Magdeburg l Im nächsten Leben wird Finnia Wunram eine Innenarchitektin. So sieht es jedenfalls ihr Fernstudium derzeit vor. „Das ist kreativ, das macht mir Spaß“, erklärt sie. Sie wird dann bunte oder weiße Wände mit Bildern von Salvatore Dali oder Fotos von Andreas Feininger bestücken, die richtigen Jugendstil-Möbel aussuchen, sie mit den entsprechenden Accessoires verzieren. Nur nicht zu viel davon, nur keinen Kitsch und übertriebene Deko. „Weniger ist mehr“, lautet nämlich ihr Motto. Zumindest als Innenarchitektin. Im jetzigen Leben als Schwimmerin vom SC Magdeburg lautet es eher: „Mehr ist mehr.“

Mehr Ausdauer zum Beispiel bedeutet auch mehr Leistung im Freiwasser, denn das ist das sportliche Zuhause der Finnia Wunram. Welches sie allerdings für ein halbes Jahr verlassen musste wegen Corona. Am vergangenen Sonnabend ist sie sechs Monate nach dem Weltcup in Doha (Katar) erstmals wieder zu einem Rennen über die olympischen zehn Kilometer in die Fluten gesprungen, bei den 18. Internationalen Mittelrhein-Meisterschaften in der Aggertalsperre bei Gummersbach. Sie hat den dritten Platz belegt beim Sieg von Elea Linka und direkt hinter Sarah Köhler aus ihrer Trainingsgruppe. War sie zufrieden, tut ihr noch alles weh? „Ja und ja“, sagt die 24-Jährige lächelnd.

Ab 5. September in der Sierra Nevada

Es war ja nicht nur ihr persönlicher Re-Start nach langer Pause, es war zugleich das erste Rennen nach fünf Trainingstagen nach dem wiederum zweiwöchigen Urlaub. Den hat sie übrigens in Sondervig im schönen Dänemark mit ihrem Freund Yannic genossen. „Es war eine sehr schöne Zeit“, berichtet sie. „Er ist ja kein Magdeburger, wir sehen uns nicht sehr häufig.“

Häufiger sieht sie die eigene Trainingsgruppe, nicht nur bei Wettkämpfen wie in der Aggertalsperre, sondern auch alsbald in die Höhe der Sierra Nevada (Spanien), wo sich die Gemeinschaft von Trainer Bernd Berkhahn ab dem 5. September für vier Wochen in die Vorbereitung auf die Olympiasaison begibt. Und in ihrer Vorbereitung geht es eben um Ausdauer, von der sie noch viel mehr gebrauchen kann, als die Silbermedaillengewinnerin bei der Weltmeisterschaft 2019 über die 25 Kilometer sowieso schon hat.

Ausdauer steht nicht erst seit den jüngsten Testserien zur Bestimmung ihrer Stoffwechsel-Qualität an. „Zu meinem Programm gehört auch das Laufen“, berichtet Wunram. Und dazu wiederum gehört, ein- oder zweimal pro Woche 45 Minuten in den Schuhen eines Joggers zu bestreiten. „Außerdem schwimme ich im Training längere Teilstrecken ohne Pause.“ So soll der Konditionshaushalt der Finnia Wunram erweitert werden. Und muskuläre Probleme außerdem verhindert werden.

Kein Weltcup mehr in diesem Jahr

Die hatte sie in der Aggertalsperre bekommen. „Auf den ersten acht Kilometern lief es sehr gut, ich hatte einen guten Rhythmus“, resümiert Wunram ihr Rennen. Dann aber sendete ihr Körper langsam aber sicher Schwächesignale. Nach 2:06:28,79 Stunden erreichte sie das Ziel, mit 57,04 Sekunden Rückstand auf Linka und 56,16 Sekunden auf Köhler.

Es war ziemlich sicher das letzte Zehn-Kilometer-Rennen in diesem Jahr für die SCM-Athleten, „ein sehr schönes bei klarem Wasser“ außerdem, sagt Wunram beeindruckt. „Ich wäre auch sehr gerne noch die Weltcups in Hongkong oder in China geschwommen.“ Doch die Weltcupsaison hat der Weltverband Fina wegen Corona abgesagt.

Und deshalb ist für Wunram nun Becken angesagt: wie die deutschen Meisterschaften vom 29. Oktober bis 1. November im Berliner Europa-Sportpark.