Magdeburg l Am Ende der Europameisterschaften durfte Lukas Märtens wieder ganz Teenager sein. Am vergangenen Sonntag stand er also auf der Tanzfläche in einem Hotel mitten im russischen Kasan, er schwofte zu undefinierbarer Musik aus der Konserve. Und spritzte sich mit den Mittänzern mit Wasser nass. „Deshalb bin ich auch erkältet zurückgekommen“, sagt Märtens wieder im Vollbesitz seiner Stimme, die zwischenzeitlich einigen Rost angesetzt hatte. „Die Halsschmerzen klingen ab. In ein, zwei Tagen ist wieder alles gut.“ Zumindest gut genug, um auch wieder ins Training einsteigen zu können. Denn Märtens muss zum Ende der Saison noch einmal schnell schwimmen.

Einsatz über 200 Meter Rücken?

Nach der Junioren-EM in Kasan ist nämlich vor der Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr in Budapest (Ungarn/20. bis 25. August) ausgetragen wird. Und Märtens ist wie auch Danny Schmidt (SG Frankfurt) aus seiner SCM-Trainingsgruppe dafür nominiert worden. Über welche Distanzen stand bislang nicht fest. Aber dem 17-Jährigen winkt bei seinem letzten Nachwuchswettbewerb in jedem Fall ein Einsatz über 200 Meter Rücken und in der 4x200-Meter-Freistilstaffel. In dieser wird auch der gleichaltrige Schmidt wieder kraulen, dem das Glück einer Medaille beim Einzelstart bei seiner ersten JEM verwehrt blieb. Wie auch Märtens.

Dieser hatte in Kasan über seine Paradestrecke den sechsten Platz belegt und die Silbermedaille in der Freistil- und 4x100-Meter-Mixed-Lagenstaffel gewonnen. „Ich war ziemlich aufgeregt vor dem ersten Start“, sagt Märtens, der als älterer Jahrgang und schnellster Schwimmer auf seiner Spezialdistanz an den Start gegangen war. „Aber mit der Zeit wurde es immer besser.“

Märtens mit Altersklassenrekord

Und noch mehr: Märtens ist mit einem Altersklassenrekord, aufgestellt im Halbfinale über 200 Meter Rücken, aus Kasan zurückgekehrt: 1:59,92 Minuten. Doch diese Leistung konnte er im Endlauf nicht mehr abrufen. „Die letzten 50 Meter waren schon schnell. Aber ich habe drei Bahnen gebraucht, um überhaupt ins Rennen zu finden.“ Sein Trainer Stefan Döbler meint: „Ihm hat die Lockerheit gefehlt. Die Angangszeiten waren gut, aber er musste einfach zu viel investieren. Für Lukas gehört das aber zum Lernprozess dazu.“

Sein Schützling war zudem überrascht, dass die Konkurrenz, die stärkste in dieser Diszipin und Altersklasse seit langem, sehr schnell unterwegs war und sogar „deutlich unter meinem Rekord geblieben ist“. Es gewann Jan Cejka aus Tschechien mit 1:57,51 Minuten. Damit hätten selbst seine prognostizieten 1:58,5 Minuten nicht zum erhofften Sieg gereicht. „Wir haben uns danach alle beglückwünscht“, erzählt Märtens von der Harmonie unter den Gegnern, die sich auch im sozialen Medium Instagram gerne mal treffen.

Vielleicht war es dann doch zu viel des Guten mit insgesamt sieben Disziplinen, in denen Märtens gestartet ist. Er selbst nannte sein Programm im Nachhinein ein „ziemliches Brett. Aber mein Trainer sagt, ich muss weiter meine Wettkampfhärte trainieren, wenn ich mich auf die großen Sachen, die noch kommen sollen, vorbereiten will“. Döbler betont: „Wenn einer Wettkampfhärte verkraftet, dann ist das Lukas Märtens.“

Märtens wechselt Leistungsklasse

Ab September heißt sein Trainer wiederum Bernd Berlhahn, denn Märtens wechselt in die Leistungsklasse. Er möchte auch, dass sein neuer Schützling diese Härte sammelt. Berkhahn war auch positiv überrascht von der Zeit, die Märtens als Startschwimmer in der Freistil-Staffel erzielte: 1:48,98 Minuten. Das wäre selbst in der Elite eine akzeptable Zeit, mit der es sich bei den „großen Sachen“ wie WM oder Olympische Spiele im Team kraulen lässt. Soweit will Berk-hahn zwar nicht denken. Er ist sich aber sicher: „Das ist ein guter und vielseitiger Junge, an dem werden wir noch viel Spaß haben.“

Den will auch Märtens künftig haben, nicht nur auf einer Tanzfläche am letzten Abend des Saisonhöhepunktes, sondern natürlich im Wasser. Und erst recht bei der WM in Budapest, für die er womöglich auf einen Urlaub komplett verzichten muss. Oder vielleicht macht das Sportgymnasium ja mal eine Ausnahme, und „ich werde nach der WM für zwei Wochen freigestellt“, spekuliert Märtens lächelnd. Bis dahin heißt es für ihn noch ein letztes Mal in der Langbahn-Saison: „viel Adrenalin freisetzen.“