Handball

Sieg gegen Kiel: Der SCM regiert wieder

Handball-Bundesligist SC Magdeburg hat die Gunst der Fanrückkehr genutzt und den THW Kiel mit 34:33 (17:16) bezwungen.

Von Daniel Hübner
Auch in Bedrängnis erfolgreich: Omar Ingi Magnusson (M.) setzt sich gegen den Mittelblock des THWKiel und der Nationalmannschaft mit Hendrik Pekeler (r.) und Patrick Wiencek durch.
Auch in Bedrängnis erfolgreich: Omar Ingi Magnusson (M.) setzt sich gegen den Mittelblock des THWKiel und der Nationalmannschaft mit Hendrik Pekeler (r.) und Patrick Wiencek durch. Foto: Eroll Popova

Magdeburg - Omar Ingi Magnusson wirkt auf Bildern im sozialen Netzwerk wie der seriöse Geschäftsmann, dem man getrost einen Blankoscheck ausstellen kann. Aber bei näherer Betrachtung umgibt den 24-Jährigen vom SC Magdeburg eine Aura der Kühle, die sich auf der Platte schon mal zu einer eisigen Kälte steigert. Zum Beispiel, wenn er zum Siebenmeter antritt, den Torwart ausguckt und sicher verwandelt, was ihm in 81 Prozent aller Fälle in dieser Handball-Saison gelungen ist. Magnusson ist fünf Spiele vor dem Saisonende auch deshalb immer noch in der Lage, sich mit der Torjägerkrone zu krönen. „Ich werde ihn sicher nicht aufhalten“, sagte Trainer Bennet Wiegert lächelnd.

Am Dienstagabend hat er den Abstand auf den führenden Marcel Schiller (Göppingen/240) jedenfalls auf sechs Treffer verkürzt. Mit acht Toren gegen den THW Kiel. Womit er seinen Beitrag beim Sieg in diesem Bundesliga-Gipfel vor 1500 Zuschauern leistete: Die Grün-Roten gewannen mit 34:33 (17:16).

Nach Monaten der Stille ist es wieder laut geworden in der Getec-Arena. So laut, als wäre sie voll besetzt. Und wenngleich Bennet Wiegert gespannt war, wie schnell sich seine Mannschaft in die Atmosphäre einleben würde, blieb festzuhalten: sehr schnell, sehr gut, sehr erfolgreich. Denn sein Team führte nach fünf Minuten erstmals mit zwei Toren, erzielt von Zeljko Musa, den die Magdeburger immer wieder suchten und immer wieder fanden. Drei Treffer gelangen ihm bis zum 7:4 in der 13. Minute. Zum Abpfiff waren es sogar acht. Auch Tobias Thulin ließ sich vom Applaus der Fans mitreißen: Vier Paraden des Keepers in dieser Anfangsphase gaben seiner Mannschaft den Rückhalt.

Und Kiel? Kiel scheiterte nicht nur an Thulin, Kiel scheiterte auch am Pfosten und an sich selbst. Kiel unterliefen technische Fehler. Dass der Rekordmeister bis zur 15. Minute nur sechs Tore erzielte, war auch den eigenen Fehler geschuldet. Bis zur 22. Minute baute der SCM seine Führung auf drei Tore aus. Magnusson hatte eiskalt getroffen (12:9).

Rot für Pekeler

Kiels Trainer Filip Jicha stellte in der Folge seine Abwehr auf 3-2-1 um, die vor allem das Tempo im Magdeburger Angriff verhindern sollte. Doch Thulin rettete die knappe Pausenführung (17:16) mit seiner siebten Parade. Und mit der Schlusssirene sah Hendrik Pekeler, der Kieler Kreisläufer und Nationalspieler, auch noch Rot wegen Nachtretens gegen Christian O“Sullivan.

Die Schiedsrichter hießen indes Nils Blümel und Jörg Loppaschweski. Und ganz sicher hatten sie in dieser Saison noch nie so oft „Schieber“ während eines Spiels gehört. Und selten hat es so viele Unterbrechungen gegeben. Auch nach dem Wechsel, wo sich derweil der entscheidende Torwart-Vorteil der Magdeburger weiterhin bemerkbar machte. Nicht nur aufgrund der Paraden von Thulin (14), sondern auch mit einem gehaltenen Siebenmeter von Jannick Green. Der SCM baute seine Führung wieder aus (24:20/40.). Und brachte die eigenen Fans zur Ekstase.

Doch so einfach machten es die Kieler den starken Magdeburgern nicht: Beim 27:26 (49.), als der eingewechselte Ex-SCM-Keeper Dario Quenstedt mehrfach pariert hatte, bediente sich Coach Wiegert der Grünen Karte. Es blieb eng, es blieb umkämpft, es blieb aufregend. Bis Marko Bezjak 45 Sekunden vor Schluss das letzte Tor zum Sieg erzielte. Was dann zu hören war? „Hier regiert der SCM!“