Halle/Magdeburg l Stirn an Stirn standen sich Dominic Bösel und Sven Fornling nach dem Wiegen gegenüber. Wie zwei Schafsböcke versuchten sich beide mit den Köpfen wegzudrücken. Die Intensität des Kaugummikauens zeigte dabei deutlich, dass die zwei Kämpfer da auch nicht nur so eine Show ablieferten. Stirn an Stirn gab es von Bösel auch noch ein paar Ansagen. Und diese Sprüche erzürnten Fornling so sehr, dass er zum Ende des Staredowns am liebsten schon in den Infight gegangen wäre. Bösel dagegen blieb cool und lächelte nur. Damit gehen die ersten Punkte eher an Bösel. Der Schwede bringt mit 79,0 Kilo genau 200 Gramm weniger in den Ring als Bösel.

Bösel legt EM-Gürtel nieder

Dass es beim Wiegen so heiß hergeht, ist bei Bösel eher ungewöhnlich. Mit großen Sprüchen oder übertriebener Theatralik hielt sich der 30-Jährige eher zurück. Richtig spektakulär war es nur einmal, als er vor seinem Kampf gegen Enrico Kölling die Pressekonferenz verließ, weil er mit einigen Aussagen seines Gegners nicht einverstanden war. Das liegt ein gutes Jahr zurück. Damals verteidigte Bösel in Weißenfels seinen EM-Gürtel im Halbschwergewicht. Den muss er allerdings heute Abend im Rahmen seines Kampfes gegen Fornling niederlegen. Das schreiben die Regularien so vor, weil es im Duell gegen den Schweden um die WM geht. Und das sogar im Doppelpack.

Neben dem von Fornling gehaltenen IBO-Gürtel steht auch die Interims-Krone der WBA auf dem Spiel. Beim ältesten Boxverband der Welt steht Bösel in der Rangliste an Nummer eins und sein Gegner an Nummer drei. Da darf man also auf jeden Fall von einem Top-Kampf im Halbschwergewicht sprechen. Und vieles spricht dabei für Bösel.

Bösel erfahrener als Fornling

Der Freyburger hat bereits 30 Profikämpfe bestritten, während sein Gegner heute Abend erst zum 17. Mal in den Ring steigt. Während Fornling im Schnitt 4,9 Runden pro Kampf machte, gingen Bösels Kämpfe durchschnittlich über 7,2 Runden. Bei der Gesamtrundenzahl kann Bösel mit 217 Runden fast drei Mal so viele aufweisen als Fornling, der insgesamt auf nur 78 Runden kommt. Und obwohl der Kämpfer aus Malmö mit 1,88 Meter drei Zentimeter größer als Bösel ist, wird der SES-Mann eher aus der Distanz agieren. Dieser Stil liegt ihm auch deshalb gut, weil er ein Boxer mit viel Übersicht ist.

Lob von Ulli Wegner

„Dominic hat sich boxerisch gut entwickelt. Sein Trainer Dirk Dzemski wird auch eine gute Taktik für den Kampf ausgearbeitet haben. Deshalb denke ich, dass er gewinnt. Und dann könnte das deutsche Boxen auch ein echtes internationales Achtungszeichen setzen“, lobt Trainer-Ikone Ulli Wegner, der einst Kämpfer wie Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham oder Marco Huck zu Weltmeistern machte.

So wie Bösel beim Wiegen den ersten Infight verhinderte, so clever muss er das auch im Ring machen. Denn Fornling wird versuchen, Bösel in den Clinch zu zwingen und mit allen möglichen Tricks aus der Fassung zu bringen.

Bösel fühlt sich topfit

Sein Trainer macht sich da keine großen Sorgen. Dirk Dzemski: „Dominic ist voll fokussiert und weiß auch mit dem Druck umzugehen. Wie er in der Vorbereitung mitgezogen hat, zeigt auch, dass er viel selbstbewusster als früher geworden ist.“ Und sein Schützling hätte auch kein Problem gehabt, den Kampf gestern schon nach dem Wiegen auszutragen. „Ich war nicht verletzt oder erkältet, konnte immer voll durchtrainieren und bin hundertprozentig fit. Der Sonnabend kann kommen. Ich freue mich drauf“, sagt Bösel.