weiten auszuleben. Der neue Bestwert „hatte sich lange angedeutet, eigentlich schon seit einem Jahr“, berichtet Wagner. „Aber er hatte Schwierigkeiten, im Wettkampf und auch im Training locker zu bleiben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“ Also rief Wagner Michme an. Anja Michme. Sportpsychologin. Seit einem halben Jahr arbeiten sie und Wagners Schützling zusammen. „Das hilft ihm unglaublich“, sagt die Trainerin. „Vieles fällt ihm inzwischen wesentlich leichter.“

Und so empfindet auch der 22-Jährige. Er kommt inzwischen mit seiner Aufregung besser klar. Das zeigt sich dann nicht nur in 10,80 Metern. Das zeigt sich auch in den Serien, die er sowohl beim Wettkampf am Freitag vergangener Woche als auch beim Meeting am jüngsten Mittwoch jeweils in Cottbus mit der Sechs-Kilo-Kugel gezeigt hat. „Es ist auch für seine Psyche existenziell wichtig, dass er seine Bestweite bestätigen kann, dass er die für ihn noch magischen zehn Meter kontinuierlich übertreffen kann“, hatte Wagner nach der ersten Cottbus-Reise erklärt – übrigens der ersten für Bartz im Trikot des SCM nach seinem Wechsel vom VSB 1980 im vergangenen Oktober. Beim zweiten Auftritt schaffte er es wiederum auf 10,79 Meter. „Alle Stöße landeten über 10,40 Meter“, freut sich Wagner.

Neben der Arbeit mit Anja Michme ist es auch die Arbeit an der Technik, die Bartz zu neuen Weiten verholfen hat. „Wir haben vom Drehstoß auf das Angleiten umgestellt“, berichtet Bartz, der mit einer Dysmelie am linken Unterarm zur Welt gekommen ist. „Mit der neuen Technik komme ich besser klar.“ So gut sogar, dass er auch einen Trainingsausfall über mehrere Tage aufgrund von Rückenproblemen kompensieren kann. Und dann sogleich die Norm für den Nachwuchskader 1 des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) für die U 23 erzielte.

Wie Bartz hat sich auch Marie Brämer-Skowronek „über einen guten Einstieg in die Saison gefreut“, bestätigt sie. „In Cottbus hatte ich eine gute Serie mit 7,36 Metern als weitesten Versuch. Damit hatte ich eine neue Hallenbestleistung aufgestellt.“ In Cottbus am Freitag vergangener Woche. Einen Tag später toppte sie dieses Ergebnis beim Meeting der Bundeskader in Erfurt mit 7,55 Metern. Und am Mittwoch wiederum in Cottbus legte sie mit der Drei-Kilo-Kugel 7,43 Meter nach. „Technisch ist es noch nicht ganz stabil“, erklärt die Kindergärtnerin, die aufgrund einer spastischen Lähmung auf den Rollstuhl angewiesen und wie Wagner knapp über 29 Jahre jung ist. „Da fehlt mir noch ein wenig der Rhythmus. Aber für den jetzigen Zeitpunkt können wir zufrieden sein.“

Zufrieden? Das darf man eigentlich nicht sagen in Anwesenheit der Trainerin Wagner. Es geht ja um Ziele in der kommenden Freiluft-Saison. Marie Brämer-Skowronek peilt den Start bei den Paralympischen Spielen in Tokio an und die Aussichten dafür sind heiter bis sonnig. Und Alex Bartz hofft, „dass ich am Ende des kommenden Sommers eine Elf vor dem Komma stehen habe“. Aber alle legen zunächst eine Pause ein. Theresa Wagner hat für die kommenden 14 Tage ein kraftvolles „Durchatmen“ verschrieben. Und dann beginnt für die Übungsleiterin die Zeit der neuen Hoffnungen.