Sportler profitieren

Die direkte Förderung für Spitzensportler steigt deutlich. „Im Schnitt werden es rund 900 Euro pro Monat und Sportler sein“, sagte Michael Ilgner, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Sporthilfe. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums profitieren rund 2000 Kaderathleten von der Förderung, dazu zählen neben dem Olympia- und dem Perspektivkader auch Paralympics-Athleten und Sportler, die sich auf die Deaflympics (Gehörlosensport) vorbereiten. Die Grundförderung für Olympia-Kader wird von 300 auf 800 Euro, für Perspektivkader von 150 auf 700 Euro pro Monat erhöht. Hinzu kommt finanzielle Unterstützung aus weiteren Töpfen. (dpa/dh)

Magdeburg l Rob Muffels denkt in Optionen. Er hat Pläne für die Zukunft geschmiedet. Mehrere sogar. „Plan A ist derzeit die Teilnahme an den Sommerspielen 2024 in Paris“, sagt der Freiwasser-Schwimmer vom SC Magdeburg.

Für genau diesen Plan lockt Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nun mit deutlich mehr Geld, wie er am Mittwoch vor dem Sportausschuss des Bundestages verkündete. Die Förderung der Olympiakader wie Muffels wurde von 300 auf 800 Euro pro Monat über die Deutsche Sporthilfe erhöht – rückwirkend zum 1. Januar. 500 Euro mehr, um Athleten wie Muffels in der Erfolgsspur zu halten. „Das ist eine Menge“, sagt er. Und diese Menge soll zugleich sein Bekenntnis zum Sport erleichtern – langfristig.

Muffels studiert Psychologie

Muffels schwimmt allerdings nur von Nahziel zu Nahziel. Das nächste ist die Weltmeisterschaft in Gwangju (Südkorea) im Juli, wo er sich mit einem Top-Ten-Platz für die Spiele 2020 in Tokio qualifizieren kann. „Weiterzudenken“, sagt der 24-Jährige, „ist schwierig, weil man in einem weiteren Olympia-Zyklus mit dem Training eines Hochleistungssportlers klarkommen muss – vor allem im Kopf.“ Denn was fehlt, ist Zeit. Und Zeit ist unbezahlbar. Dabei „bin ich glücklich, dass ich neben meinem Sport andere Interessen verfolge“, erklärt Muffels, der Psychologie-Student.

500 Euro erleichtern vieles. Und natürlich werden viele der 2000 deutschen Kaderathleten aus den olympischen Disziplinen ihre Zusatzeinnahme als Entschädigung für ihre Opfer betrachten. Muffels schwimmt 100 Kilometer in der Woche, trainiert täglich morgens und nachmittags. Trainiert auch am Wochenende. Fährt an diesem Montag für drei Wochen ins Höhentrainingslager in die Sierra Nevada (Spanien), fährt vor der WM noch einmal ins Trainingslager nach Font Romeu (Frankreich). Die Familie in Elmshorn sieht er selten.

800 Euro über Sporthilfe

In der Zeit-Einnahmen-Relation waren Muffels bisherige monatliche Zuwendungen schon ein guter Durchschnittsverdienst. Und geklagt hat er über diesen noch nie. Er ist Hauptgefreiter bei der Bundeswehr, er ist Mitglied der Sportfördergruppe, sein Sold beträgt 1850 Euro netto im Monat. Mit 800 Euro über die Sporthilfe hat er nun also 2650 Euro allein aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung. Diese 800 Euro müssen beim Finanzamt angegeben werden. Allerdings geht die Behörde davon aus, dass der Hilfe auch Kosten gegenüberstehen. Stehen sie nicht, muss ein entsprechender Teil versteuert werden.

Hinzu kommt die finanzielle Unterstützung über den SCM. Ohne sie „wäre ich zwar über die Runden gekommen, entsprechend hatte ich meine monatlichen Fixkosten ausgerichtet.“ Aber ohne sie, betont Muffels, „hätte ich nichts auf die Seite legen können“.

Fürs Leben sparen

Die Fixkosten ändern sich auch nicht mit der neuen Förderung. Was er mit 500 Euro mehr macht? Spontan fallen ihm zwei Dinge ein: für einen schönen Urlaub und fürs Leben sparen. Muffels ist ein intelligenter Mann, seine Pläne sind keine Träume, sie haben konkrete Züge. Und sicher gehört seine Zukunft der Psychologie.

Muffels studiert im sechsten Semester, „aber von den Leistungsüberprüfungen her bin ich tatsächlich erst im zweiten“. Er hatte sich für diesen Frühling zwei Prüfungen ausgesucht, um im Studium voranzukommen. Weil er aber im Kampf ums WM-Ticket Ende März nach Eilat (Israel) zum Ausschwimmen gegen Andreas Waschburger musste, musste er einen Test verwerfen. „Das kostet mich ein Semester.“ Und damit wichtige Zeit für einen seiner Pläne. Trotzdem weiß er natürlich den Freiraum für seinen Sport zu schätzen: „Ich bin wirklich sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit der Guericke-Universität.“

Bis Paris will er aber fertig sein. Will seine Bachelor-Arbeit geschrieben haben, sich vielleicht für ein Masters-Studium eingeschrieben haben. Bis Paris will Muffels nicht nur eine seiner Optionen ziehen können. Denn er weiß: „Das Wichtigste ist es, nach der Karriere im Sport sofort den Anschluss ins neue Leben zu finden.“