Magdeburg l Herzlich Willkommen in der Welt der Sprinter, Michael Müller. Weder das Auge noch irgendein Zahn – beide haben ihm im Laufe des Jahres schmerzhafte Probleme bereitet – konnten den Canadier-Fahrer auf dem Weg zu dieser neuen Erfahrung stoppen. Der 26-Jährige vom SCM wird nämlich ab Mittwoch bei der Weltmeisterschaft in Szeged (Ungarn) über die nichtolympischen 200 Meter starten. „Das ist ja eigentlich nicht meine Strecke“, sagt Müller und fügt sofort an: „Aber ich werde natürlich trotzdem mein Bestes geben.“

Müller steht nun nicht unter dem Druck, einen Quotenplatz für Olympia gewinnen zu müssen. Der Druck hätte ihm nichts ausgemacht, aber die Hoffnung auf einen Start bei den Sommerspielen in Tokio ist der Akzeptanz gewichen, dass bei den Canadiern die nationale Konkurrenz phänomenal stark ist. Für den Magdeburger kann deshalb nur die Devise lauten: Bereit sein, wenn die Chance doch noch kommt.

EIner über 200 Meter

Und an seiner Bereitschaft mangelt es sicher nicht. Auch wenn er in dieser Woche von der ersten Müdigkeit bei der unmittelbaren WM-Vorbereitung in Duisburg heimgesucht wurde. „Ich bin ganz schön platt“, berichtet er. „Aber das legt sich in der nächsten Woche.“ Wenn nämlich die Regeneration vor dem ersten Start erfolgt ist. Bis zum Sonnabend allerdings musste er sich auch „platt“ durchbeißen in den intensiven Einheiten.

Die Testserien zeigen zumindest: „Ich habe nach den Ausfällen in diesem Jahr an Grundlagen aufholen können und bin auf dem gleichen Niveau wie in der vergangenen Saison.“ Der Schützling von Detlef Hummelt ist 2018 Vierter im C4 über 500 Meter geworden und erreichte 2014 in dieser Disziplin über die doppelte Distanz Rang fünf. 2015 fuhr er im olympischen C2 über 1000 Meter auf Platz sieben. Somit feiert Müller 2019 – bei seiner vierten WM – also zwei Premieren: Er startet zum ersten Mal im Einer und über 200 Meter.

In Duisburg hatte Müller nach dem Training viel Zeit, über sein Ziel bei der WM nachzudenken. Das Wetter war dort zuletzt bescheiden, Müller ging zum Kochkurs oder traf sich mit den Teamgefährten auf eine Runde Poolbillard. Letztlich ist er nur zu einer Vorgabe für Szeged gelangt: „Ich möchte das Finale erreichen.“ Und dann kommt die Kür.