Magdeburg l Wenn der Magdeburger SES-Boxstall in der Vergangenheit zu Pressekonferenzen rief, sah das so aus: Neben den Boxern saß dort stets Dirk Dzemski auf dem Podium. Der war einst selbst Aushängeschild des Stalls, dann erfolgreicher Trainer. Und so war es bemerkenswert, dass gestern neben den Boxern Tom Schwarz und Adam Deines eben nicht der erfahrene Coach saß.

Dzemski hat sich aus dem Trainingsbetrieb bei SES zurückgezogen. Er musste sich zuletzt an den Händen operieren lassen. Folgeschäden seiner aktiven Karriere. Neben Promoter Ulf Steinforth saßen also Ulli Kaden und Robert Stieglitz. Kaden betreut nun Schwergewichtler Tom Schwarz, Stieglitz – der mit Dzemski an der Seite WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht wurde – trainiert Adam Deines und „alle anderen“, sagt Steinforth.

Es sitzen also neue Kapitäne am Ruder bei SES. Der Trainerwechsel, sagt Steinforth, sei „völlig unproblematisch“ abgelaufen. „Dzemski war krank, musste die Operationen machen lassen. Wir mussten eine Lösung finden.“ Eine langfristige, wie er betont. Es gehe nicht darum, die Zeit bis zu Dzemskis Genesung zu überbrücken. „Wir mussten feste Tatsachen schaffen. Das ist jetzt erst einmal ungewohnt. Aber er (Dzemski/d. Red.) ist ja trotzdem unser Kumpel.“

Zeit wird es zeigen

Ob die Neu-Besetzung funktioniert, wird die Zeit zeigen. Eine erster Wegweiser ist die Boxgala in der Magdeburger Stadthalle am 15. September, bei der Tom Schwarz gegen Julian Fernandez aus Mexiko und Adam Deines gegen Mustafa Chadlioui aus Spanien antreten. Schwarz zeigt sich optimistisch: „Der Trainerwechsel kam schon unerwartet“, sagt der 24-Jährige, „aber ich habe das Gefühl, es passt alles. Ich sehe da keine Probleme.“

Mit Ulli Kaden hat er einen erfahrenen Boxer an der Seite. Der 59-Jährige war in seiner aktiven Zeit neun Mal DDR-Meister und zwei Mal Europameister im Schwergewicht. 1987 besiegte er unter anderem Lennox Lewis. „Ich konzentriere mich auf Tom, weil er das große Pferd im Stall ist“, sagt Kaden.

Für Promoter Steinforth war ausschlaggebend, dass Kaden in sein Konzept passt. „Er passt zum Sendegebiet, zur Region. Wohnt ja in Gera“, erklärt Steinforth. Und er könne sich in Schwarz hineinversetzen. „Die Schwergewichtler sind ja eine besondere Sorte von Mensch. Kaden kann seine Erfahrungen an Schwarz weitergeben.“

Dzemski, dem Mitte September eine weitere OP bevorsteht, will derweil per Ausnahmegenehmigung bei der kommenden Boxgala in der Ringecke stehen. Unter anderem bei Deines. „Wenn alles funktioniert und ich wieder fit bin, mache ich meinen Job weiter“, sagt Dzemski. „Da freue ich mich schon drauf.“ Die Trainer-Frage – sie scheint bei SES nicht abschließend geklärt zu sein.