Magdeburg l Der virtuelle Countdown bis zum nächsten Rennen auf der Pferderennbahn im Herrenkrug zählt auf der Webseite des Magdeburger Renn-Vereins unerbittlich die Tage, Stunden, Minuten, Sekunden. Und zeigt heute noch 34 Tage an. Denn am 21. Mai, zu Himmelfahrt, hätte der Aufgalopp ja stattfinden sollen, nachdem dieser im April aufgrund der Corona-Krise abgesagt werden musste. Doch auch das ist mittlerweile schon wieder überholt. Wenn überhaupt, dann wird erst im September wieder Leben auf der Rennbahn einkehren.

Der Dachverband Deutscher Galopp hat nämlich mit einem komprimierten Rennprogramm auf die Corona-Pandemie reagiert. Ab dem 1. Mai bis zum 15. Juni werden insgesamt 22 Renntage ohne Zuschauer veranstaltet. Aber weder am 21. Mai noch am 6. Juni hat der Magdeburger Renn-Verein den Zuschlag erhalten. Warum?

Hannover erhält Vorzug

Jan Pommer, Geschäftsführer des Dachverbands, erklärt, man habe sich bei der Vergabe der Standorte an Kriterien orientiert, „die uns auch unter Fairnessgesichtspunkten tragfähig erschienen“. Grundsätzlich finden an den Tagen bundesweit nur auf einer Bahn Wettkämpfe statt. Auf welche sich das Präsidium geeinigt hat, kam wie folgt zustande.

Erster Punkt: Regionale Clusterung. „In jeder Region sollten Rennmöglichkeiten geschaffen werden“, sagt Pommer, „Magdeburg, Halle, Hannover und Hoppegarten haben wir hier zusammengefasst.“

Auftakt erst im September

Dann habe der Verband die Trainingsstandorte – sprich die Anreise-Entfernung –, die Anzahl der Startmöglichkeiten der Rennbahnen sowie das Potenzial für Außenumsatz verglichen. „Dies hat nun im konkreten Fall zweimal den Ausschlag für Hannover und gegen Magdeburg gegeben“, bilanziert Pommer. Und fügt an: „Wir bedauern das wirklich“, man werde alles daran setzen, dass in der zweiten Phase Termine in Magdeburg stattfinden können.

Der 12. September wäre nun so ein Termin. Eigentlich war dieser als letzter Renntag im Herrenkrug vorgesehen. Verkehrte Welt also bei Renn-Verein und Präsident Heinz Baltus. Zum Vorgehen des Dachverbandes hält sich dieser bedeckt, es klingt aber durch, dass Kommunikation nicht gerade dessen größte Stärke ist. In die Entscheidung seien die Magdeburger in keiner Weise einbezogen worden.

Es könnte Ersatz-Termine geben

Doch Baltus will sich damit nicht lange aufhalten. „Renntage ohne Zuschauer zu veranstalten, kostet richtig Geld“, sagt er. Es fehlen die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Catering. „Die Rennpreise muss ich aber finanzieren“, sagt Baltus und hält fest: „Da bin ich besser dran, wenn ich erst gar nicht veranstalte.“

Einen „Plan B“ habe er zwar in der Hinterhand, zum Beispiel könnten im Herbst Ersatz-termine anberaumt werden. „Aber da jetzt Pläne aufzustellen, dass erscheint mir dann doch verfrüht“, meint Baltus.

Kampf um Mitglieder und Sponsoren

Zurzeit pflegt er den Kontakt zu Sponsoren und Mitgliedern des Vereins, für Letztere bereitet er ein persönliches Anschreiben vor. O-Ton: „Wir brauchen euch jetzt mehr denn je.“ Die ein oder andere Kündigung der Mitgliedschaft sei schon eingegangen, die Sorge um die finanzielle Situation treibt alle um. „Bei vielen Sponsoren habe ich das Gefühl, dass es irgendwie gehen wird“, ist Baltus zuversichtlich, „doch von manchen werden wir uns verabschieden müssen.“ Dabei denkt er insbesondere an Hotels und Restaurants.

Der Renn-Verein blickt ungewissen Zeiten entgegen. Eines allerdings ist schon jetzt sicher: Der Countdown auf der Webseite – er wird erneut deutlich verlängert werden müssen. Im besten Fall auf 148 Tage.