Magdeburg l Die Flugreise in dieses neue Abenteuer führte Franziska Hentke und Sarah Köhler am Donnerstag über drei Stationen: Berlin-Tegel, New York City und als Ziel Indianapolis. Dort bestreiten die beiden Magdeburgerinnen am heutigen Sonnabend den Auftakt in der neuen International Swimming League (ISL). Oder wie der Unternehmer, Milliardär, Gründer und Hauptsponser Konstantin Grigorishin aus der Ukraine sagen würde: „Wir bringen ein neues Produkt auf den Markt.“ Ein millionenschweres nämlich, von dem nicht nur seine Investoren, sondern auch die Athleten profitieren sollen.

Das Produkt hat folgendes Format: In zwei Gruppen kämpfen jeweils vier Profi-Teams mit zwölf Frauen und zwölf Männern ihre beiden Finalisten der Kurzbahn-Serie aus. Für Hentke und Köhler, die für die Aqua Centurions starten, soll es über Indianapolis an diesem Wochenende, Neapel (12/13. Oktober) sowie London (23./24. November) direkt ins Finale in Las Vegas (USA/20. und 21. Dezember) gehen. „Über den Jetlag darf man nicht nachdenken, der Reisestress hält sich in Grenzen, weil wir von Indianapolis direkt nach Neapel fliegen“, sagt SCM-„Schmetterling“ Hentke.

Es geht in dieser Liga nicht nur um die Herausforderung, gegen die Besten der Welt zu schwimmen, es geht auch um die Chance, Geld zu verdienen. Mehr, als es bei einer Veranstaltung des Weltverbandes Fina möglich ist. Und sein wird. Die Athleten erhalten feste Verträge, sie erhalten zudem Prämien für ihre Ergebnisse. Bernd Berkhahn, Coach beim SCM und Bundestrainer, findet das neue Produkt auch deshalb gut: „Die Fina war bislang immer sehr zurückhaltend dabei, die Sportler in die Gewinne mitzunehmen, die erzielt wurden. Durch den Anbieter ISL ist sie gezwungen, etwas zu tun.“

Chad le Clos, Olympiasieger über 200 Meter Schmetterling aus Brasilien, wurde im ZDF deutlich: „Wir sorgen dafür, dass die Verbände Geld verdienen.“ Und er fragte: Warum sollte Fina oder Internationales Olympisches Komitee (IOC) Sportler nicht an den Gewinnen teilhaben lassen?

Von der ISL profitieren alle Starter, allein der Sieger in einer Disziplin beim Finale in Las Vegas erhält 10 000, der Vierte noch 1000 US-Dollar. Für jedes Team gibt es zudem 300 Dollar pro gesammelten Punkt in den drei Vorkämpfen. In Indianapolis könnte eine Mannschaft also bei sechs Punkten pro Einzelsieg maximal 43 200 Dollar gewinnen. So oder so: Der finanzielle Gewinn ist garantiert.

Natürlich hat die ISL, die am Sonnabend und Sonntag jeweils ab 20 Uhr bei Eurosport 2 gezeigt wird, auch einen sportlichen Wert. Für die 25-jährige Köhler geht es darum, „die hohen Geschwindigkeiten zu trainieren“. Sie wird über 400 Meter Freistil starten. Hentke, 30, sieht ihren Start über 200 Meter Schmetterling und womöglich eine Lagen-Dis- tanz als Standortbestimmung. Gerade mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sagt Hentke, „wird jedes Rennen wichtig sein“.