Linz/Magdeburg l Man darf da Max Appel nicht falsch verstehen. Die Landschaft in Österreich findet er auch traumhaft. Wirklich wahr. Aber Appel ist eben ein norddeutsches Kind. Ein Mann, der den Meeresduft liebt, der lieber mit den Möwen singt, als Enzian pflückt, oder auch lieber durch den tiefen Sandstrand als berghoch und bergrunter wandert. Entsprechend hat er die drei Wochen Trainingslager der Ruderer im Juli und August eben „als viel zu lang“ empfunden, sagt er: „Irgendwann kann ich einfach keine Berge mehr sehen, ich fühle mich so eingesperrt.“ Von über 2700 Metern hohen Gipfeln im schönen Kärnten und am schönen Weißensee.

Wenn dann noch das intensive Grundlagentraining hinzukommt, wenn die Ausdauer über 40 Kilometer täglich auf dem Wasser getrimmt, jeder einzelne Muskel im Kraftraum gestählt wird, allenfalls eine Tour mit dem Mountainbike für Abwechslung sorgt, ja, dann sind drei Wochen ein Spießrutenlauf für Kopf und Körper.

Aber Max Appel, Ruderer vom SC Magdeburg, hat nicht vergessen, welch gutem Zweck diese Tortur dienen sollte. Bei seiner dritten Weltmeisterschaft geht es für den Skuller von morgen an zugleich um einen Startplatz für den Deutschen Ruderverband (DRV) bei den Spielen in Tokio 2020. In Linz-Ottensheim muss er dafür mit dem Doppelvierer unter die besten acht Boote fahren. Und mit Platz acht hat er so einige Erfahrung.

Erstes Karriere-Podest in Rotterdam

„Zweimal war ich schon Achter“, erinnert sich Appel verschmitzt lächelnd, als hätte er sein Schicksal gefunden. 2017 in Sarasota (USA) gehörte er dabei zur festen Crew, 2018 in Plovdiv (Bulgarien) war er der Ersatzmann. Und 2019? Da liegt sein Glück erneut auf acht Schultern: seinen eigenen und jenen von Hans Gruhne, Timo Piontek und Karl Schulze. „Unser Ziel ist es, das Finale zu erreichen“, erklärt der 23-Jährige.

Es sei ihm gegönnt. Nicht nur aufgrund seiner WM-Vorgeschichte. Appel war in diesem Jahr zwischenzeitlich so weit von einer WM entfernt wie sein Herz von einem vernünftigen Schlag. Nach einem operativen Eingriff aufgrund einer Rhythmusstörung mit anschließender Reha-Maßnahme war der Schützling von Heimtrainer Roland Oesemann erst zwei Wochen vor den deutschen Kleinboot-Meisterschaften in Köln wieder ins Boot gestiegen und hatte sich dann für die Nationalmannschaft qualifiziert.

Und es sollte noch besser kommen: Bei der WM-Generalprobe, dem Weltcup in Rotterdam (Niederlande), sicherte er sich mit seiner Crew den zweiten Platz hinter Polen und damit das erste Podest seiner Karriere. „Schade, dass es nicht die WM gewesen ist“, sagte er damals lächelnd.

Zuletzt in München-Oberschleißheim, wo bis Mittwoch das DRV-Team weilte, hatte es Doppelvierer-Coach Marcus Schwarzrock ruhiger angehen lassen. So wurden „ganz locker acht Kilometer gefahren“, berichtet Appel. Es gab allerdings auch ein Relationsrennen über die 2000 Meter. Ein Rennen also, in dem unterschiedliche Bootsklassen gegeneinander fahren, die kleinere dabei mit zeitlichem Vorsprung startet. Appels Team fuhr elf Sekunden vor dem Deutschland-Achter los und erreichte fünf Sekunden nach dem Gegner das Ziel. „Das war kein gutes Rennen von uns“, so Appel. „Wir wären gerne mit einem besseren Gefühl rausgekommen.“

Mehrere Boote kämpfen um Gold

In Linz soll es trotzdem gut werden. Vom ersten bis zum letzten Rennen, dem Finale am nächsten Sonnabend. Die Konkurrenz ist dort so groß wie bei keinem anderen internationalen Wettbewerb in diesem Jahr. 19 Boote gehen an den Start. „Fünf, sechs Boote kämpfen um Gold“, weiß Appel. Ob Polen, Niederlande, Australien, Neuseeland oder die Briten. Selbst die Deutschen. „Ich hoffe, dass wir um eine Medaille mitfahren können“, sagt Appel.

Da trifft es sich wirklich gut, dass die Regattastrecke in Linz-Ottensheim parallel zur Donau liegt und im Gegensatz zum Weißensee allenfalls von kleineren Hügeln umgeben wird. Max Appel kann also in diesem Teil Österreichs völlig befreit rudern.