Magdeburg l Allein ihr Blick sagte mehr als 1000 Worte. Aliena Schmidtke musste eigentlich nichts mehr reden, um ihre Gefühlswelt zu erklären. An jenem Oktober-Sonnabend beim Schwimm-Weltcup im Berliner Europa-Sportpark und nach dem Vorlauf über die 50 Meter Schmetterling. Sie lächelte. Sie schaute erwartungsvoll. Und freudig. Trotz eines gar nicht so optimalen Rennens. „Mein Übergang war sehr schlecht, ich bin mit den Armen hängen geblieben“, sagte sie über die Start-Auftauch-Beschleunigungsphase. Und lächelte einfach weiter. Denn das Finale hatte sie trotzdem erreicht.

Wer war nun diese Frau, die aussah wie Aliena Schmidtke, aber gar nichts mit jener Aliena Schmidtke zu tun hatte, die in der Vergangenheit wortkarg ihre Leistungen – gute wie schlechte – analysierte? Auf der Suche nach Antworten muss man da einige Monate zurückreisen in eine andere Welt, in der die Sonne weniger schien – trotz sonniger Ortslage in Gainsville (Florida). Und in der die Athletin vom SC Magdeburg seltener lächelte.

Am 1. Mai war Schmidtke nach vier Monaten unter der Trainerlegende Gregg Troy aus den USA ins beschauliche Magdeburg zurückgekehrt, weil sie weder die Unterstützung des Starcoaches gespürt, noch die Form gefunden hatte, mit der sie sich für die Weltmeisterschaft im vergangenen Juli in Südkorea hätte qualifizieren können.

Neuaufbau unter Berkhahn

Schmidtke zog damals also die Reißleine. Und mit Blick auf ihren Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio 2020 hätte sie diese nicht später ziehen dürfen.

An jenem Sonnabend in Berlin berichtete sie von Diagnostik, vom Neuaufbau unter Bernd Berkhahn beim SCM. „Bernd ist ein Weltklasse-Trainer. Es spielt auch keine Rolle, dass er mehr Langstreckler unter sich hat. Denn Bernd ist jemand, der sehr über den Tellerrand hinausschaut.“ Und bei dem sich eben auch die 26-Jährige sehr gut aufgehoben fühlt.

Die Analyse zu den Fähigkeiten Aliena Schmidtkes ist noch nicht abgeschlossen. Seit ihrer Rückkehr wird an ihrem individuellen Trainingsplan gebastelt, der all ihre Defizite beseitigen soll. „Ich hatte einen großen Rückstand, hatte drei Kilo zu viel drauf. Ausdauer war nicht mehr vorhanden. Technisch lief alles durcheinander“, erklärte Schmidtke ihre Verfassung im Mai.

Auch im Kopf nagte die kleine, aber intensive Florida-Anekdote: „Natürlich geht es auch mental nicht einfach an einem vorbei“, gesteht Schmidtke. „Aber es hilft nicht, in die Vergangenheit zu schauen, man muss es einfach mal abhaken.“

Lächelnd, lachend, Schmidtke

Dabei hilft ihr wiederum Sportpsychologin Christine Stucke. Im persönlichen Bereich wie im sportlichen, wenn es um Rennstrategie geht. „Für mich ist es wichtig, einen klaren Kopf zu kriegen.“ Den hatte sie über 50 und 100 Meter Schmetterling beim Weltcup, als sie jeweils Dritte wurde, als sie mit einem fröhlichen „Los geht‘s!“ ins Becken sprang.

Mit zu diesem frühen Zeitpunkt sehr guten Zeiten (26,14 und 59,12 Sekunden) war sie auf die ersten internationalen Podestplätze ihrer Karriere geschwommen – mal abgesehen von der Universiade 2017, bei der sie gewonnen hat. „Ansonsten war ich immer sehr gute Vierte“, erklärte sie lachend.

Lächelnd, lachend, Schmidtke. Oder: Zurück im Glück. In Berlin präsentierte sich die Athletin als eine unbeschwerte Frau, die wieder von Olympia träumen darf seit ihrer Rückkehr zum SCM. Dorthin also, wo sie von 2005 bis 2011 ausgebildet wurde. Und sie sagte: „Mir geht es wieder besser.“