Magdeburg l „Im Gegenteil. Ich habe es genossen und konnte es mir auch mal leisten, nichts zu tun. Keine Verpflichtungen, keine Termine und kein Training. Stattdessen habe ich viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Und das tat uns allen gut“, schaut der 36-Jährige, der im Mai als Europameister im Halbschwergewicht zurückgetreten war, auf die Zeit des Faulenzens zurück.

Stieglitz wird zum dritten Mal Vater

Obwohl, ganz so untätig war der Ex-Weltmeister dann wohl doch nicht. „Ich werde zum dritten Mal Papa, und meine kleine Tochter Valeria und mein Großer Oskar bekommen ein Geschwisterchen“, verrät Stieglitz, der nach einem langjährigen Rosenkrieg inzwischen geschieden ist und mit seiner Freundin Anna und der 14 Monate alten Tochter in Biederitz lebt. Der Nachwuchs kündige sich für Mitte März an. „Und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt, dass es wieder ein Mädchen wird.“ Töchter blieben länger daheim bei der Familie, glaubt der Boxer im Ruhestand. „Meine Erfahrung sagt mir, Söhne nabeln sich früher ab und wollen ihren Weg gehen.“

So wie er selbst, der mit 19 seine russische Geburts- und Heimatstadt Jesk verließ, nach Deutschland kam und 2001 sein Profi-Debüt feierte. Von 57 Kämpfen gewann Stieglitz 50. Die Gürtelsammlung des einstigen Junioren-Weltmeisters, Interconti-Champions sowie Welt- und Europameisters ist aller Ehren wert.

Schmuckstück für das Wohnzimmer

Das dachte sich wohl auch der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB). Dieser ehrte Stieglitz sechs Monate nach dem Rücktritt für sein Lebenswerk. Die Freude über ein weiteres Schmuckstück für die Vitrine im heimischen Wohnzimmer ist groß, betont der Ex-Champion und muss lachen, als er im Zusammenhang mit dem Kristall-Pokal auf eine Anekdote angesprochen wird: Der vor kurzem verstorbene Werner Kirsch, sein erster Trainer bei SES, hatte einmal über ihn gesagt: „Robert ist wie eine Elster – alles, was glänzt, kann er gebrauchen.“

Die Auszeichnung hat für Stieglitz dennoch vor allem einen ideellen Wert: „Ich bin stolz darauf, denn so einen Pokal hat nicht jeder. Ich sehe das als Anerkennung dafür, was ich für den Boxsport in Deutschland geleistet habe.“

Doch auch für Magdeburg habe der Ex-Champion, der 2009 den deutschen Pass erhielt und wenig später als Weltmeister zum Ehrenbotschafter der Stadt ernannt wurde, viel getan, urteilt Rüdiger Koch, früherer Beigeordneter für Kultur, Schule und Sport: „Robert ist ein Magdeburger Patriot. Und ich schätze an ihm, dass er trotz der großen Erfolge immer auf dem Boden geblieben ist.“

Magdeburg bleibt Lebensmittelpunkt

Magdeburg bleibt auch in Zukunft Lebensmittelpunkt, betont Robert Stieglitz: „Hier kriegt mich keiner mehr weg.“ Und mit der Untätigkeit ist jetzt auch erst einmal vorbei, denn ab sofort ist er jeden Tag im SES-Gym in Olvenstedt anzutreffen. „Ich stehe Trainer Dirk Dzemski zur Seite, der Dominic Bösel auf den EM-Rückkampf gegen Karo Murat vorbereitet. Und ich werde fürs Sparring gebraucht“, so Stieglitz, der dem Boxsport weiter verbunden sein will. „Ich möchte meine Erfahrungen weitergeben und eine Art Amateur-Boxschule aufbauen.“ Vorstellbar sei, die Arbeit von Boxtrainer-Legende Walter Cybinski fortzuführen – beim Boxclub Magdeburg. Zurück zu den Wurzeln ...

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