Nancy (dpa) - Erik Zabel legt den Arm um seinen Sohn Rick und gibt ihm noch letzte Ratschläge. Interessiert schaut mit etwas Abstand Mutter Cordula zu, die samt der Hunde einen Abstecher zur Tour de France gemacht hat.

Familie Zabel ist wieder vereint bei der Frankreich-Rundfahrt. Fast so wie in den 90er Jahren, als dem kleinen Rick noch schnell im Dixi-Klo auf den Champs Élysées die Haare grün gefärbt wurden, ehe es auf die Schultern des Vaters zur Siegerehrung ging.

Zwei Jahrzehnte später ist Rick Zabel längst selbst Radprofi. Der 25-Jährige bestreitet gerade seine dritte Tour. Aber erst seit diesem Jahr ist sein Vater mit im Team, als Performance Manager bei Katusha-Alpecin. "Natürlich ist das etwas Besonderes mit meinem Sohn. Das ist ja auch das erste Mal", sagt Erik Zabel der Deutschen Presse-Agentur. 

Sein Sohn pflichtet ihm bei: "Am Anfang war es komisch. Aber eigentlich ist es so wie zu meinen Jugendzeiten, in denen er als Ratgeber dabei war. Jetzt ist der Unterschied, dass er es auf Englisch macht und auch für sieben andere Fahrer da ist. Es ist cool, ihn dabei zu haben."

Mehr als fünf Jahre war Zabel senior raus aus dem Geschäft. Nach einer notgedrungenen zweiten Dopingbeichte hatten sich für den sechsmaligen Gewinner des Grünen Trikots die Türen zur Branche verschlossen. Sein Sohn ging bemerkenswert offen mit den immer wiederkehrenden Fragen zur Vergangenheit seines Vaters um. Verurteilt hat er ihn nicht.

In erster Linie holte der Rennstall mit russischem Einschlag den früheren Weltklasse-Sprinter, um Marcel Kittel wieder in Form zu bringen. Deutschlands Rekord-Etappensieger hat aber längst seinen Vertrag aus persönlichen Gründen aufgelöst. Weniger Arbeit hat Erik Zabel dadurch nicht. Zusammen mit Sportdirektor Dirk Demol kümmert er sich um die Rennstrategie und alle möglichen Details. Der Erfahrungsschatz aus rund 200 Profi-Siegen ist wertvoll, nicht nur für Sohn Rick.

In ähnlicher Position war Zabel einst beim Telekom-Nachfolge-Team HTC-Columbia im Einsatz, als er den britischen Superstar Mark Cavendish zu mehr als ein Dutzend Siegen navigierte. Einen Mann für die Massensprints hat Katusha nicht. "Ich werde mal versuchen, ein Ergebnis zu holen, vielleicht Top 5 oder Top 10", sagt Zabel junior, der in diesem Jahr bei der Tour de Yorkshire eine Etappe gewann. Ansonsten heißt das Ziel Paris, nachdem er im vergangenen Jahr in den Bergen die Karenzzeit verpasst hatte. Für dieses Unterfangen bringt er gute zwei Kilogramm weniger als im Vorjahr auf die Waage.

Wie es im nächsten Jahr weitergeht, ist noch völlig unklar - auch wenn Rick Zabel noch bis Ende 2020 unter Vertrag steht. Der Rennstall steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Sponsoren Alpecin und Canyon sollen mit dem Katusha-Management nicht zufrieden sein. Der Rennstall fährt aktuell unter Schweizer Lizenz, gehört aber dem russischen Milliardär Igor Makarow.

Die Stimmung sei aber trotzdem prächtig, berichtet Zabel junior. Der starke fünfte Platz im Mannschaftszeitfahren darf als Indiz dafür gewertet werden. "Wir haben eine super Truppe hier. Das Gruppengefühl ist gut, es ist ein bisschen wie auf Klassenfahrt", scherzt Zabel - auch wenn Väter dort eigentlich nichts zu suchen haben.

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