Glasgow/Magdeburg l Es muss ein großes Glück sein, im Loch Lomond bei Glasgow schwimmen zu dürfen. Nicht nur, weil Leser der Zeitschrift „Radio Times“ den größten See Schottlands 2005 zum fünftschönsten Naturwunder in Großbritannien wählten, wie das Internet-Lexion „Wikipedia“ schreibt. Oder weil der Komponist Giuseppe Verdi einen Akt seiner Oper "Aroldo" aus dem Jahr 1857 dorthin verlegt hat. Sondern auch, weil Rob Muffels erklärt: „Die Schotten sind sehr gut organisiert, die Anlage ist wahrscheinlich die beste, die ich je gesehen habe.“

Zwei Starts bei der EM

Viel sehen wird der Schwimmer vom SC Magdeburg am Mittwoch und am Donnerstag (Start jeweils 10.30 Uhr) von der Anlage indes nicht. Denn Muffels, 23 Jahre, Vizeweltmeister 2015 über die fünf Kilometer, darf bei den Freiwasser-Wettbewerben der Europameisterschaften im bis zu 190 Meter tiefen Loch Lomond sowohl über die fünf als auch über die olympischen zehn Kilometer starten.

„Wir wollten es so, ich habe nichts zu verlieren“, erklärt Muffels zur gemeinsamen Entscheidung mit seinem Trainer Bernd Berkhahn. Dennoch möchte er um einen Spitzenplatz mitschwimmen. Es geht für ihn um den Einzug in den Olympiakader des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) und damit um die finanzielle Absicherung der kommenden Trainingsmaßnahmen durch den Verband.

Mit ihm springt zum Auftakt am Mittwoch Marcus Herwig in den See, der im Osten dicht bewaldet und Westen touristisch belebt ist. „Mir geht es super“, berichtet der 22-Jährige, der über die fünf Kilometer einen Platz auf dem Podium anpeilt. „Einzige Tücke im Loch Lomond: Er ist kalt“, erklärt er lächelnd. 17,5 Grad Wassertemperatur wurden zuletzt gemessen. „Aber das ist durch die Neoprenanzüge auch nur auf den ersten Metern ein Problem.“ Neopren ist bei diesen Graden nämlich Pflicht.

Lange Anfahrt

Das gilt auch für Finnia Wunram, die sich ebenfalls „sehr gut und fit“ fühlt für ihren Start über die zehn Kilometer am Donnerstag. „Das Wasser ist relativ ruhig und klar“, erklärte die 22-jährige WM-Siebte des vergangenen Jahres nach der ersten Trainingseinheit am vergangenen Sonntag. Es kühlt allenfalls das freie Gesicht, die Hände und Füße. „Mit diesen Bedingungen sollte ich also gut zurechtkommen. Deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass es ein gutes Rennen wird“, sagt Wunram und ergänzt: „Mein Ziel ist eine Medaille.“

Alles gut also? Fast. „Bis auf die lange Busfahrt“, erklärt Herwig. Vom Marriott Hotel in Glasgow, wo die DSV-Athleten ihr Zelt aufgeschlagen haben, bis zum See dauert die Fahrt eine knappe Stunde. Viel Zeit, um sich zu fokussieren. Oder um sich Verdis "Aroldo" anzuhören. Aber auch viel Zeit, um auf der Rücktour Erfolge zu genießen.